Ein homogener Straßenaufbau ohne Eingriffe ermöglicht die bestmögliche Verdichtung der Tragschichten und erhöht die Dauerhaftigkeit. Jede Aufgrabung unterbricht diese Homogenität.
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Straßensanierung
Wenn die Straße nach der Aufgrabung schlechter ist als vorher
Aufgrabungen für Leitungen, mangelhaft verdichtete Künetten, unversiegelte Risse: Gemeinden stehen bei der Straßenerhaltung vor technisch anspruchsvollen Aufgaben. Warum kommt es aber vor, dass Straßen nach Aufgrabungen oft rascher verfallen als erwartet? Und was können Gemeinden dagegen tun?
Eine Straße ist mehr als Asphalt. Sie besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Schichten: Deckschicht, Tragschichten, Unterbau. Jede Schicht hat eine bestimmte Aufgabe. Gemeinsam tragen sie die Verkehrslasten ab und schützen den Untergrund vor Wasser und Frost. Dieser Aufbau ist das Ergebnis jahrelanger Verkehrsbelastung und hat sich konsolidiert. Wer eine Leitungsgrabung, eine sogenannte Künette, in die Fahrbahn schneidet, durchtrennt dieses System.
„Leitungsgrabungen durchtrennen den durch Verkehrsbelastungen konsolidierten und in sich homogenen Schichtaufbau der Straßenbefestigung“, erklärt Karl Kappl, Mitarbeiter der Gruppe Straße im Amt der NÖ Landesregierung.
Ein wesentliches Problem entsteht an den Längs- und Quernähten zwischen der Bestandsfläche und dem neu verfüllten Bereich. Werden diese Fugen nicht sorgfältig verschlossen, dringt Oberflächenwasser ein. Damit beginnt eine Kette von Folgeschäden.
Verdichtung: entscheidend und oft unterschätzt
Das Herzstück jeder Verfüllung ist die Verdichtung. Unter Verdichtung versteht man die mechanische Verringerung des Hohlraumanteils in ungebundenen oder bituminösen Schichten durch Kornumlagerung. Vereinfacht gesagt: Die Körner des Füllmaterials werden so eng zusammengedrückt, dass möglichst wenig Luft und Wasser eindringen kann.
Eine unzureichend verdichtete Verfüllzone ist instabil. Unter dem rollenden Verkehr setzt sie sich nach. Diese Nachverdichtung erzeugt lokale Absenkungen, und in den darüber liegenden Asphaltschichten entstehen unzulässig hohe Biegezugspannungen. Die Folge: Netzrisse, Setzungsmulden, im schlimmsten Fall der vollständige Zerfall der Asphaltschichten im Bereich der Künette und daneben.
„Die materialspezifische und verdichtungstechnische Qualität der Wiederverfüllung ist essentiell“, betont Kappl. „Die ungebundenen Materiallagen in der verfüllten Künette dienen als direktes Widerlager für die darüber liegenden gebundenen Asphaltschichten.“
Entscheidend ist auch, wie die Verdichtung durchgeführt wird. Sie muss strikt lagenweise erfolgen. Jede Lage muss für sich verdichtet werden, bevor die nächste aufgebracht wird. Außerdem muss der Wassergehalt des Materials im optimalen Bereich liegen. Ist das Material zu trocken oder zu nass, lässt es sich nicht ausreichend verdichten. Asphalt wiederum muss innerhalb eines eng definierten Temperaturfensters eingebaut und verdichtet werden.
Die richtigen Geräte für beengte Verhältnisse
Im regulären Straßenbau auf breiter Fläche kommen Straßenwalzen zum Einsatz: dynamische und statische Varianten, darunter Vibrations-, Oszillations- oder Gummiradwalzen. In einer Künette ist das nicht möglich. Der Platz ist zu eng. Hier braucht es kleinere, aber trotzdem tiefenwirksame Geräte: Grabenwalzen, Vibrationsstampfer oder schwere Rüttelplatten.
„Bei beengten Platzverhältnissen müssen an die verminderte Flächengröße angepasste Geräte verwendet werden, um die erforderliche Verdichtungsenergie tiefenwirksam einbringen zu können“, so Kappl. Der Fehler, der in der Praxis häufig passiert: Es werden Geräte eingesetzt, die zwar handlich sind, aber die Verdichtungsenergie nicht tief genug in das Material einbringen. Die obere Lage wirkt dann kompakt, die tieferen Lagen sind es nicht.
Kontrolle ist möglich und notwendig
Verdichtungsmängel sieht man einer frisch fertiggestellten Künette in der Regel nicht an. Die Oberfläche kann eben und glatt erscheinen, obwohl der Untergrund noch nicht ausreichend verdichtet ist. Erst nach Monaten oder Jahren zeigen sich die Schäden: Setzungsmulden, Risse, Niveauunterschiede an den Nahtflanken.
Aus diesem Grund ist eine baubegleitende Qualitätskontrolle so wichtig. Anerkannte Prüfverfahren erlauben eine objektive Beurteilung noch während der Bauarbeiten. Beim statischen oder dynamischen Lastplattenversuch wird die Steifigkeit der verfüllten Schichten gemessen. Durch Bohrkernentnahmen lässt sich der Hohlraumgehalt im Asphalt bestimmen.
„Visuell lassen sich Verdichtungsmängel im Nachhinein leider erst zeitverzögert erkennen, zumeist durch sich bildende Setzungsmulden, Rissbildungen oder Niveauunterschiede an den Nahtflanken der Künetten“, erläutert Kappl. Wer auf Kontrolle verzichtet, riskiert, dass Mängel erst dann sichtbar werden, wenn die Schäden bereits weit fortgeschritten sind.
Rissversiegelung: sinnvoll, aber kein Allheilmittel
Risse in der Fahrbahn sind häufig. Sie entstehen durch Temperaturschwankungen, durch Ermüdung unter Verkehrslasten oder eben als Folge von Aufgrabungen. Nicht jeder Riss erfordert sofort eine aufwändige Sanierung. Einzelne Längs-, Quer- oder Nahtrisse lassen sich durch Rissverguss kostengünstig abdichten.
Das Verfahren ist einfach: Der Riss wird maschinell gereinigt, mit Druckluft ausgeblasen, getrocknet und dann mit einer speziellen Bitumenvergussmasse verfüllt. So wird verhindert, dass Oberflächenwasser in die tieferen Schichten eindringt.
Rissverguss ist eine Maßnahme der baulichen Instandhaltung. Er heilt den Riss nicht, er stoppt aber wirksam die Folgeschäden. Die Wirkung ist kurz- bis mittelfristig. Bei fachgerechter Ausführung ist es eine wirtschaftlich sinnvolle Maßnahme.
Doch Kappl macht klar, wo die Grenzen liegen: „Bilden sich sogenannte Netzrisse, ist meistens die gesamte Asphaltschicht durch ständige Verkehrsüberrollungen strukturell ermüdet und am Ende der theoretischen Lebensdauer.“ Netzrisse, auch als „Elefantenhaut“ bekannt, sind das Zeichen eines strukturellen Versagens. Hier hilft kein Rissverguss mehr. Eine reine Oberflächenbehandlung mit Bitumenemulsionen ist technologisch wirkungslos. Es ist eine tiefgreifende Instandsetzung erforderlich, im Regelfall die Erneuerung des gesamten Schichtpaketes.
Ein häufig beobachteter Fehler beim Rissverguss ist, dass die Risse nicht tief genug gereinigt oder bei Restfeuchte verschlossen werden. Beides mindert die Haftung des Bitumens erheblich und macht die Maßnahme wirkungslos.
Was passiert, wenn Schäden ignoriert werden?
Unversiegelte Risse sind keine bloße Ästhetikfrage. Sie sind Einfallstore für Wasser in das Straßenbefestigungssystem. Unter rollenden Fahrzeugen entstehen in den mit Wasser gefüllten Hohlräumen hohe hydrodynamische Drücke. Diese können das Bitumen vom Gestein lösen. Im Winter friert das eingedrungene Wasser und dehnt sich aus. Die entstehenden Sprengdrücke zerstören die Straßenschichten von innen.
„Die Konsequenz ist progressiver Substanzverlust der gebundenen sowie der ungebundenen Schichten“, fasst Kappl zusammen. Was als kleiner Riss beginnt, wird ohne Gegenwirkung zum Schlagloch, dann zum flächigen Schaden. Jede verzögerte Reaktion erhöht den Sanierungsaufwand und damit die Kosten.
Den Unterbau prüfen, ohne aufzureißen
Nicht immer sind die Ursachen von Straßenschäden an der Oberfläche erkennbar. Weiträumige Netzrisse, tiefe Spurrinnen, die über mehrere Schichtgrenzen hinausgehen, oder Schlaglöcher deuten auf Probleme im Unterbau hin. Doch wie lässt sich der Zustand des Unterbaus feststellen, ohne die Straße zu öffnen?
Hier kommen zerstörungsfreie Prüfverfahren zum Einsatz. Das FWD (Fallgewichtsdeflektometer) simuliert mit einem gezielten Kraftstoß auf die Straßenoberfläche die Überrollung durch ein schweres Fahrzeug. Die dabei entstehende Einsenkungsmulde wird mit Sensoren gemessen. Aus diesen Messwerten lässt sich die verbleibende Tragfähigkeit des Unterbaus berechnen.
Auch Georadar wird eingesetzt. Es misst die Schichtdicken zerstörungsfrei und kann Inhomogenitäten in tieferen Lagen aufdecken. Diese Verfahren ermöglichen eine gezielte Diagnose. Sie helfen, Sanierungsmaßnahmen dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden, und unnötige Aufgrabungen zu vermeiden.
Die Standards für Bauunternehmen
Für die ordnungsgemäße Wiederherstellung von Künetten und Aufgrabungen ist im Straßenbau primär die Richtlinie RVS 13.01.43 („Instandsetzung nach Grabungsarbeiten") der Österreichischen Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr heranzuziehen.
Diese Richtlinie definiert als anerkannter Stand der Technik all jene Anforderungswerte, die für Künetten-Instandsetzungen wichtig sind (etwa Ausbildung eines normgerechten Übergriffs mind. 20 cm der Asphaltschichten).
Wie kann eine Gemeinde sicherstellen, dass Unternehmen diese Standards auch einhalten?
Gemeinden könnten z. B. fachkundige örtliche Bauaufsicht (ÖBA) installieren, die während der Durchführung laufend die Instandsetzung von Künetten kontrollieren. Weiters könnten vertraglich Abnahmeprüfungen festgeschrieben werden.
Eine formelle Übernahme des Gewerkes sollte zwingend an positive Resultate von Prüfungen (z. B. Nachweis des Verdichtungsgrades durch Lastplattenversuche, Nachweis der Asphaltverdichtung ...) sowie an Mängelbegehungen vor Ablauf der Gewährleistungsfristen geknüpft werden. Details dazu können in der RVS 13.01.43 nachgeschlagen werden.
Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 7/2026.