© EIV/Matthias Rhomberg
Elf Gemeinden für ihre Energiepolitik ausgezeichnet
Bei der jährlichen Vorarlberger e5-Zertifizierungsfeier in der Fachhochschule Dornbirn ehrte Energielandesrat Markus Klien elf Gemeinden. Sie erhielten die Zertifizierung für ihre Erfolge im Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden. Zehn der elf Gemeinden erreichten die Bewertung „4 e“. Dornbirn, Hittisau und Lustenau wiesen den höchsten Umsetzungsgrad auf.
Das Vorarlberger Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden startete im Jahr 1998. Seit 28 Jahren unterstützt es Gemeinden bei ihrer Arbeit für Energieeffizienz und Klimaschutz. Die e5-Gemeinden setzen auf erneuerbare Energien, energieeffiziente Gebäude und klimafreundliche Mobilität. Dazu kommt eine strategisch vorausschauende Gemeindeentwicklung. Das Programm begleitet die Gemeinden dabei, ihre Energie- und Klimaschutzziele systematisch zu verfolgen. Die Ergebnisse werden regelmäßig überprüft.
„Die e5-Gemeinden zeigen, wie die Energieautonomie Schritt für Schritt Realität wird“, sagte Landesrat Klien. Bei der Sanierung von Gebäuden, beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der klimafreundlichen Mobilität seien sie wichtige Vorbilder. Das Land unterstütze die Gemeinden dabei, ihre Projekte weiterzuentwickeln.
Strengere Kriterien seit 2025
Im Jahr 2025 wurde das e5-Programm neu ausgerichtet. Seither gelten strengere Bewertungskriterien. Der Fokus liegt stärker auf der Wirkung der kommunalen Maßnahmen. Entscheidend ist nicht nur, was umgesetzt wurde. Es zählt auch, welchen Beitrag die Projekte zu den Energie- und Klimaschutzzielen leisten. Die Audit-Ergebnisse zeigen Stärken und Potenziale auf. Sie geben damit die Richtung für die energiepolitische Entwicklung der kommenden Jahre vor.
„Das e5-Event würdigt nicht nur erreichte Bewertungsstufen. Es rückt auch das langjährige Engagement der Menschen hinter den Projekten und die vielen einzelnen Schritte für konkrete Lösungen in den Mittelpunkt“, sagte Gregor Sellner, e5-Programmleiter im Energieinstitut Vorarlberg. Die regelmäßige Zertifizierung mache Fortschritte sichtbar und schaffe Orientierung für die weitere Arbeit der Gemeinden.
Dornbirn will bis 2040 klimaneutral sein
Die Stadt Dornbirn verfolgt seit vielen Jahren eine konsequente Energie- und Klimapolitik. In den vergangenen vier Jahren hat die Stadt wichtige Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählen der Ausbau der Photovoltaik und die schrittweise Umstellung städtischer Gebäude und Anlagen auf erneuerbare Energieträger. Die gesamte Stadtbusflotte wurde elektrifiziert. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt VMOBIL Rad.
Die strategischen Grundlagen entstanden schon vor dem Beitritt zum e5-Programm im Jahr 2002. Einen wichtigen Schub brachten ein Energiemasterplan und ein einstimmiger Beschluss der Stadtvertretung. Demnach soll das gesamte Gemeindegebiet bis 2040 klimaneutral sein. Dornbirn ist eine der zehn Pionierstädte Österreichs mit der Mission „Klimaneutrale Stadt“. Die Stadt folgt dem Motto „Ausprobieren statt Warten“. Im gesamten Stadtgebiet entstehen dadurch Lern- und Experimentierräume.
Hittisau setzt auf Schulcampus und autofreien Dorfplatz
Hittisau ist seit 2009 e5-Gemeinde. Regional ist die Gemeinde auch in der Klima- und Energie-Modellregion (KEM) und in der Klimawandelanpassungs-Modellregion (KLAR!) Vorderwald aktiv. Ein Vorzeigeprojekt ist der Schulcampus. Er wurde generalsaniert und um einen Neubau erweitert. Die Gebäude folgen energieeffizienten Low-Tech-Prinzipien. Die Wärme kommt aus einem Biomasse-Nahwärmenetz. Weitere Standards setzen die Frischeküche LOKAL mit regionaler Wertschöpfung, eine klimaaktiv Mustersanierung und die Holzbauweise. Die Volksschule erhielt 2024 unter anderem die Auszeichnung klimaaktiv Gold.
Auch bei der Mobilität verfolgt Hittisau im ländlichen Raum ehrgeizige Ziele. Seit 2024 gibt es eine Parkraumbewirtschaftung im Zentrum. Im Jahr 2026 wurde der autofreie Dorfplatz fertiggestellt. Im Ortskern wurden Landes- und Gemeindestraßen mit einer Begegnungszone und Tempo 30 beruhigt. Im Jahr 2022 gründete Hittisau mit den Nachbargemeinden die Erneuerbare Energiegemeinschaft „Wälderstrom“. Sie sorgt im Vorderwald für eine selbstbestimmte, nachhaltige und widerstandsfähige Energieversorgung.
Lustenau baut Fernwärme aus und begrünt Dächer
Die Marktgemeinde Lustenau ist seit 2006 Teil des e5-Programms. Im Jahr 2024 beschloss die Gemeinde einen räumlichen Entwicklungsplan. Er legt Ziele für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung, klimafreundliche Mobilität und Klimawandelanpassung fest.
Ein Schwerpunkt ist die Senkung des Energieverbrauchs. Die Straßenbeleuchtung wird schrittweise auf sensorgesteuerte LED-Technik umgestellt. Mit dem Biomasse-Fernwärmenetz der Kelag Energie & Wärme entsteht eine erneuerbare Wärmeversorgung für kommunale Gebäude, Betriebe und Haushalte. Bei der Mobilität setzt Lustenau auf den Ausbau des Radverkehrs, auf Tempo 30 und auf Begegnungszonen.
Zur Klimawandelanpassung und zur Förderung der Naturvielfalt gilt eine Begrünungspflicht. Größere Flachdächer müssen bei Neubauten sowie bei Zu- und Umbauten begrünt werden. Der Campus Rotkreuz wurde durch Sanierung und Neubau zu einem modernen Bildungscampus. Ergänzt wird er durch eine regionale Frischeküche der „Esskultur Lustenau“. Die Bevölkerung wird aktiv eingebunden, etwa mit den „Lustenauer Sonnenscheinen“. Damit werden zum Beispiel Photovoltaikanlagen finanziert, so wie beim Reichshofstadion.
Egg springt von zwei auf vier „e“
Die Marktgemeinde Egg verbesserte sich im neuen Bewertungssystem von zwei auf vier „e“. In den vergangenen Jahren setzte die Gemeinde zahlreiche Maßnahmen um. Dazu zählen der neue Busbahnhof als regionaler Mobilitätsknotenpunkt, die Verkehrsberuhigung im Ortszentrum mit Tempo 30 und ein neues Carsharing-Angebot. Hinzu kommen radfreundliche Projekte wie eine Fahrradstraße sowie Aktionen wie „RADschlag“ und „Bike to Work“.
Auch bei den erneuerbaren Energien ist Egg aktiv. Bereits 1993 entstand hier das erste Biomasse-Nahwärmenetz Vorarlbergs. Heute versorgt es einen Großteil von Egg sowie 13 kommunale Gebäude mit klimafreundlicher Wärme. Im Jahr 2020 folgte ein zweites Nahwärme-Heizwerk im Ortsteil Schetteregg. Eine lokale Erneuerbare Energiegemeinschaft sorgt dafür, dass der PV-Strom von Volksschule und Schulzentrum dort verbraucht wird, wo und wann er gebraucht wird. Ein Beispiel ist die Mittagszeit in der Schulküche im Sozialzentrum.
Die Audit-Bewertungen 2026
- Lustenau: 4 e, 71 Prozent
- Hittisau: 4 e, 71 Prozent
- Dornbirn: 4 e, 70 Prozent
- Bregenz: 4 e, 68 Prozent
- Göfis: 4 e, 67 Prozent
- Hörbranz: 4 e, 67 Prozent
- Egg: 4 e, 66 Prozent
- Altach: 4 e, 66 Prozent
- Bürs: 4 e, 64 Prozent
- Frastanz: 4 e, 64 Prozent
- Sulz: 3 e, 61 Prozent
Im Rahmen der Zertifizierung wird jede Gemeinde alle vier Jahre einem Audit unterzogen. Bewertet werden sechs Handlungsfelder: Entwicklungs- und Raumplanung, Gebäude und Anlagen, interne Organisation, Kommunikation und Kooperation, Mobilität sowie Ver- und Entsorgung. Der durchschnittliche Umsetzungsgrad wird vereinfacht mit der e-Wertung dargestellt. Die Skala reicht von „e“ unter 25 Prozent bis „eeeee“ über 75 Prozent.