„Das erste Jahr im gemeinsamen Europa“

30. Januar 2020
Die erste Ausgabe des Jahres 1995 war auch für das Kommunal-Magazin eine besondere. Erlebte die Zweite Republik doch, wie Verleger und Bürgermeister Walter Zimper im Editorial dieser Ausgabe schrieb, das „erste Jahr im gemeinsamen Europa und das 50. Jahr in der Zweiten Republik“.

Zimper schrieb weiter, dass Österreich „eines der zehn reichsten Länder der Welt ist, wir den Konjunktureinbruch der letzten Jahre besser bewältigt haben als die meisten anderen Länder, und alle Prognosen deuten zweifelsfrei darauf hin, dass der wirtschaftliche Aufschwung mit neuen Impulsen beginnt“. Aber: Das sei nur die eine Seite der Medaille.

„Die andere Seite hingegen zeigt uns eine Bevölkerung, die von der wirtschaftlichen und politischen Situation im Land so frustriert wie noch nie ist; sie zeigt uns Sozialpartner, die den permanenten Niedergang ihrer Berufsgruppen beschwören, und sie zeigt uns eine Medienlandschaft, der es mit offensichtlicher Wollust darum zu tun ist, selbst in der besten Suppe noch das berühmte Haar zu finden.“

Und „dazwischen steht eine Regierung, die erkannt hat, dass der hohe wirtschaftliche und soziale Status Österreichs nur erhalten werden kann, wenn in alle öffentlichen Haushalte des Landes neue Stabilität einkehrt (1995 sic!) - auch und vor allem dann, wenn 33 zusätzliche Milliarden (Schilling) für die EU nötig sind.“ Das alles vor dem Hintergrund, dass die Budgets der Kommunen bis zur Schmerzgrenze ausgelaugt seien und die Gefahr bestehe, selbst die abschätzbaren Mehrkosten im Bereich des Gesundheits- oder Sozialwesens nicht mehr verkraften zu können.

Und gerade aus der „unerklärlichen zweiten Seite der Medaille“ las Walter Zimper die Erfordernis ab, „dass die Kommunalpolitiker dieses Landes die Erkenntnis über die positive Arbeit der Gemeinden, ihrer Vertreter und der Regierung“ auch an ihre Bürger weitergeben. „Das Kommunal-Magazin mit seinen detaillierten Berichten sollte sie dazu anregen“ – so, wie es KOMMUNAL heute noch versucht, auch wenn der Satz mit den „Budgets der Kommunen am Rand der Schmerzgrenze“ immer noch in vielen Beiträgen stehen könnte.