Bei vier von zehn Kindern in Krippe und Kindergarten ist ein Vollzeitjob beider Eltern kaum möglich.
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Großes Gefälle bei vollzeittauglicher Kinderbetreuung
Ein Betreuungsplatz allein reicht vielen Familien nicht. Entscheidend ist, ob die Öffnungszeiten zu einem Vollzeitjob passen. Eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts zeigt: In Österreich ist das oft nicht der Fall. Zwischen Bundesländern und Bezirken gibt es dabei große Unterschiede.
Die Europäische Union gibt ihren Mitgliedstaaten Ziele für die Kinderbetreuung vor. Diese heißen „Barcelona-Ziele“. Bis 2020 sollten alle EU-Länder eine Betreuungsquote von 33 Prozent bei den unter 3-Jährigen erreichen. Bis 2030 sollen es 45 Prozent sein. Bei den 3- bis 5-Jährigen liegt das Ziel für 2030 bei 96 Prozent.
Österreich hat das Ziel für 2020 jahrelang verfehlt. Erst im Jahr 2024 wurde es erreicht, also mit vier Jahren Verspätung. Andere europäische Länder haben das Ziel sogar übertroffen. Derzeit liegt die Betreuungsquote bei Kindern unter 3 Jahren in Österreich bei 36 Prozent. Bis zum Ziel von 45 Prozent für 2030 ist es noch ein weiter Weg.
Nicht jeder Platz passt zu einem Vollzeitjob
Die Studie untersucht aber nicht nur, wie viele Kinder betreut werden. Sie fragt auch, ob die Betreuung mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar ist. Als Maßstab dient der VIF-Indikator. VIF steht für Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine Einrichtung erfüllt die Kriterien, wenn sie 47 Wochen im Jahr geöffnet hat, mindestens 45 Stunden pro Woche von Montag bis Freitag offen ist, an vier Tagen mindestens 9,5 Stunden öffnet und ein Mittagessen anbietet.
Das Ergebnis: Nicht einmal zwei Drittel der betreuten unter 3-Jährigen haben einen solchen Platz. Bei den 3- bis 5-Jährigen sind es knapp 60 Prozent. In vier von zehn Fällen ist eine Vollzeitarbeit beider Eltern damit kaum möglich.
Wien vorne, Oberösterreich und Steiermark hinten
Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Wien erreicht bei den unter 3-Jährigen eine Betreuungsquote von 46,1 Prozent. Damit erfüllt Wien als einziges Bundesland bereits das EU-Ziel für 2030. Auch beim Anteil der vollzeittauglichen Plätze liegt Wien mit 89 Prozent klar an der Spitze. Danach folgen Vorarlberg mit 72 Prozent und Kärnten mit 71 Prozent. Am Ende der Liste stehen Oberösterreich mit 27 Prozent und die Steiermark mit 33 Prozent.
Seit dem Betreuungsjahr 2019/20 haben einige Länder stark aufgeholt. Niederösterreich steigerte den Anteil vollzeittauglicher Plätze bei den unter 3-Jährigen um 31 Prozentpunkte, von 32 auf 63 Prozent. Das Burgenland legte bei den 3- bis 5-Jährigen um 41 Prozentpunkte zu, von 33 auf 74 Prozent. Rückgänge gab es in der Steiermark mit minus 14 Prozentpunkten bei den unter 3-Jährigen. Auch Wien verlor 5 Prozentpunkte, bleibt aber deutlich an der Spitze.
Von 100 Prozent bis 1 Prozent: die Bezirke
Auf Ebene der Bezirke sind die Unterschiede noch größer. Wien ist in diesem Vergleich nicht enthalten. Bei den unter 3-Jährigen liegt Eisenstadt (Stadt) mit 100 Prozent vollzeittauglicher Betreuung vorne. Es folgen Korneuburg mit 91,7 Prozent und Linz (Stadt) mit 87,1 Prozent.
Am anderen Ende steht Schärding mit 1,2 Prozent. Dahinter liegen Murau mit 3,4 Prozent und Liezen mit 4,8 Prozent. Von den 20 Bezirken mit den niedrigsten Werten liegen zwölf in Oberösterreich und fünf in der Steiermark.
Bei den 3- bis 5-Jährigen erreichen Eisenstadt und Rust jeweils 100 Prozent. Schärding liegt auch hier mit 11,3 Prozent auf dem letzten Platz.
Auch innerhalb einzelner Bundesländer gehen die Werte weit auseinander. In Oberösterreich reichen sie bei den unter 3-Jährigen von 1 Prozent in Schärding bis 87 Prozent in Linz (Stadt). Im Burgenland liegen sie zwischen 22 und 100 Prozent. Ob sich Familie und Vollzeitarbeit vereinbaren lassen, hängt damit auch vom Wohnort ab.
Zusammenhang mit der Teilzeit von Frauen
Die Analyse zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Betreuungsangebot und der Teilzeitarbeit von Frauen. In den 20 Bezirken mit dem höchsten Anteil vollzeittauglicher Plätze liegt die Teilzeitquote der Frauen im Durchschnitt bei 50,8 Prozent. In den 20 schwächsten Bezirken sind es 59,3 Prozent, gemessen an der Betreuung der unter 3-Jährigen. Gemessen an der Betreuung der 3- bis 5-Jährigen sind es 57,4 Prozent.
Im Betreuungsjahr 2025/26 liegt die Teilzeitquote der Frauen in den besten Bezirken bei den 3- bis 5-Jährigen um 6,6 Prozentpunkte niedriger als in den schwächsten. Insgesamt beträgt der Unterschied bis zu 8,5 Prozentpunkte.
Laut Statistik Austria nennen rund 40 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen die Betreuungssituation als Grund, nicht Vollzeit zu arbeiten. Bei Müttern mit Kindern unter 15 Jahren sind es mehr als 80 Prozent.
Forderungen der Studienautorinnen
Das Momentum Institut empfiehlt mehrere Maßnahmen. Dazu gehört der flächendeckende Ausbau von vollzeittauglichen und kostenlosen Einrichtungen. Außerdem fordert das Institut eine Ausbildungsoffensive für Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen sowie bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung. Weitere Vorschläge sind ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag und ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr.
