Für das Erhöhen der Versorgungssicherheit sind die Österreicher bereit, Teilnehmer an intelligenten Stromnetzen zu werden. Foto: Shutterstock/ramcreations

Energieeffizienz durch Smart grids

Glaubt man den Experten, dann lautet die Frage nicht, ob Smart Grids kommen werden, sondern nur noch wann. Die bisherige Forschung offenbart dabei eines: Die österreichische Bevölkerung unterstützt deren Entwicklung aus ganz anderen, als aus materiellen Gründen.

Wenn man von Smart Grids spricht, meint man damit intelligente Stromnetze. Das sind Netze, die durch elek-tronisch miteinander kommunizierende Produzenten, Konsumenten, Speicher und Verteiler dezentral gesteuert werden. Smart Grids haben einen großen Vorteil: Sie regulieren den Stromfluss so, dass die Netzinfrastruktur möglichst gleichmäßig ausgelastet wird.

Derzeitige Netze sind auf permanente Höchstbelastung ausgelegt

Gegenwärtig sind (noch) Stromnetzte mit zentraler Erzeugung vorherrschend. Da die Stromkonsumenten im Laufe des Tages, der Wochen und der Jahreszeiten höchst unterschiedliche Mengen an Strom verbrauchen, müssen die heutigen Netze permanent auf die möglichen Höchstbelastungen ausgelegt sein, gleichwohl diese Spitzen gemessen an der Gesamtzeit nur kurz und vergleichsweise selten auftreten.

Dadurch bestehen hohe Kosten, die gesenkt werden können, indem man die Belastungsspitzen dämpft und die Stromübertragung zeitlich streut. Das Netz wird gleichmäßiger beansprucht und somit besser genutzt, während es insgesamt nur noch für weit geringere Leistungsmaxima ausgeleget sein muss. Genau das machen Smart Grids. Sie arbeiten dezentral, greifen auf eine Vielzahl von kleinen Speichereinheiten und Erzeugern zu und sind in der Lage, den benötigten Strom vorab zu den Verbrauchern zu liefern, in Momenten, in denen das Netz wenig beansprucht wird, wie zum Beispiel nachts.

Smart Grids in Österreich

Smart Grids sind die Zukunft der Energiesicherheit, darin sind sich die Experten einig. Die Netze selbst sind aber keineswegs Zukunftsmusik, sondern bereits Realität. Es gibt zahlreiche Forschungsprojekte, die sich mit der bestmöglichen Implementierung von Smart Grids befassen.

Während manche sich rein auf theoretischem Gebiet bewegen, sind andere bereits in die praktische Umsetzung gegangen und haben - wenn auch in experimentell kleinem Rahmen - mehrere Smart Grids in Österreich aufgebaut. So geschehen bereits unter anderem in Eberstalzell, Heimschuh und Köstendorf. Mal wurde in jedem Haushalt ein Speichermodul installiert, mal fungiert ein Speicher, der in einem kleinen Häuschen untergebracht ist, gleich für mehrere Haushalte zusammen. Mal werden PV-Anlagen und Keinwindanlagen als Einspeiser integriert, mal funktioniert die Testanlage nur als dezentrales Speichernetzwerk.

Entscheidend und allen gemein ist, dass die Energie weitestgehend dort gespeichert wird, wo sie verbraucht wird. Die Speicher beziehen sie in Zeiten geringer Netzauslastung und speisen sie bei Bedarf auch wieder ins Netz zurück.

Untersuchung über Wirtschaftlichkeit

Eine Forschungsgruppe vom Technikum Wien hat einerseits die finanziellen Bedingungen untersucht, unter denen sich ein dezentral organisiertes Kleinspeicher-Netzwerk wirtschaftlich betreiben lässt. Andererseits erhob sie das gesellschaftliche Potenzial, das für die Teilnahme an einem derartigen Netzwerk vorhanden ist. Dazu befragten sie knapp 20.000 Betreiber einer PV-Anlage und/oder eines Heimspeichers.

Bei rund 2300 Rückmeldungen gaben über 80 Prozent der Befragten an, externe Zugriffe durch Netzbetreiber auf ihre Systeme, wenn auch meist unter bestimmten Rahmenbedingungen, zu akzeptieren.

Österreicher wollen Versorgungssicherheit

Die Motivation hinter dieser Bereitschaft sind in erster Linie allerdings nicht zusätzliche finanzielle Ertragsmöglichkeiten. Auch nicht in zweiter, dritter oder vierter Linie.

An erster Stelle der Gründe regiert das Erhöhen der Versorgungssicherheit. Fast 90 Prozent sehen das als wichtig oder sehr wichtig an. Knapp dahinter liegt das Mitwirken beim Erhöhen des Anteils erneuerbarer Energien im Stromnetz. Weitere häufig genannte Gründe sind das Steigern der regionalen bzw. lokalen Systemeffizienz sowie das Energiesystem technisch zu unterstützen.

Das sind allesamt altruistische Antriebe, sich systemdienlich einzubringen. Eine Rarität in Zeiten, in denen der persönliche materielle Vorteil immer wichtiger zu werden scheint.

Bei allen Vorbehalten und Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes ist es erfreulich zu sehen, dass sich die Österreicher den neuen technologischen Lösungen gegenüber aufgeschlossen zeigen und auch als Individuen die Vorteile erkennen, die ihnen ein kollektives Zusammenwirken ermöglicht.

Der Geist des sozialen Ausgleichs zum Nutzen aller ist in Sachen Stromnetze jedenfalls nach wie vor vorhanden, und das ist etwas sehr Beruhigendes.

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