Leo Radakovits

Ende einer Ära

Leo Radakovits - 23 Jahre für die Gemeinden

23 Jahre lang prägte Leo Radakovits den Burgenländischen Gemeindebund – eine Zeit, in der sich Rahmenbedingungen und Aufgaben der Gemeinden grundlegend verändert haben. In dieser langen Phase hat er die kommunale Arbeit durch unterschiedliche politische Konstellationen hinweg begleitet und mitgestaltet.
2003 übernahm Leo Radakovits das Amt von Michael Racz und stand 23 Jahre lang an der Spitze des Burgenländischen Gemeindebundes.
2003 übernahm Leo Radakovits das Amt von Michael Racz und stand 23 Jahre lang an der Spitze des Burgenländischen Gemeindebundes. 

Es sind nicht die großen Gesten, die bleiben, sondern die vielen Jahre der Verlässlichkeit. Wenn man mit Leo Radakovits über seine Zeit an der Spitze des Burgenländischen Gemeindebundes spricht, entsteht kein Bild eines einzelnen Höhepunkts, sondern eines langen Weges – geprägt von Verantwortung, Beharrlichkeit und einer tiefen Verbundenheit mit den Gemeinden. Anlässlich seiner Amtsübergabe wirft KOMMUNAL einen Blick auf die Ära Radakovits. 

23 Jahre lang war Radakovits Präsident. Eine ungewöhnlich lange Zeit, in der sich nicht nur politische Konstellationen mehrfach verändert haben, sondern auch die Anforderungen an Gemeinden grundlegend gewachsen sind. Im Gespräch wird schnell klar, dass für ihn nicht einzelne persönliche Stationen im Vordergrund stehen, sondern die Entwicklung der Gemeinden insgesamt. 

Vom Bürgermeister zum Präsidenten

Sein Weg beginnt Anfang der 1990er-Jahre. Kurz nach seiner Wahl zum Bürgermeister steigt Radakovits in die Gemeindebund-Arbeit ein, wird Bezirksobmann, später Vizepräsident und schließlich 2003 Präsident. Insgesamt fünfmal wird er in diese Funktion gewählt – ein Zeichen für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde.

Drei Gemeindetage und viele Herausforderungen

Gefragt nach prägenden Momenten, denkt Radakovits nicht in einzelnen Ereignissen. Und doch gibt es Dinge, die herausstechen. Etwa die Durchführung von drei Gemeindetagen – ein organisatorischer Kraftakt, der jedes Mal aufs Neue Abstimmung und Koordination erforderte. Gerade im Burgenland war das mit besonderem Aufwand verbunden. Zwei Verbände mussten koordiniert, gemeinsame Linien gefunden und große Veranstaltungen organisiert werden. Für Radakovits war das immer auch eine Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit der Gemeinden sichtbar zu machen.

Politik zwischen Einfluss und Distanz

Die wohl prägendste Erfahrung seiner Amtszeit liegt in den politischen Rahmenbedingungen. Radakovits hat beide Seiten kennengelernt: Zeiten, in denen die ÖVP in der Landesregierung vertreten war – und damit unmittelbarer Einfluss möglich war – ebenso wie Phasen ohne Regierungsbeteiligung.

Der Unterschied war spürbar. Während früher aktiv an gesetzlichen Maßnahmen mitgearbeitet werden konnte, ging es später stärker darum, Informationen zu beschaffen, Kontakte zu pflegen und dennoch Gehör zu finden. Dass das gelungen ist, führt er auf konsequente Vernetzung zurück – über Parteigrenzen hinweg.

Gehör verschaffen – auch wenn es schwierig wird

Auch in schwierigeren Phasen sieht Radakovits den Gemeindebund nicht als ohnmächtig. Im Gegenteil: Die Stimme der Gemeinden sei immer gehört worden, auch wenn die Ergebnisse nicht immer den Erwartungen entsprochen hätten. Entscheidend war für ihn, dass die Anliegen präsent blieben.

Starke Leistungen trotz knapper Mittel

Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch seine Erzählungen: die Diskrepanz zwischen Aufgaben und finanziellen Möglichkeiten. Gerade im Burgenland sind die Einnahmen der Gemeinden traditionell geringer als in anderen Bundesländern – ein Nachteil, der historisch gewachsen ist. Umso bemerkenswerter seien die Leistungen, die dennoch erbracht wurden. Besonders im Bereich der Kinderbetreuung konnten burgenländische Gemeinden über Jahre hinweg Spitzenplätze erreichen. Diese Erfolge sind für Radakovits eng mit dem Einsatz vor Ort verbunden: „wenn man wenig Einnahmen hat, kann man sich auch nicht viel Personal leisten. Das heißt, die Bürgermeister müssen viel mehr selbst anpacken.“

Aufbau von Wissen und Strukturen

Neben der politischen Arbeit war ihm immer auch die fachliche Weiterentwicklung wichtig. Ein zentrales Projekt ist die Akademie Burgenland, die in Zusammenarbeit mit dem Land aufgebaut wurde. Sie bietet Ausbildung für Gemeindebedienstete ebenso wie gezielte Schulungen für Bürgermeister. Damit wurde eine Struktur geschaffen, die langfristig wirkt und die Qualität der Gemeindearbeit stärkt. Auch im juristischen Bereich hat Radakovits Akzente gesetzt. Der Kommentar zur burgenländischen Gemeindeordnung, an dem er mitgewirkt hat, gilt heute als Standardwerk und wird von Behörden und Gerichten genutzt.

Netzwerke als Erfolgsfaktor

Als kleiner Landesverband war der Burgenländische Gemeindebund immer auf Zusammenarbeit angewiesen. Radakovits hat diese aktiv gesucht – sowohl auf Bundesebene als auch mit benachbarten Landesverbänden. Die Kooperation mit dem Österreichischen Gemeindebund beschreibt er als besonders wertvoll. Sie ermöglichte es, Ressourcen zu bündeln und Themen gemeinsam voranzubringen.

Autonomie und ihre Grenzen

Mit Blick auf die Zukunft wird Radakovits deutlich. Die Autonomie der Gemeinden sieht er nicht als selbstverständlich gesichert: „Jede gesetzlich garantierte Autonomie ist nur so viel wert, wie sie mit finanziellen Mitteln hinterlegt ist.“ Und weiter: „die Autonomie der Gemeinden ist wichtig und die sehe ich umso gefährdeter, je weniger Beweglichkeit die Gemeinden haben.“ Damit spricht er einen zentralen Punkt an: Die tatsächliche Gestaltungskraft der Gemeinden hängt wesentlich von ihren finanziellen Möglichkeiten ab.

Engagement hört nicht auf

Auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft bleibt Radakovits aktiv. Als Bürgermeister, im Roten Kreuz, in der Volksgruppenarbeit und in verschiedenen Gremien. Dabei geht es ihm weiterhin um konkrete Anliegen – etwa um die Förderung der Zweisprachigkeit in der Verwaltung oder um die Unterstützung kommunaler Interessen auf unterschiedlichen Ebenen. Und vor allem bleibt eines: die persönliche Verbindung zur Gemeindepolitik. „Das Interesse für Gemeindeanliegen ist nach wie vor tief in mir drinnen und ich werde es weiterverfolgen.“

Ein Resümee mit Blick nach vorne

Leo Radakovits hat den Gemeindebund über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt – ruhig, verlässlich und mit einem klaren Blick für die Herausforderungen der Gemeinden. Seine Amtszeit war keine Abfolge spektakulärer Einzelereignisse, sondern eine kontinuierliche Arbeit an Strukturen, Netzwerken und Rahmenbedingungen. Diese langfristige Arbeit bildet eine wichtige Grundlage dafür, dass Gemeinden auch künftig ihre Aufgaben selbstständig und wirksam erfüllen können.