Müll mit Akkus
In vielen Alltagsprodukten sind Akkus enthalten.
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„Her mit Leer II"

Wenn leuchtende Schuhe zur Herausforderung werden

Ob blinkende und leuchtende Turnschuhe für Kinder, kabellose Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten oder singende Grußkarten: Der Alltag steckt voller Produkte, in denen Lithium-Akkus verbaut sind – oft unsichtbar, oft unbekannt. Genau das wird zum Problem. Denn wer nicht weiß, dass in seinen Schuhen eine Batterie steckt, wirft sie auch nicht richtig weg. Und was falsch im Restmüll landet, kann in Flammen aufgehen.

Die Zahlen sind alarmierend: 2025 registrierten österreichische Entsorgungsbetriebe rund 36 schwere Brandereignisse, die zumindest teilweise auf falsch entsorgte Lithium-Akkus zurückgeführt werden. Betroffen sind nicht irgendwelche Anlagen, sondern systemrelevante Entsorgungsinfrastruktur – Einrichtungen, die Gemeinden und Bevölkerung täglich brauchen. Im schlimmsten Fall droht der Totalausfall ganzer Anlagen.

Vor diesem Hintergrund präsentierten die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der Österreichische Gemeindebund und die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) am 14. April 2026 in Wien den Start der Informationskampagne „Her mit Leer II“ – die Fortsetzung einer erfolgreichen Initiative aus den Jahren 2021 bis 2024.

Die Gemeinden tragen die Last

Für die Gemeinden ist das Thema längst kein abstraktes: Sie sind es, die mit ihren Altstoffsammelzentren die Entsorgungsinfrastruktur vor Ort bereitstellen. Österreichweit sind es bereits mehr als 2.000 kommunale Sammelstellen, an denen Bürgerinnen und Bürger Altbatterien abgeben können. 

PK Akkuentsorgung
Robert Pfarrwaller, Obmann des Bundesgremiums des Elektro- und Einrichtungsfachhandels, EAK-Geschäftsführerin Elisabeth Giehser, Umweltminister Norbert Totschnig und Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl präsentierten die Kampagne. Foto: BMLUK - Hemerka

Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl sprach bei der Auftaktveranstaltung Klartext: „Ich bitte alle inständig, Batterien gesondert zu entsorgen. Denn fast täglich brennt es irgendwo in einer Müllentsorgungsanlage, weil sich Batterien durch mechanische Beschädigungen im Zuge einer Behandlungsanlage entzündet haben.“

Blinkende Schuhe werden zum Problem

Besonders ins Gewicht fallen dabei neuartige Alltagsprodukte wie eben jene leuchtenden Kinderschuhe. Solche Artikel – und ähnliche Produkte, bei denen Akkus fest verbaut und für Konsumentinnen und Konsumenten nicht ohne Weiteres entnehmbar sind – können nicht einfach in die Altbatteriesammlung geworfen werden. Sie müssen als Ganzes bei kommunalen Altstoffsammelzentren abgegeben werden. Die Verantwortung für die sachgerechte Weiterverarbeitung liegt damit wieder einmal bei der öffentlichen Hand.

Auf Nachfrage bei der Pressekonferenz machte Pressl deutlich, was die Gemeinden brauchen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden: „Sowas wie Standards, um Batterien aus Schuhen herauszubekommen." Ohne klare technische oder rechtliche Vorgaben, wie Hersteller solche Akkus zugänglich und trennbar zu gestalten haben, bleibt die Demontage und fachgerechte Entsorgung ein Problem, das an den kommunalen Sammelstellen hängen bleibt.

Sammelquote muss deutlich steigen

Österreich liegt derzeit bei einer Batteriesammelquote von 53 Prozent – damit wurde die bisherige EU-Vorgabe von 45 Prozent zwar übertroffen, doch die Anforderungen steigen: Ab 2028 schreibt die neue EU-Batterieverordnung eine Quote von 63 Prozent vor, bis 2031 sogar 73 Prozent. 

EAK-Geschäftsführerin Elisabeth Giehser betonte, dass dafür nicht nur die Quote, sondern auch die EU-Berechnungsmethode angepasst werden müsse. Das drängendste Problem bleibe aber die Brandgefahr durch Fehlwürfe.

Drei Jahre Aufklärungsarbeit mit „Hermit & Li-Zifer"

Akku-Kampagne
„Hermit", die personifizierte sichere Batterie aus der ersten Kampagnenphase, bekommt nun ein Alter Ego – „Li-Zifer".

Die Kampagne setzt auf ein bekanntes Gesicht: „Hermit", die personifizierte sichere Batterie aus der ersten Kampagnenphase, bekommt nun ein Alter Ego – „Li-Zifer". Das Duo illustriert anschaulich, wie ein nützliches Alltagsprodukt durch falsche Entsorgung zur Gefahr wird. Der Slogan lautet: „Sei kein Zündler.“

Ab April 2026 läuft die Kampagne drei Jahre lang mit Radio- und TV-Spots, Out-of-Home-Werbung, Verkehrsmittelwerbung sowie einer umfangreichen Social-Media- und Onlinekampagne. Zentrale Informationsplattform ist hermitleer.at – in sieben Sprachen, inklusive Sammelstellenfinder.

Für die Gemeinden gilt: Aufklärung ist wichtig, reicht aber allein nicht aus. Solange Hersteller Produkte mit fest verbauten, nicht entnehmbaren Akkus auf den Markt bringen dürfen, werden kommunale Sammelstellen die Leidtragenden bleiben – und Standards, wie Pressl sie fordert, sind überfällig.

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