Die Gemeinde Deutschlandsberg - entstanden aus Deutschlandsberg, Bad Gams, Freiland bei Deutschlandsberg, Kloster, Osterwitz und Trahütten - ist mit fast 12.000 Einwohnern die einwohnerstärkste der Fusionsgemeinden.
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Was die steirischen Zwangsfusionen wirklich gebracht haben
2015 halbierte die Steiermark per Gesetz ihre Gemeindeanzahl von 542 auf 287. Zehn Jahre später liegen erstmals belastbare Finanzdaten vor. Das Ergebnis ist komplizierter, als Fusionsbefürworter und -gegner es gerne hätten.
Zum 1. Jänner 2015 wurden in der Steiermark 128 neue Fusionsgemeinden geschaffen. Das erklärte Ziel der steirischen Landesregierung: die Gemeinden „dauerhaft in die Lage versetzen, ihre Aufgaben sachgerecht, effizient und in entsprechender Qualität zu erfüllen“. Der Gemeindefinanzbericht 2026 des KDZ legte nun eine Zehn-Jahres-Analyse vor. Verglichen wurden 128 Fusionsgemeinden (Durchschnittsgröße 4.460 EW) mit 157 unberührten Gemeinden (Durchschnittsgröße 2.422 EW).
Fusionsgemeinden geben weniger aus ...
Auf der Ausgabenseite zeigt sich ein positiver Effekt: Fusionsgemeinden konnten den Sachaufwand deutlich bremsen. Infrastrukturen wurden zusammengelegt, ausgelagerte Leistungen wieder integriert. Die größten Rückgänge verzeichneten Fusionsgemeinden zwischen 1.001 und 5.000 EW.² Bei den Personalausgaben hingegen gab es keine Einsparungen. Bei Fusionsgemeinden über 10.000 EW ist durch Nichtnachbesetzungen ein erster Rückgang sichtbar.
... haben aber ein Einnahmenproblem
Die ausgabenseitigen Einsparungen wurden auf der Einnahmenseite mehr als neutralisiert: Die Transferzahlungen des Landes Steiermark an Fusionsgemeinden entwickelten sich ab 2017 durchgängig schwächer als an nicht fusionierte Gemeinden.
Der Mechanismus dahinter ist nachvollziehbar. Strukturschwache Kleingemeinden mit hohen Ausgleichszahlungen wurden in die neuen Einheiten integriert, wodurch deren rechnerischer Förderbedarf sank. Die neuen Gemeinden bekamen weniger, weil sie auf dem Papier weniger arm wirkten.
Was für das Landesbudget ein Spareffekt ist, ist für die fusionierte Gemeinde ein Einnahmeproblem. Ab 2019 erhielten nicht fusionierte Gemeinden auch bei Investitionszuschüssen durchgehend einen höheren Anteil der Kapitaltransfers aus Landesmitteln. Der Bericht fasst es knapp: „Fusionierte Gemeinden haben nun engere finanzielle Spielräume als nicht fusionierte Gemeinden.“
Vor der Fusion lagen die operativen Überschüsse pro Kopf in den späteren Fusionsgemeinden noch deutlich über jenen der Nicht-Fusionsgemeinden. Seit 2016 ist dieses Bild umgekehrt.² Das KDZ empfiehlt eine Evaluierung des Förderwesens, „um kontraproduktive Effekte der Förderungen zu vermeiden“.
Einsparungen landen beim Land, nicht bei den Gemeinden
Wer aus der steirischen Erfahrung den Schluss zieht, Fusionen seien ein Allheilmittel, liest die Zahlen selektiv. Ausgabenseitig wirken sie — eingeschränkt, mit Verzögerung, und vor allem in größeren Einheiten. Einnahmeseitig können sie sogar schaden, wenn das Transfersystem des Landes nicht angepasst wird. Das steirische Modell zeigt, was passiert, wenn eine Strukturreform ohne Reform des Finanzierungssystems bleibt: Die Einsparungen landen beim Land, nicht bei den Gemeinden.
Effizientere Strukturen lassen sich auch ohne den politisch aufwendigen Weg der Fusion erreichen. Interkommunale Kooperationen bestehen in Österreich bereits in großem Ausmaß — Abfallverbände, Schulgemeindeverbände, regionale Bauhofgemeinschaften.
Der Gemeindefinanzbericht 2026 hält fest, dass solche Zusammenschlüsse „längst in großem Ausmaß“ bestehen. Die Herausforderung liegt weniger darin, mehr Kooperationen zu schaffen, als bestehende zu konsolidieren: durch Zusammenführung von Gemeindeverbänden zu größeren, demokratisch legitimierten Einheiten — bis hin zum Mehrzweckverband, bei dem mehrere Gemeinden eine gemeinsame Verwaltung führen, ohne ihre Identität aufzugeben.
Das wäre ein Modell, das aus den steirischen Erfahrungen lernt: strukturelle Effizienz, ohne dass das Land dabei still mitsparen kann.