Jörg Gesslbauer von der FH Wiener Neustadt präsentierte den Kommunal Campus
Jörg Gesslbauer von der FH Wiener Neustadt präsentierte den Kommunal Campus
© Jürg Christandl

Wissen sichern, bevor es geht

Wie der Kommunal Campus Gemeinden hilft, ihr Know-how zu bewahren und weiterzugeben, wurde beim Kommunalwirtschaftsforum in einem gut besuchten Workshop diskutiert.

Der Fachkräftemangel, Pensionierungswellen und immer komplexere rechtliche und technische Anforderungen stellen Gemeinden vor eine zentrale Frage: Wie bleibt kritisches Wissen in der Organisation – auch dann, wenn Menschen gehen? Genau hier setzte der Workshop „Wissen gemeinsam sichern und nutzbar machen“ im Rahmen des Kommunalwirtschaftsforums an. Im Mittelpunkt stand einerseits die Bedeutung von „Wissensmanagement“ und andererseits des Kommunal Campus als Werkzeug für systematisches Wissensmanagement – und als Plattform, auf der Gemeinden nicht nur lernen, sondern selbst Wissen erzeugen und weitergeben können.

Diskutiert und demonstriert wurde der Ansatz von Jörg Gesslbauer, Leiter des Bereichs „Qualitäts- und Wissensmanagement“ an der FH Wiener Neustadt, gemeinsam mit Daniela Streißelberger vom Kommunal-Verlag

Wissen ist Führungsverantwortung

Der zentrale Ansatz von Gesslbauer: Wissensmanagement ist kein „Nice-to-have“, sondern eine klare Führungsaufgabe. Wer Verantwortung in einer Gemeinde trägt – vom Bürgermeister bis zur Amtsleitung oder Bereichsführung –, ist auch dafür verantwortlich, dass kritisches Wissen nicht zufällig weitergegeben wird, sondern bewusst gesichert und genutzt werden kann.

Besonders problematisch sei sogenanntes implizites Wissen: jenes Know-how, das nur „im Kopf“ einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter existiert – etwa Prozesswissen, lokale Besonderheiten oder Erfahrungswerte. Geht diese Person in Pension oder wechselt die Stelle, verschwindet dieses Wissen oft ersatzlos. Genau hier könne der Kommunal Campus ansetzen.

Drei Ebenen des Kommunal Campus

Der Kommunal Campus ist dabei bewusst breit aufgebaut und gliedert sich in drei zentrale Bereiche, wie Daniela Streißelberger ausführte:

  1. Live-Webinare
    Regelmäßige, aktuelle Online-Termine mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen – von Recht über Personal bis Technik.
  2. Online-Kurse
    Modular aufgebaute, jederzeit abrufbare Lerninhalte, meist in kurzen Einheiten von rund zehn Minuten. Der Fokus liegt auf Praxistauglichkeit und konkretem Nutzen für den Gemeindealltag.
  3. Eigene Lerninhalte der Gemeinden
    Dieser dritte Bereich war der Kern des Workshops – und für viele Teilnehmende der spannendste: Gemeinden können eigene Inhalte erstellen, internes Wissen dokumentieren und dieses gezielt Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung stellen.

Damit wird der Campus nicht nur zum Weiterbildungs-, sondern auch zum Wissensspeicher einer Gemeinde.

Vom Erfahrungswissen zum strukturierten Lerninhalt

Wie aber wird aus Erfahrungswissen ein brauchbarer Kurs? Die FH Wiener Neustadt bringt hier ihre didaktische Expertise ein. Grundlage sind bewährte Konzepte aus dem „Instructional Design“ und der Lerntheorie, die sicherstellen sollen, dass Wissen nicht nur abgelegt, sondern auch verstanden und angewendet wird.

Der Schlüssel liegt in klar formulierten Lernzielen, die drei Ebenen abdecken:

  • Kenntnisse (Was weiß ich?)
  • Fertigkeiten (Was kann ich tun?)
  • Kompetenzen (Was kann ich selbstständig anwenden und weiterentwickeln?)

Erst wenn diese Zielstruktur klar ist, wird der Inhalt aufbereitet – unterstützt durch KI-Tools, die aus Gesprächen, vorhandenen Dokumenten oder Transkripten strukturierte Lernmodule erstellen können. Wichtig: Die Inhalte sind nicht „fiktiv KI-generiert“, sondern basieren auf dem Wissen der jeweiligen Organisation.

Kurze Formate, klare Struktur

Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion mehrfach betont wurde: Lernen muss kompakt sein. Lange Videos oder stundenlange Webinare verlieren schnell an Aufmerksamkeit. Der Kommunal Campus setzt daher bewusst auf:

  • kurze Module,
  • klare Gliederung,
  • Wiederholungen,
  • Wissensüberprüfungen.

Gerade für verpflichtende Themen – etwa Datenschutz, IT-Sicherheit oder Arbeitnehmerschutz – bietet das einen zusätzlichen Vorteil: Fortschritte und Absolvierung lassen sich dokumentieren und nachweisen.

Gemeinden als Wissensproduzenten

Langfristig soll der Kommunal Campus aber mehr sein als eine Sammlung zentraler Inhalte. Ziel ist ein gemeinschaftlicher Wissensraum, in dem Gemeinden voneinander lernen. Jede Kommune kann eigenes, erprobtes Wissen einbringen – etwa zu internen Abläufen, Projekten oder regionalen Besonderheiten.

Dieses Wissen wird geprüft, strukturiert und – wo sinnvoll – anderen Gemeinden zugänglich gemacht. Je mehr Gemeinden mitmachen, desto größer wird der gemeinsame Nutzen.

Der Kommunal-Campus: Ein Werkzeug gegen Wissensverlust

Der Workshop machte deutlich: Der Kommunal Campus ist kein abstraktes Digitalprojekt, sondern ein praktisches Werkzeug gegen Wissensverlust. Er hilft Gemeinden,

  • kritisches Wissen zu sichern,
  • neue Mitarbeiter schneller einzuschulen,
  • Weiterbildung strategisch zu organisieren,
  • und eigenständige Wissensstrukturen aufzubauen.

Gerade in Zeiten knapper Ressourcen und steigender Anforderungen kann das entscheidend sein – damit Wissen in der Gemeinde bleibt, auch wenn Menschen gehen.

Mehr Informationen zum Kommunal Campus finden Sie unter https://campus.kommunal.at/

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