Beim Rundgang durch das Wasserbaulabor der BOKU Wien: Assistenzprofessorin Claudia Kolm vom Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Universitätsprofessor Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU und Privatdozentin Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU
Beim Rundgang durch das Wasserbaulabor der BOKU Wien: Assistenzprofessorin Claudia Kolm vom Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Universitätsprofessor Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU und Privatdozentin Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU
© NLK Burchhart

Wasserforschung stärkt kommunale Vorsorge

6. November 2026
Alte Hochwassermarken, Versuche im Wasserbaulabor und neue Methoden zur Qualitätskontrolle sollen helfen, Hochwasserschutz und Trinkwasserversorgung weiterzuentwickeln. In Niederösterreich fließen dabei auch Dokumente und Erfahrungen aus der Bevölkerung ein.

Wie hoch stand das Wasser bei früheren Überschwemmungen? Welche Flussbreite braucht es künftig? Und wie lässt sich bei der mobilen Trinkwasseraufbereitung rasch erkennen, ob die Qualität stimmt? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forschungseinrichtungen, die ihre Arbeit bei einer Pressekonferenz am Wasserbaulabor der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) vorstellten.

Für Gemeinden sind die Ergebnisse eine Grundlage, um Schutzmaßnahmen und die Wasserversorgung zu planen. Neben technischen Versuchen spielt dabei auch der Blick in die Vergangenheit eine Rolle.

Alte Dokumente ergänzen Pegeldaten

Das Hochwasser 2024 gab den Anstoß zu einem Forschungsprojekt, an dem sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Gesucht werden Fotografien, Hochwassermarken, Chroniken und andere Aufzeichnungen über frühere Überschwemmungen. Sie können Hinweise auf Ereignisse liefern, die von den vorhandenen Pegelaufzeichnungen nicht erfasst werden.

Dafür wurden rund 270 Gemeinden kontaktiert, die 2024 vom Hochwasser betroffen waren und über Pegelmessstellen verfügen. Rund 100 Personen haben bereits historische Dokumente und Informationen beigesteuert. Das Land Niederösterreich unterstützt das Projekt mit 54.500 Euro.

„Hochwassermarken sind für uns eine besonders wertvolle Quelle, um Wasserstände rekonstruieren und Häufigkeiten von extremen Hochwässern besser einschätzen zu können“, erklärte Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU.

Die Datenerhebung soll bis Jahresende abgeschlossen werden. Im kommenden Jahr beginnt die wissenschaftliche Auswertung. Informationen aus der Bevölkerung werden weiterhin entgegengenommen.

Mehr Raum und Rückhalt für Wasser

Bestehende Hochwasserschutzmaßnahmen hätten viele Schäden verhindert, betonte Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU. Durch den Klimawandel steige allerdings die Gefahr. Deshalb müssten die Maßnahmen weiterentwickelt werden.

Früher seien Flüsse häufig sehr eng und steil reguliert worden. Eine Forschungsfrage sei daher, wie breit Flüsse künftig sein müssten, um widerstandsfähiger gegenüber extremen Ereignissen zu werden. Dokumentierte Hochwässer helfen dabei, Schwachstellen zu erkennen und Schutzmaßnahmen anzupassen.

Im Wasserbaulabor DREAM können Untersuchungen auch im Maßstab 1:1 durchgeführt werden. Die Erkenntnisse dienen unter anderem dem Hochwasserschutz, der Schifffahrt, der Wasserkraftnutzung und der ökologischen Entwicklung von Flüssen. Niederösterreich hat 4,5 Millionen Euro zum Labor beigetragen.

Weitere Schutzprojekte geplant

Nach Angaben von LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf wurden seit 2024 weitere 35 Hochwasserschutzprojekte fertiggestellt und 37 neu begonnen. Für die nächsten zwei Jahre seien 32 Projekte geplant. Für Vorhaben unter anderem an Pielach, Perschling, Donaugraben, Schwechat und Großer Erlauf nannte Pernkopf Investitionen von 160 Millionen Euro.

Ein Drittel der Mittel für den Hochwasserschutz solle in Wasserrückhalt und Retention fließen. Ziel sei es, Wasser stärker dort zurückzuhalten, wo der Niederschlag fällt, und den Gewässern wieder mehr Platz zu geben.

Auch bei der Wasserversorgung verwies Pernkopf auf laufende Vorhaben: 200 Projekte seien in Bau, weitere 300 in Vorbereitung. Zudem seien bereits 100 Trinkwasser- und Regenwasserpläne ausgearbeitet worden.

Trinkwasserqualität während der Aufbereitung prüfen

Mit Krankheitserregern, Antibiotikaresistenzen und den Auswirkungen der Wasserqualität auf die Gesundheit beschäftigt sich der neue Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems.

Claudia Kolm verwies auf die gute Ausgangslage Österreichs: Das Wasser für die Trinkwasserversorgung stamme zu fast 100 Prozent aus Grund- und Quellwasser. Für die Qualität seien neben dem Schutz dieser Ressourcen auch die Wartung der Infrastruktur sowie vorausschauende Planung entscheidend.

Untersucht wird unter anderem, wie sich aus Flusswasser, etwa aus der Donau, sicheres Trinkwasser gewinnen lässt. Ein gemeinsames Projekt mit dem Österreichischen Bundesheer befasst sich mit mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Diese können bei einem Ausfall der bestehenden Infrastruktur an betroffene Orte gebracht werden.

Die Forschung soll es Anlagenbetreibern ermöglichen, bereits während der Aufbereitung zu erkennen, ob das Wasser die Anforderungen der österreichischen Trinkwasserverordnung erfüllt oder Anpassungen im Betrieb nötig sind.