Hecke neben einem Weg
Hecken halten Lärm, Staub, Abgase oder Spritzwasser von Grünflächen und Gärten fern, bieten aber auch Sichtschutz.
© Natur im Garten/L. Mayrhofer

Natur im öffentlichen Raum

Mehr Lebensqualität mit Bäumen und Sträuchern

Gemeindevertreterinnen und -vertreter sitzen, was die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern im öffentlichen Raum betrifft, oft zwischen zwei Stühlen. Da sind einerseits Menschen, die sich lauthals beklagen, wenn der eine oder andere Parkplatz Baumpflanzungen zum Opfer fällt. Andererseits gibt es jene, die bei Begrünungsmaßnahmen mehr Tempo einfordern.

Spätestens nach dem heurigen Sommer ist den Bürgerinnen und Bürgern noch deutlicher bewusst, dass Bäume und Sträucher im Sommer ein Wohlfühlfaktor sind. Das spürt man im Baumschatten, man kann es aber auch in nüchternen Zahlen ausdrücken: Bis zu 500 Liter Wasser pro Tag verdunstet ein ausgewachsener Baum. Die damit einhergehende „Verdunstungskälte“ macht sich an heißen Tagen angenehm bemerkbar. 

Parkplatz mit Bäumen
Von Bäumen beschattete Parkplätze sorgen dafür, dass es in Autos nicht unerträglich heiß wird. Foto: Natur im Garten/M. Liehl-Rainer

Weitere Argumente für mehr Bäume in den Siedlungen sind ebenfalls gesundheitlicher Natur. Und gesund sein will schließlich jeder!

Über die Blätter nehmen die Bäume nicht nur Kohlendioxid (CO2), sondern auch gasförmige Luftverunreinigungen wie Stickoxide, Ozon, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid auf und tragen damit zur Verbesserung der Luftqualität bei. 

Feinstaub, der z. B. über den Autoverkehr entsteht und zum Teil in unserer Lunge landen würde, wird durch Bäume aus der Luft gefiltert. 

Angesichts vieler weiterer positiver Wirkungen wie etwa Lärmreduktion, architektonische und ästhetische Wertsteigerung oder Blendschutz kann der Wert von Bäumen im Stadtbild gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Aber auch die Natur profitiert! Mit Bäumen und Sträuchern rückt sie ein Stück weit in die Lebenswelt der Menschen in den Städten. Bis zu 90 verschiedene Vogelarten können in Alleebäumen nisten, der Haselstrauch bietet Nahrungsgrundlage für über 100 Tierarten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Alleen und Hecken sind wichtige Korridore oder Trittsteine, über die Tierarten wandern und sich ausbreiten können.

Welche Bäume halten das Stadtklima noch aus?

Baumarten wie die Rosskastanie, die früher als Stadtbaum noch gut „funktioniert“ hat, kämpfen heutzutage angesichts heißer und trockener Sommer oft mit dem Überleben. Deshalb ist bei Neugestaltungen eine sinnvolle Planung der grünen Infrastruktur enorm wichtig.

Zuerst gilt es einmal, unabhängig von der Baumart, für möglichst gute Standortbedingungen zu sorgen. Viel zu oft steht den Bäumen zu wenig Wurzelraum zur Verfügung. Als Mindestvolumen werden in Fachkreisen zwölf Kubikmeter angegeben. 

Auch die Anwuchspflege mit Gießen muss in den ersten Jahren gewährleistet sein. Dem Klimawandel können wir innerstädtisch nur begegnen, wenn wir auch auf „klimafitte“ Gehölze setzen. Das sind neben heimischen Arten auch fremdländische Gehölze aus wärmeren Regionen, zum Beispiel der Zürgelbaum oder die Gleditschie.

Außerdem ist es wichtig, auf Vielfalt zu setzen, und nicht nur auf eine Baumart. Eingeschleppte Krankheiten und Schädlinge können sonst rasch einer gesamten Allee den Garaus machen. Man denke nur an das Ulmen- oder das Eschentriebsterben! Um das Risiko besser zu streuen, möglichst viele Baumarten durchmischen und nur zehn Prozent einer Art pflanzen.

Standort entscheidet über Baumauswahl

Auch unter den „klimafitten“ Baumarten gibt es leider keine „eierlegende Wollmilchsau“. 
Welcher Baum sich am besten eignet, hängt stark vom jeweiligen Standort ab. Zukunftsbäume wie der Feldahorn oder der französische Ahorn eignen sich für sonnige, kleinere Standorte.  Die Silberlinde entwickelt sich hingegen zu einem großkronigen Baum und ist daher ein idealer Alleebaum, ebenso wie Zelkove oder der Schnurbaum. Pyramiden-Hainbuchen kommen auch an schattigeren oder windausgesetzten Standorten gut zurecht.  Als salzverträglich an belasteten Standorten gelten etwa Gleditschie und Feldahorn. 

„Natur im Garten“ hilft mit dem Baumnavigator www.willbaumhaben.at bei der Auswahl. Mit der Angabe bestimmter Kriterien (z. B. Höhe, Wuchsform, Wuchsstärke, Schattenwirkung, Klimatoleranz, Frosthärte, Salzverträglichkeit, …) findet man mit wenigen Klicks heraus, welcher Baum sich für den jeweiligen Standort eignet. Zusätzlich werden geförderte Gestaltungsberatungen vor Ort angeboten.

Hecken statt Bäume

Bei geringem Platzangebot können die kleinen Schwestern der Bäume – Heckensträucher – in die Presche springen. Auch Hecken wirken sich positiv auf das Wohlbefinden der Menschen im Siedlungsgebiet aus, wenn auch in geringerem Ausmaß. Hecken halten Lärm, Staub, Abgase oder Spritzwasser von Grünflächen und Gärten fern, bieten aber auch Sichtschutz.

Wie bei allen Pflanzungen gibt es auch für die Pflanzung von Sträuchern keine allgemeine Empfehlung, die für alle Standorte gelten kann. 

Liguster und Hainbuchen etwa verlieren ihr Laub erst sehr spät im Jahr und eignen sich daher sehr gut für Sichtschutzhecken oder für den Lärmschutz.

Ribisel
Ribisel und Apfelbeere eignen sich für Naschhecken auf Spielplätzen oder in Kindergärten. 

Sanddorn und Schlehe kommen mit sehr schlechten, nährstoffarmen Böden zurecht und der Sanddorn erträgt auch Hitze sehr gut. Ideal also für Böschungen oder Pflanzungen neben Straßen. Jedoch ist es wichtig zu wissen, dass beide Ausläufer bilden und eine Wurzelsperre benötigen, wenn sie in bestimmte Bereiche nicht einwachsen sollen.

Starkwüchsige Sträucher wie Hasel oder Gehölze, die sehr hoch werden, wie die Vogelbeere, sollten in Kreuzungsbereichen, in denen für die Verkehrssicherheit freie Sicht erforderlich ist, vermieden werden. Denn sie müssten dort häufiger zurückgeschnitten werden. Das erhöht den Arbeitsaufwand. 

Dirndl, Felsenbirne oder Kulturpflanzen wie Ribisel und Apfelbeere eignen sich für Naschhecken auf Spielplätzen oder in Kindergärten. 

Mit dem Heckennavigator von „Natur im Garten“ finden Sie auch sicher zu Ihren passenden Sträuchern.
Probieren Sie es aus! 

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 11/2026.

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