Johann Gassner
„Wir sind total konsensorientiert und das möchten wir auch in Zukunft so halten.“ Johann Gassner über die Arbeitsatmosphäre im Gemeinderat von Taxenbach.
© Foto Christine 5671 Bruck

„Ich bin kein Zentralist“

Johann Gassner ist Bürgermeister von Taxenbach und als solcher darum bemüht, die Balance zu finden – zwischen eigenständigen Ortsteilen einerseits und dem kommunalen Zusammengehörigkeitsgefühl andererseits.

Taxenbach
Taxenbach von Süden. Im Hauptort der Marktgemeinde ist rund ein Drittel der Gemeindebürger beheimatet. 

Taxenbach ist eine Salzburger Marktgemeinde im Pinzgau. Sie liegt im mittleren Salzachtal, am Eingang des Rauriser Tals und besteht aus 14 Ortschaften. Der Bürgermeister von Taxenbach heißt seit 2018 Johann Gassner. Der verheiratete Vater von drei Kindern ist heute 56 Jahre alt und kann bereits auf ein arbeits­reiches Leben zurückblicken.    

Vom Tischler zum Bürgermeister 

„Ich habe erst eine Tischlerlehre abgeschlossen und bin dann in den Bau gewechselt. Daher habe ich auch die Polierschule absolviert und bin dann 34 Jahre lang bei einer Baufirma gewesen“, erzählt der begeisterte Mountainbiker und Skitourengeher. In die Politik ist er total unverhofft gekommen: „Mein Nachbar ist ÖAAB-Obmann der Ortsgruppe Taxenbach gewesen und hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte und kandidieren möchte.“

Weil ihn Politik immer interessiert hat, sagt Gassner zu und wird prompt in den Gemeinderat gewählt. In der ersten Legislaturperiode ist er noch einfacher Gemeindevertreter, in der zweiten, ab 2009, wird er Obmann des Umweltausschusses und in der dritten, ab 2014, Obmann des Bauausschusses. Als er im Oktober 2018 schließlich Bürgermeister wird, hat er bereits mehr als 15 Jahre Erfahrung als Gemeindevertreter gesammelt. 

Anfangs hat Gassner versucht, seinen Beruf und die Bürgermeistertätigkeit parallel auszuüben: „Ich habe das ein paar Monate probiert, aber das hat sich mit dem Beruf nicht vereinigen lassen.“ Gassner nahm seine Verantwortung ernst und widmete sich daher fortan in Vollzeit dem Amt: „Das funktioniert sehr gut. Man kann das Amt viel besser ausüben, wenn man in der Gemeinde ständig anwesend und unmittelbar informiert ist.“ 

Ein Bürgermeister, der zuhören will

Gassner möchte ein Bürgermeister sein, der vor allem zuhört und auf die Befindlichkeiten der einzelnen Bürger eingeht. Klingt schön, ist in der Praxis alles andere als leicht.

„Es ist oft schwierig, dass man wirklich auf alle Sachen eingeht. Leider kann man auch nicht immer alle Wünsche erfüllen. Ausmachen tun es aber meist gerade die kleinen Dinge“, verrät Gassner. Dabei kann es sich um schnelle Entscheidungen handeln oder nur darum, Kleinigkeiten umzuändern.  „Zum Beispiel ein Verkehrsspiegel an einer schwierigen Straßenstelle oder Kreuzung,  damit man bessere Sicht hat. So etwas kann man relativ schnell umsetzen, fällt einem aber selbst gar nicht auf. Gerade das sind die Sachen, die den Bürger total freuen.“  

Gassner ist aber keineswegs nur mit Kleinigkeiten beschäftigt. Auch große Sorgen löst der Mittfünfziger auf die Taxenbacher Art, sprich im Konsens, denn „wir haben das Glück, dass wir innerhalb der Parteienlandschaft zu 99 Prozent einstimmige Beschlüsse treffen. Wir sind total konsensorientiert. Das haben wir eigentlich schon immer so gehandhabt und das möchten wir auch in Zukunft so halten.“ Die Frage, ob er eine Entscheidung in seinem Amt bereue, verneint Gassner daher: „Das soll nicht vermessen klingen, aber wir haben keine Entscheidungen getroffen, die falsch waren.“

Wenn alle in den Entscheidungsfindungsprozess miteingebunden waren und sich einbringen konnten, ist das auch nicht verwunderlich. In Taxenbach läuft’s!

Genug zu tun gibt es aber freilich immer noch. Taxenbach ist in keiner ganz einfachen Lage. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist das Gemeindegebiet recht groß und zu einem Gutteil gebirgig. In erster Linie ist Taxenbach zudem eine Wohnsitzgemeinde, hat weder viel Industrie noch Gewerbe. Vorherrschend ist die Land-  und Forstwirtschaft. Zwar hat auch Taxenbach Tourismus zu verzeichnen,  mit seinen Nachbargemeinden Kaprun oder Zell am See kann es sich allerdings in touristischer Sicht nicht messen. 

Kitzlochklamm
Die Ausflugsattraktion Kitzlochklamm in Taxenbach verzeichnet jährlich ca. 60.000 Besucher. Foto: Marktgemeinde Taxenbach

Die spielen nochmals in einer anderen Liga, dafür sei die Gemeinschaft im Ort besser und intensi­ver als in den größeren Tourismusgemeinden, ist sich Gassner sicher. Taxenbach habe einfach eine andere Lebensqualität als Wohngemeinde: „Wir haben ein reges Vereinsleben in unseren unterschiedlichen Ortsteilen, ein großes Schulzentrum, einen modernen Kindergarten, und wir setzen viel auf Familie. Zukünftig werden wir uns darum bemühen, dass noch mehr Betriebe nach Taxenbach kommen, sodass wir auch mehr Arbeitsplätze im Ort haben“, erklärt Gassner, denn gegenwärtig ist Taxenbach eher finanzschwach und eine Ausgleichsgemeinde.

In Anbetracht dessen versteht man den Stolz der Taxenbacher auf ihre Gemeindeinfrastruktur umso besser. In die wird nämlich laufend kräftig investiert. Gerade hat die e5-Gemeinde ihr Radwegnetz um mehr als zwei Kilometer erweitert. Kleinere Dinge wie Straßensanierungs­projekte sind ebenso aktuell.

Investitionen in die Infrastruktur

Eine Nummer größer sind die Bau- und Sanierungsprojekte in den verschiedenen Ortsteilen von Taxenbach. Wie eingangs schon erwähnt, sind es 14 Ortschaften an der Zahl, und sie liegen geografisch nahezu aufgefädelt im Salzachtal entlang. Gassner weiß: „Wir haben ein sehr gestrecktes Gemeindegebiet, über zehn Kilometer, und da ist wichtig, dass man das Ortsleben erhält.“ Deshalb achtet man penibel darauf, für die Bewohner aller Orte die Wege kurz und die Versorgung nah zu halten. Mit einem Blick auf andere Gemeinden weiß man, dass das  keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist.       

Johann Gassner ist fast 40 Jahre lang bei der Feuerwehr und seit zehn Jahren stolzer Feuerwehrkommandant des Löschzugs Högmoos, der bereits seit 1903 besteht. Vielleicht hat er daher den richtigen Riecher dafür, welche Anliegen seinen Bürgern unter den Nägeln brennen.

Zweiter Standort für Seniorenheim

Aktuell befasst er sich mit dem Seniorenheim, denn das bestehende Seniorenwohnhaus ist 35 Jahre alt und in erster Linie von den technischen Anforderungen her in die Jahre gekommen.

„Wir haben daher in den letzten zwei Jahren ein großartiges Projekt entworfen. Wir bauen für das Seniorenwohnhaus den bestehenden Standort um und teilweise neu. Es wird auf ein 36-Bewohner­haus ausgebaut, mit einem Tagesbetreuungszentrum, in das die älteren Bürger, die zu Hause gepflegt werden, zur Entlastung der Angehörigen untertags gebracht werden können.“ Wenn nichts schiefgeht, soll der Baustart für dieses Vorhaben im Juli erfolgen.    

Viel getan hat sich auch bei den Ausbildungsstätten. Früher gab es Volksschulen in Högmoos, Taxenbach und Eschenau. Da es einfach zu wenige Kinder waren, wurde die Schule in Eschenau aufgelassen, als 2014 das nagelneue Schulzentrum in Taxenbach eröffnete.

Schulzentrum in Taxenbach
Das moderne Schulzentrum in Taxenbach (hier noch im Bau, 2014 eröffnet) ermöglichte die Schließung der Volksschule in Eschenau. Das Volksschulgebäude – noch ausgezeichnet in Schuss – wurde danach zur Heimat für die Eschenauer Vereine. 

Das Eschenauer Schulgebäude war jedoch relativ neuwertig, darum wurde es umgehend als Vereinshaus genutzt, in dem die örtlichen Vereine, wie die Musikkapelle, der Chor und andere, ihre Räumlichkeiten haben. Das hat sich schon im Ortsteil Taxenbach bewährt, in dem das frühere Gemeindespital zum „Haus der Vereine“ umgewandelt wurde und nun zahlreiche Vereine beherbergt, von der Trachtenmusikkapelle Taxenbach über das Salzburger Musikschulwerk und die historischen Anton-Wallner-Schützen bis hin zum Bundesliga-Billardclub.

Vereinshaus in Taxenbach
Das ehemalige Gemeinde­spital beherbergt heute zahlreiche Taxenbacher Vereine. Foto: Ufao CC BY-SA 3.0 at

Im Ortsteil Högmoos, in dem die größten Baulandreserven bestehen und in dem mit Bevölkerungszuwachs zu rechnen ist, soll die Volksschule kommendes Jahr modernisiert werden. Zusätzlich wird ein Kindergarten mit zwei Gruppen errichtet, damit die Bevölkerung nicht fünf Kilometer nach Taxenbach in den Kindergarten fahren muss, sondern einen direkt vor Ort hat.

Wie auch immer sich die Gewichtungen der öffentlichen Einrichtungen verlagern, es wird darauf geachtet, dass jeder Ortsteil lebendig bleibt. „Ich bin kein Zentralist, sondern dafür, dass die Ortsteile gestärkt werden“, bekennt Gassner und beschreibt die Gratwanderung: „Es ist wichtig, dass wir die einzelnen Ortsteile stärken und trotzdem das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesamtgemeinde pflegen und bewahren.“ Das gelingt in der Marktgemeinde Taxenbach beachtlich gut. 

Zur Person

Johann Gassner

Alter: 56

Gemeinde: Taxenbach 

Einwohnerzahl: 2.711 (2021)

Bürgermeisterin seit: 24. Oktober 2018

Partei: ÖVP