Viele finden die Nutzung von Windkraft in der Theorie gut, aber niemand will sie vor der Haustüre habe.
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Vier Gemeinden gegen Windkraft-Projekt
Im steirischen Liesingtal regt sich deutlicher Widerstand gegen eine geplante Windkrafteignungszone. Das Land Steiermark hat im Rahmen der Novellierung des Sachprogramms Windenergie die Zone „Steineck-Kammern" als Eignungszone vorgesehen. Alle vier betroffenen Gemeinden haben sich im Gemeinderat dagegen ausgesprochen. Eine Bürgerinitiative hat bereits 900 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt.
Die Zone liegt auf dem südlichen Bergrücken des Liesing-Tals. Laut Jürgen Blematl, dem Sprecher der Initiative „Für ein lebenswertes Liesingtal", ist das ungewöhnlich nah an mehreren Ortskernen. Die Entfernung zu Kammern und Traboch beträgt weniger als zwei Kilometer, die nächsten Wohnhäuser sind weniger als 500 Meter entfernt.
Alle vier Gemeinden stimmen dagegen
Zwischen dem 7. und dem 27. Mai 2026 haben die Gemeinderäte von St. Stefan ob Leoben, St. Michael in Obersteiermark, Kammern im Liesingtal und Traboch negative Stellungnahmen zur Eignungszone beschlossen. Über alle vier Gemeinden hinweg gab es dabei nur eine einzige Gegenstimme.
Bürgermeister Karl Dobnigg aus Kammern erklärt: „Die Willensbildung in der Gemeinde Kammern ist abgeschlossen, über die Parteigrenzen hinweg wurde im Gemeinderat am 26. Mai ein einstimmiger Beschluss gegen die Eignungszone und für die Umwandlung in eine Ausschlusszone gefasst.“
Lärm, Schatten und Sicherheitsbedenken
Die betroffenen Gemeinden nennen mehrere sachliche Gründe für ihre Ablehnung. Die südliche Ausrichtung der Zone gegenüber dem Siedlungsgebiet verschärfe laut Blematl die Beeinträchtigungen durch Schallemissionen und durch den Schattenwurf der Rotorblätter im Winter. Bereits jetzt bestünden in der Region erhebliche Schallbelastungen.
Dazu kommen Bedenken in Bezug auf den Flugbetrieb. Der Flugplatz Leoben-Timmersdorf liegt 2,1 Kilometer entfernt, der Hubschrauber-Stützpunkt Christophorus 17 liegt 2,7 Kilometer entfernt. Der Alpine-Sportflieger-Club Leoben hält in seiner Einwendung an das Land fest, dass bisher keine fachliche Abstimmung zu Sicherheitsabständen, Ausweichräumen oder Notverfahren stattgefunden habe. Zudem würden Flugrouten angepasst werden müssen, was zu mehr Fluglärm im Tal führen würde. Der Club spricht von einem „wesentlichen Mangel der Standortbeurteilung" und fordert die Umwidmung in eine Ausschlusszone.
Weiters grenzt die geplante Eignungszone unmittelbar an das Naturschutzgebiet XXI „Niedere Tauern, Ostausläufer“ und an bedeutende inneralpine Vogelzugrouten.
Experte zweifelt am Windpotenzial
Auch die fachliche Grundlage für die Ausweisung als Eignungszone wird in Frage gestellt. Der Umweltbericht des Landes Steiermark weist für den Standort ein „sehr gutes Windenergiepotenzial“ aus. Reinhold Lazar, emeritierter Professor am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz, widerspricht dieser Einschätzung. Er hat 2012 im Auftrag des Landes selbst eine Windpotenzialkarte für die Steiermark erarbeitet.
Lazar erklärt: „Aus den Datengrundlagen kann jedenfalls keine sehr gute Eignungsbewertung bezüglich Windenergiepotenzial für den Standort Steineck-Kammern abgeleitet werden; einerseits wegen der relativ niedrigen Seehöhe von ca. 1.200 Metern und andererseits wegen orographischer Effekte.“
Die Windpotenzialkarte von GTIF Austria weist für den Bereich Steineck Windgeschwindigkeiten von 4 Metern pro Sekunde aus, gemessen 100 Meter über Grund. Für ein wirtschaftlich betreibbares Windkraftprojekt werden in Österreich üblicherweise Werte zwischen 5,5 und 7,5 Metern pro Sekunde herangezogen. Lazar bewertet den gemessenen Wert von 4 Metern pro Sekunde als „noch zu hoch veranschlagt“.
Als mögliche Ursache für die fehlerhafte Einstufung gilt die verwendete Datengrundlage. Das Land Steiermark hat nach eigenen Angaben die Windfeldbibliothek Steiermark 2017 herangezogen. Diese dient laut Experten in erster Linie zur Simulation der Ausbreitung von Luftschadstoffen, nicht zur Beurteilung von Windenergiepotenzial.
Einspruchsfrist endet am 8. Juni
Die Zone Steineck-Kammern ist Teil der derzeit zur Begutachtung aufliegenden Novellierung des Sachprogramms Windenergie für die Steiermark. Einsprüche können noch bis 8. Juni 2026 an die Abteilung 13 des Landes Steiermark übermittelt werden.
Bürgerinitiativen-Sprecher Blematl fasst die Haltung der Initiative zusammen: „Es ist deutlich belegt, dass der Standort Steineck-Kammern für Windkraft ungeeignet ist. Ein hohes regionales Konfliktpotenzial trifft auf ein nach den verfügbaren Daten lediglich geringes Windenergiepotenzial, sodass die Ausweisung als Eignungszone sachlich nicht tragfähig erscheint.“