Die Gewinnerinnen des „Phönix“ 2026 (Mitte, v.r.n.l. Julia Kiraly, Franziska Halbwidl, Lisa Hochstöger, Conny Lachmann, Laura Puralka (abwesend)) mit ÖWAV Präsident Martin Niederhuber (vierter v.l.) und SC Christian Holzer (sechster v.r.)
Die Gewinnerinnen des „Phönix“ 2026 (Mitte, v.r.n.l. Julia Kiraly, Franziska Halbwidl, Lisa Hochstöger, Conny Lachmann, Laura Puralka (abwesend)) mit ÖWAV Präsident Martin Niederhuber (vierter v.l.) und SC Christian Holzer (sechster v.r.)
© ÖWAV/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Abfallverband Hollabrunn gewinnt Abfallwirtschaftspreis „Phönix"

26. März 2026
Der Gemeindeverband für Abfallwirtschaft und Abgabeneinhebung des Verwaltungsbezirks Hollabrunn hat beim Österreichischen Abfallwirtschaftspreis „Phönix“ den Gesamtsieg errungen. Die Auszeichnung wurde am 25. März 2026 im Rahmen der Österreichischen Abfallwirtschaftstagung am Flughafen Wien-Schwechat zum 18. Mal vergeben.

Insgesamt 71 Projekte wurden in diesem Jahr eingereicht – um 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Preis war in den drei Kategorien „Innovation“, „Kommunikation“ und „Best Project“ ausgeschrieben. Eine Jury bewertete die Einreichungen nach den Kriterien Innovationscharakter, abfallwirtschaftliche Relevanz und Praxistauglichkeit. In jeder Kategorie wurden ein erster und ein zweiter Preisträger bestimmt.

Hollabrunn siegt in der Kategorie Kommunikation

Der Abfallverband Hollabrunn überzeugte mit dem Projekt „Spielerisch zum Recycling“ und gewann damit die Kategorie „Kommunikation". Den Gesamtsieg ermittelte erstmals nicht die Jury, sondern das anwesende Publikum: Per Online-Voting während der Projektpräsentationen kürte es den Abfallverband Hollabrunn zum Gesamtsieger. Sektionschef Christian Holzer vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft überreichte die Trophäe in Vertretung von Bundesminister Norbert Totschnig.

Preisgeld und Bedeutung der Auszeichnung

Das Gesamtpreisgeld betrug 10.500 Euro, davon entfielen 3.000 Euro auf den Hauptpreis. 

ÖWAV-Präsident Martin Niederhuber wertete die hohe Beteiligung als positives Signal: „Daraus lässt sich deutlich ablesen, dass der ‚Phönix' als Auszeichnung immer wichtiger wird und die österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft bereits intensiv an der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft arbeitet.“ 

Bundesminister Totschnig betonte die gesellschaftliche Funktion des Preises: „Die Abfallwirtschaft ist ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Mit dieser Auszeichnung schaffen wir Bewusstsein und stärken die öffentliche Akzeptanz für ihren wichtigen Beitrag zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.“

Die Siegerprojekte

Kategorie „Innovation“

Die Abfallwirtschaft ist ein wesentlicher Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Mit dem Innovationspreis werden Forschungsprojekte, neue Konzepte sowie Entwicklungen ausgezeichnet, welche den Beitrag der Abfallwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln.

Der 1. Platz in der Kategorie ging an Brantner green solutions (Krems) für das Projekt „Weltneuheit: Brantner Glasy Anlage“. Dabei handelt es sich um die weltweit erste Anlage, die Glas aus den Rückständen der Müllverbrennung zurückgewinnt und wieder in den Kreislauf der Verpackungsglasindustrie zurückführt. In Österreich fallen jährlich rund 600.000 Tonnen Aschen und Schlacken aus der Müllverbrennung an. Sie enthalten bis zu 30 Prozent Glas, das bislang als untrennbarer Abfall deponiert werden musste. Nun wurde ein Verfahren entwickelt, das Glas mit einem Reinheitsgrad von 99,9999 Prozent aus Aschen und Schlacken zurückgewinnt. Das extrahierte Glas kann von der Verpackungsindustrie oder anderen Herstellern problemlos als energieeffiziente Alternative zur Neuglasproduktion herangezogen werden.

Auf den 2. Platz kam die Einreichung „Christian Doppler Labor für Fortschrittliches Recycling von Lithium-Ionen-Batterien“ des Lehrstuhls für Nichteisenmetallurgie der Montanuniversität Leoben. 
Das CD-Labor für Fortschrittliches Recycling von Lithium-Ionen-Batterien entwickelt wissenschaftlich fundierte Verfahren, die die Ressourceneffizienz und Umweltbilanz des Batteriewertschöpfungskreislaufs verbessern. Durch die Untersuchung grundlegender Reaktionsmechanismen und die Entwicklung anpassungsfähiger hydrometallurgischer Prozesse werden Recyclingraten von mehr als 90 Prozent für Lithium und mehr als 95 Prozent für Nickel, Kobalt und Kupfer erzielt. Dies verringert den Bedarf an primären Rohstoffen, reduziert energie- und CO₂-intensive Herstellungsprozesse und minimiert umweltkritische Abfallströme. Die Forschungsergebnisse erhöhen die Prozessstabilität, verkürzen metallurgische Prozessketten und stärken die wirtschaftliche Umsetzbarkeit zukünftiger Batterierecyclingtechnologien im industriellen Maßstab.

Kategorie „Kommunikation“

Kommunikation ist in der Abfallwirtschaft von besonderer Bedeutung. Kreative und engagierte Kommunikation trägt dazu bei, öffentliches Bewusstsein und Akzeptanz für die Abfallwirtschaft und deren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu schaffen.

  • Der Gemeindeverband für Abfallwirtschaft und Abgabeneinhebung (GVA) im Verwaltungsbezirk Hollabrunn und seine Kampagne „Abfallverband Hollabrunn – Spielerisch zum Recycling“ sicherten sich den 1. Platz in dieser Kategorie sowie den „Phönix“-Hauptpreis 2026. 
    Das Projekt „Abfallverband Hollabrunn – Spielerisch zum Recycling“, von jungen Menschen für junge Menschen entwickelt, gestaltete eine digitale Schnitzeljagd zur Aufklärung über die richtige Entsorgung von Elektroschrott. Ein besonderer Fokus liegt auf Lithium-Ionen-Akkus, die häufig falsch entsorgt werden und dadurch erhebliche Brandgefahren verursachen. Ziel des Projekts ist es, solchen Gefahrensituationen präventiv entgegenzuwirken und Umweltbewusstsein sowie Sicherheit zu fördern. Mithilfe der App „Actionbound“ wurde eine interaktive Schnitzeljagd erstellt, ergänzt durch spannend aufbereitete Lernvideos zum Thema Recycling. Durch gezielte Promotion soll umweltbewusstes Denken bei Kindern und Jugendlichen österreichweit nachhaltig gestärkt werden.
     
  • Den 2. Platz erreichte das Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien mit der Einreichung „GewissensBISS – geerntet.gekauft.gekübelt.“. 
    Die Wanderausstellung „GewissensBISS“ macht Lebensmittelabfall sichtbar und zeigt ganz Österreich, wie er vermieden werden kann. Sie setzt gezielt bei Schulen an, um die Multiplikatorwirkung über Lehrer:innen und Schüler:innen in Familien zu tragen – dorthin, wo der Großteil vermeidbarer Abfälle entsteht. Im Sinne echter Ressourcenschonung wurden bestehende Exponate des Naturhistorischen Museums Wien sowie Materialien der BOKU und der Tafel Österreich weiterentwickelt und zu einem interaktiven Gesamtpaket zusammengeführt. „GewissensBISS“ vermittelt Fakten und Umweltauswirkungen, macht Herkunftswege sichtbar, zeigt richtige Lagerung und stärkt das Vertrauen in die eigenen Sinne – und damit die Fähigkeit, mit Lebensmitteln umzugehen.

Kategorie „Best Project“

Mit dem Preis für das Beste Projekt sollen bereits umgesetzte Projekte, Verfahren, Anlagen oder Vorgehensweisen ausgezeichnet werden, welche den Beitrag der Abfallwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft erhöhen.

  • Der 1. Platz ging an die GzG Gipsrecycling GmbH (Stockerau) für die Einreichung „Österreichs erste Gips-zu-Gips-Recyclinganlage“. Mit der Gründung der GzG Gipsrecycling GmbH setzen PORR, Saint-Gobain und Saubermacher einen neuen Standard für Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie. Das Joint Venture bringt die erste Gips-zu-Gips-Recyclinganlage Österreichs an den Start – ein Projekt, das Innovation und Verantwortung vereint. Die Anlage verarbeitet jährlich bis zu 60.000 Tonnen Gipsabfälle aus Rückbau und Abbruch und führt sie zurück in den Produktionskreislauf. Damit wird nicht nur die Deponierung vermieden, sondern auch ein entscheidender Beitrag zur Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion geleistet.
     
  • Die Magistratsabteilung 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau der Stadt Wien erreichte den 2. Platz mit der Einreichung „Vom Ausbau zum Wiedereinbau: Ressourcenschonung im Straßenbau“. Im Straßenbau kommen begrenzt verfügbare Primärbaustoffe wie Bitumen, Gesteinskörnungen, Granitmaterial und Metalle zum Einsatz, was den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Ressourcen notwendig macht. 
    Durch ein umfangreiches Maßnahmenbündel der MA 28 (z. B. Wiederverwendung von Material, Gestaltung von Vertragsbedingungen und Zuschlagskriterien) wird ein wesentlicher Beitrag zur Schonung von Primärbaustoffen, zur Reduktion von Abfallaufkommen und des Deponievolumen geleistet und die erneute Nutzung von Materialien ermöglicht. Weiters werden Anreize für die Industrie geschaffen, bestehende Anlagen zu optimieren, um die in Ausschreibungen gestellten Anforderungen erfüllen zu können.

Weitere Informationen unter www.oewav.at/phoenix2026.

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