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Sicherheit mit Bonuseffekt

Do, 21.05.2015 - 17:45

Die optimale Verkehrsplanung erhöht nicht nur die Sicherheit und Effizienz auf Straße und Schiene, sondern berücksichtigt dabei auch die Synergiepotenziale mit anderen kommunalen Betätigungsfeldern. KOMMUNAL veranschaulicht, wie man das Maximum aus Investitionen in die Verkehrssicherheit herausholt.

 

Die Unfallstatistiken der vergangenen Jahre zeigen Österreich hinsichtlich der Verkehrssicherheit bestenfalls im europäischen Mittelfeld. Um die Situation zu verbessern, gibt es zahlreiche Absichtserklärungen, Masterpläne, Leitfäden und Programme. Doch haben sie fast alle normativen Charakter. Das heißt, sie beschreiben, was erreicht werden soll, doch brauchbare, praktische Informationen, welche konkreten Maßnahmen dabei am effektivsten umzusetzen seien, sind weit spärlicher gesät.

Natürlich gibt es mannigfaltige Möglichkeiten, die Verkehrssicherheit in der eigenen Gemeinde zu steigern. Manche sind günstiger, manche kostenintensiver. Einige sind höchst effektiv, andere verbessern eher im Detail. Jene, die effektiv und sowohl bei Anschaffung als auch Erhalt günstig sind, wie etwa durch Kreisverkehre entschärfte Kreuzungen und Verkehrsinseln an der Ortseinfahrt sind zumeist sowieso schon umgesetzt. Doch es gibt noch ein Unterscheidungsmerkmal: Während sich etliche Maßnahmen darin erschöpfen, ihren beabsichtigten Sicherheitszweck zu erfüllen, gibt es dazwischen auch solche, die der Gemeinde auf anderen Gebieten einen zusätzlichen Nutzen bescheren. Die Verkehrszeichen zu erneuern und dabei mit einer besser reflektierenden Beschichtung auszustatten trägt sicherlich zu einem gewissen Grad zur Verkehrssicherheit bei und ist in finanzieller Hinsicht vergleichsweise günstig. Allerdings beschränkt sich der Effekt auch nur auf den Verkehrsbereich. Entscheidet man sich zu diesem Schritt, darf man sich keinen Bonuseffekt für Umwelt, Energie, Lebensqualität oder Finanzen erwarten. Dabei gibt es genügend Optionen, die mit dem Blick aufs Ganze schlagartig an Attraktivität gewinnen. Stichwort: Umwegrentabilität.

Da wäre zum Beispiel die Straßenbeleuchtung. Der Umstieg auf LEDs, so noch nicht vollzogen, wird über kurz oder lang ohnehin Thema, da die EU mit der ErP-Richtlinie einen Ausstieg aus veralteter Lampentechnologie bis 2017 fordert. Aus verkehrssicherheitlicher Sicht positiv: Mit LEDs lassen sich die gewünschten Bereiche präziser und besser ausleuchten. So ganz nebenbei wird dadurch auch gleich die Lichtverschmutzung reduziert, was wiederum Anrainer freut. Und im Hinblick auf die Umstellungskosten noch erfreulicher ist die Tatsache, dass der Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent gesenkt wird. Optimal auschöpfen lässt sich das Potenzial der Umstellung, entscheidet man sich für ein intelligentes Managementsystem zur Straßenbeleuchtung. Bei dem Konzept „Licht nach Bedarf“ wird mit Hilfe von Sensortechnik und Datenaustausch die Helligkeit dem Verkehrsaufkommen angepasst. Gegenwärtig laufen solche Systeme in Neunkirchen, Krems, und Laa/Thaya. Energieeinsparungspotenzial dabei: bis zu 80 Prozent.

Während für die Budgetverantwortlichen der Gemeinden der finanzielle Bonuseffekt wohl am stärksten wiegt, freut sich die Bevölkerung am meisten über Maßnahmen, die ihr eine Steigerung der Lebensqualität bescheren. Eine sinnvoll verortete Begegnungszone senkt nicht nur die Unfallwahrscheinlichkeit und -schwere, sondern trägt auch zur Ortskernbelebung bei. Für die Bürger wird es attraktiver, im öffentlichen Raum zu verweilen, was wiederum positive Auswirkungen auf Handel und Gastronomie zur Folge hat. Gemeinden wie Gleisdorf oder Wolfurt, die bereits Begegnungszonen geschaffen haben, gratulieren sich jedenfalls zu diesem Schritt.

Mehr Sicherheit erreicht man auch durch weniger Verkehr. Die Lösung liegt dabei im Senken des Individualverkehrs. Das Angebot eines öffentlichen Microverkehrs wie z. B. Anruf-sammeltaxis trägt dazu bei und hebt gleichzeitig wiederum die Lebensqualität bewegungseingeschränkter Personen. In größeren Gemeinden wird dazu immer mehr auf Car-Sharing-Angebote gesetzt, die wiederum den umweltpolitischen Bonus der CO2-Reduktion mit sich bringen, der im Idealfall bei Einsatz von Elektrofahrzeugen noch maximiert werden kann.

Die Kombination von alternativ betriebenen Fahrzeugen und Transportdiensten findet besonders bei Tourismusgemeinden Anklang.
Unter dem Schlagwort „sanft-mobiler Tourismus“ werden E-Bikes bereitgestellt, oder Shuttle-Dienste angeboten – mit mehrfachen, gewünscheten Nebenwirkungen. Punkto Verkehrssicherheit vermeidet man weitgehend die Gefahrenquelle der ortsunkundigen Sonntagsfahrer im Urlaubsmodus und senkt durch die entspanntere Verkehrslage das Aggressionslevel der verbliebenen Autofreaks. Gleichzeitig freut sich die Umwelt dank massiver Einsparungen von CO2-Emmissionen. Und schließlich gelingt es gerade im Tourismus, aus der Notwendigkeit eine Tugend zu machen, indem man den Verleih diverser alternativer Fortbewegungsmitel als Attraktion vermarktet. Zum Beispiel in der Kärntner Gemeinde Weißensee, in der seit vergangenem Jahr die Besucherströme zu einem Sammelparkplatz gelenkt werden, von dem aus man mit einem Shuttle im Halbstundentakt, einem Solarboot, ausleihbaren E-Bikes, Scootern oder Segways seine Wege fortsetzen kann. Realistische Schätzungen gehen in diesem Fall von 624 Tonnen eingesparter CO2-Emissionen pro Jahr aus.

Alles schön und gut, wird sich manch einer denken, aber was ist, wenn es regnet? Oder im Winter? Wer fährt denn dann noch gerne mit einem Elektrofahrrad?
Natürlich müssen in diesem Fall Abstriche gemacht werden. Dass es dennoch möglich ist, die Menschen zum Verzicht auf das eigene Auto zu animieren, beweist die Gemeinde Hinterstoder, die als klassischer Wintertourismusort vor der Herausforderung steht, gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen das höchste Verkehrsaufkommen zu managen. Mit mehrmals täglich verkehrenden Bussen, fahrplanmäßig auf die Bahn abgestimmt und ergänzt durch zahlreiche Shuttle-Services, gelang es, rund ein Viertel aller Besucher dazu zu bewegen, das eigene Auto zu Hause zu lassen. Für eine ländliche Gemeinde in herausfordernder geografischer Lage ein äußerst respektables Ergebnis.

Mit dem Konzept der Gemeindebusse, als Ergänzung zu ASTAX und Rufbussen, kann es allerdings allen Gemeinden, ob touristisch oder nicht, gelingen, den Einheimischen eine überzeugende Alternative zum Individualverkehr anzubieten. Auch dank Landesförderungen (etwa in Niederösterreich) sind diese Nahverkehrsmittel mehr und mehr im Kommen und haben sich dort, wo sie bereits etabliert sind, bestens bewährt.

Ob nun die Verkehrssicherheit durch Verkehrsvermeidung erhöht, oder durch andere Initiativen verbessert wird – es ist auf alle Fälle anzustreben, Synergien mit weiteren kommunalen Aufgabengebieten wie Finanzen, Energie, Umweltschutz etc. zu nutzen. Auf längere Sicht sind derartige Bemühungen gemessen an ihrer Wirkung weitaus effizienter als konventionelle Entscheidungen, die sich oft in einfachen Bauvorhaben à la Bodenschwellen und 30er-Zone erschöpfen. Nicht, dass diese schlecht wären – sie sollten nur nicht als alleinige Umsetzungen der Weisheit letzter Schluss sein.

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