In Kühltürmen wird warmes Wasser in großen Mengen versprüht, damit es sich abkühlt, und genau in stehendem, lauwarmem Wasser vermehren sich Legionellen besonders gut. Ist das Wasser mit den Bakterien belastet, gelangen sie beim Versprühen als feine Tröpfchen in die Luft und können über weite Strecken vom Wind getragen werden. Menschen in der Umgebung atmen diese Aerosole ein und infizieren sich dadurch, ohne dass ein direkter Kontakt zum Kühlturm nötig wäre.
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Legionellen-Ausbruch: Die Suche nach der Quelle geht weiter
In Linz breitet sich der Legionellen-Ausbruch weiter aus. Bis Dienstag, den 25. August, stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungen auf 30. Drei Menschen sind bisher gestorben. Die Behörden suchen seit Wochen nach der genauen Quelle der Ansteckungen, bisher ohne endgültiges Ergebnis.
Der Ausbruch begann Ende Juli, in der Kalenderwoche 30. Seither meldet das Linzer Gesundheitsamt laufend neue Fälle. Am Montag wurde der 29. Fall bekannt, am Dienstag kam ein 30. Patient dazu. Es handelt sich laut dem Ö1-Mittagsjournal um eine Frau, die in einem Spital behandelt werden muss. Wie zahlreiche andere Erkrankte habe auch sie sich öfter in der Nähe des Stromnetzgebäudes der Linz AG aufgehalten.
Unter den drei Todesopfern waren zwei Personen über 80 Jahre mit schweren Vorerkrankungen. Eine dritte Person war über 50 Jahre alt und hatte keine bekannten Vorerkrankungen. Die meisten Erkrankten wurden stationär behandelt, mehrere auch auf der Intensivstation. Zwei weitere Betroffene befinden sich im Ausland, hatten sich aber zuvor in Linz aufgehalten.
Verdacht fällt auf Kühlanlage der Linz AG
Im Zentrum der Ermittlungen steht eine Kühlanlage auf dem Dach des Stromnetzgebäudes der Linz AG in der Wiener Straße. Legionellen wurden dort nachgewiesen. Die Anlage funktioniert als geschlossener Kreislauf. Wasser aus einem Becken wird auf Rohrleitungen gesprüht, um sie zu kühlen. Der Bereich ist überdacht, aber durchlüftet. Nach Einschätzung von Fachleuten könnten dabei Aerosole mit Legionellen in die Umgebung gelangt sein.
Eine genetische Untersuchung ergab, dass der in der Kühlanlage gefundene Legionellen-Stamm dem Subtyp Allentown/France angehört. Derselbe Subtyp wurde bei drei erkrankten Personen nachgewiesen. Das deutet auf eine gemeinsame Infektionsquelle hin, ist aber laut Behörden noch kein endgültiger Beweis. Fachleute gehen davon aus, dass es noch mindestens einen weiteren Krankheitsherd geben könnte. Im Linzer Industriegebiet wurde bereits ein zweiter möglicher Infektionsherd identifiziert.
Insgesamt wurden bisher rund 190 Wasserproben eingereicht, etwa drei Viertel davon sind ausgewertet. Bei der Suche setzen die Behörden auch künstliche Intelligenz, Satellitenbilder sowie Wetter- und Betriebsdaten ein.
Die Linz AG hat die betroffene Anlage mittlerweile gereinigt, desinfiziert und das Wasser vollständig ausgetauscht. Seit 25. August läuft sie im Trockenbetrieb, weil sie bei den derzeitigen Temperaturen nicht benötigt wird. Als möglichen Auslöser vermutet das Unternehmen Verunreinigungen durch Beton- und Zementstaub von Großbaustellen in unmittelbarer Nähe. Der Staub könnte die chemische Desinfektion der Anlage beeinträchtigt haben.
Für besorgte Bürgerinnen und Bürger hat die Linz AG eine Hotline eingerichtet. Gleichzeitig betont das Unternehmen, es gebe bisher keinen Nachweis, dass die Anlage tatsächlich die Infektionsquelle war. Verantwortliche der Linz AG standen dem Ö1-Mittagsjournal für ein Interview nicht zur Verfügung, laut dem Sender möglicherweise aus rechtlichen Gründen. Das Trinkwasser in Linz ist von dem Ausbruch nicht betroffen und kann bedenkenlos konsumiert werden.
Politischer Streit um Verantwortung
Der Ausbruch sorgt in Linz auch für politischen Streit. ÖVP-Vizebürgermeister Martin Hajart wirft Bürgermeister Dietmar Prammer von der SPÖ vor, in der Sache auf „Tauchstation“ zu gehen. Prammer ist gleichzeitig Aufsichtsratschef der Linz AG. Auch den freiheitlichen Gesundheitsstadtrat Michael Raml nimmt Hajart in die Pflicht. Er bezeichnet das Verhalten der beiden Politiker als „unverständlich“ angesichts des Ausmaßes des Ausbruchs. Hajart fordert, dass Prammer und Raml offenlegen, wer wann von einer möglichen Belastung gewusst habe und welche Maßnahmen daraufhin eingeleitet wurden.
Ähnlicher Fall vor Gericht in Vorarlberg
Parallel dazu läuft in Feldkirch ein Prozess zu einem vergleichbaren Fall aus dem Vorjahr. Damals infizierten sich in Wolfurt 43 Personen mit Legionellen, 42 von ihnen mussten stationär behandelt werden, mehrere auf der Intensivstation. Als Quelle wurde ein Kühlturm des Verpackungsunternehmens Rattpack identifiziert. Die Desinfektionsanlage des Kühlturms war den Ermittlungen zufolge wiederholt außer Betrieb.
Vor Gericht stehen zwei Mitarbeiter von Rattpack sowie ein Mitarbeiter einer beauftragten Reinigungsfirma. Ihnen wird fahrlässige Gemeingefährdung und fahrlässige Beeinträchtigung der Umwelt vorgeworfen. Der Prozess wurde Mitte August nach neun Verhandlungsstunden vertagt. Der nächste Termin soll die Einvernahme eines Gerichtsgutachters bringen.
Rufe nach einer Meldepflicht für Kühltürme
Der Linzer Ausbruch hat eine Debatte über strengere Regeln für Kühltürme neu entfacht.
Thomas Fleischanderl, Direktor des Bereichs Umweltschutz beim TÜV Austria, forderte ein zentrales Register für Kühltürme in Österreich. Im Ö1-Mittagsjournal sagte er, Unternehmen bewegten sich in Österreich häufig in einer rechtlichen Grauzone. „Solange nichts passiert, ist alles gut. Wenn etwas passiert, steht man als Unternehmer vor Gericht“, so Fleischanderl. Mit einem Register ließe sich der Ursprung eines Ausbruchs rascher eingrenzen, anstatt tagelang oder wochenlang suchen zu müssen. Gegenüber dem ORF sagte er außerdem, man könnte im Anlassfall einfach nachschlagen, wie der hygienische Zustand einer Rückkühlanlage ist.
Fleischanderl kritisiert, dass die Gesetzgebung für Kühltürme, aber auch für Autowaschanlagen und Warmwasseranlagen, etwa in Pflegeheimen, in Österreich uneinheitlich geregelt ist. Statt eines Bundesgesetzes gelten unterschiedliche Landesgesetze und Bauordnungen. Das aktuelle Epidemiegesetz stammt im Kern aus dem Jahr 1913, die letzte umfassende Überarbeitung erfolgte 1950. Der Rechnungshof bezeichnete es 2022 als nicht mehr zeitgemäß. Eine ÖNORM regelt zwar Wasserwerte für Kühltürme, eine staatliche Kontrolle ihrer Einhaltung gibt es aber nicht.
In Deutschland gibt es bereits ein verpflichtendes bundesweites Register für offene Kühltürme. Die Wartung muss dort durch beauftragte Fachfirmen erfolgen, was behördliche Kontrollen ermöglicht. Auch die Grünen fordern seit Längerem ein modernisiertes Epidemiegesetz, das auch Kühltürme und Aerosole erfasst. Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner brachte dazu bereits im September 2025 einen Antrag ein. Die FPÖ lehnt eine Gesetzesänderung ab und sieht in Legionellen-Infektionen vor allem ein Hygieneproblem, nicht ein Thema für das Epidemiegesetz.
Auch in Wien gibt es bisher keine offizielle Liste der vorhandenen Kühltürme, etwa bei Fernkältezentralen, Wohnhäusern, Spitälern, Hotels oder Rechenzentren. Die Gesundheitsbehörde MA 15 teilte mit, dass in Wien in den vergangenen Jahren keine kühlturmassoziierten Legionellen-Fälle gemeldet wurden.
Wie gefährlich sind Legionellen?
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien. Sie vermehren sich besonders gut in stehendem, warmem Wasser und in schlecht gewarteten Wasser- und Rohrsystemen. Menschen stecken sich an, wenn sie feine, mit Legionellen belastete Wassertröpfchen einatmen. Das kann etwa beim Duschen, bei Luftbefeuchtern, an Wasserhähnen, in Kühltürmen, Klimaanlagen oder in Schwimmbädern passieren. Das bloße Trinken von Wasser ist dagegen unbedenklich.
Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegen laut Sozialministerium zwei bis zehn Tage. Die schwere Form, die Legionärskrankheit, äußert sich als Lungenentzündung mit Brust- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohem Fieber. Teilweise kommen auch Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen dazu. Die mildere Form, das Pontiac-Fieber, verläuft mit grippeähnlichen Symptomen und heilt meist innerhalb von zwei bis fünf Tagen aus. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht nachgewiesen.