Menschen, die vom Kollegen zur Führungskraft werden, haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind sich ihrer selbst bewusst.
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Führen, wenn jeder den Chef seit der Volksschule kennt
In der Gemeindeverwaltung führt niemand über Boni, Gehaltssprünge oder die Drohung mit der Kündigung. Was bleibt, ist die eigene Person. Das macht kommunale Führung nicht einfacher, sondern anspruchsvoller — und lernbar.
Ein Amtsleiter in einer 3.000-Einwohner-Gemeinde führt Menschen, die er seit der Volksschule kennt. Er wird sie beim Feuerwehrfest wiedersehen, im Elternverein, am Sonntag in der Kirchenbank. Er kann ihnen kein Gehalt in Aussicht stellen, das den Unterschied macht, kaum eine Beförderung anbieten und sie im Konfliktfall nicht austauschen.
In der Privatwirtschaft würde man das als Führung ohne Werkzeug bezeichnen. Tatsächlich ist es Führung, die auf ein einziges Werkzeug zurückgeworfen ist: auf die Person der Führungskraft selbst. Wer als Mensch überzeugt, führt. Wer es nicht tut, verwaltet Widerstand.
Der Übergang, den fast niemand begleitet
Dazu kommt ein Rollenwechsel, den fast jede Gemeinde kennt und fast keine vorbereitet. Aus der Kollegin wird die Vorgesetzte. Über Nacht. Bisher hat man gemeinsam über die Amtsleitung geschimpft — jetzt ist man sie.
Die typische Reaktion darauf geht in eine von zwei Richtungen. Die einen werden härter, als sie es je waren, weil sie fürchten, nicht ernst genommen zu werden. Die anderen vermeiden jeden Konflikt, weil sie die alte Nähe nicht verlieren wollen. Beides ist keine Charakterschwäche. Beides ist der Normalfall, wenn jemand ohne Vorbereitung in eine Rolle gestellt wird, die er bis gestern von außen betrachtet hat.
Was in dieser Phase versäumt wird, prägt oft ein ganzes Amtsleiterleben. Führungsgewohnheiten sind nach zwei, drei Jahren fest — und dann schwer zu korrigieren.
Selbst-bewusst, im Wortsinn
Führungskräfte, die diesen Übergang gut bewältigen, haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind sich ihrer selbst bewusst. Sie stehen zu sich, wie sie sind, mit Stärken und Schwächen. Sie vermitteln Vertrauen, übernehmen Verantwortung und kommunizieren auf gleicher Ebene statt von oben herab. Sie entscheiden, sind konsequent und fordern getroffene Vereinbarungen auch dann ein, wenn es unangenehm wird.
Und sie berühren ihre Mitarbeiter als Menschen. Das klingt weich, ist aber das Gegenteil davon: Wer als Person greifbar ist, muss sich nicht hinter Dienstweg und Geschäftsordnung verstecken. Authentisch zu führen erhöht nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter, sondern auch die der Führungskraft — Rollenspiel ist auf Dauer anstrengend.
Der schwierigste Teil daran ist die Selbsteinschätzung. Die Lücke zwischen Selbstbild und Fremdbild ist bei Führungskräften systematisch die größte im ganzen Haus, aus einem einfachen Grund: Niemand sagt dem Chef, wie er wirkt. Wer seinen eigenen Standort nicht kennt, steuert blind.
Führen ist Lernen, nicht Wissen
Das ist der unbequeme Befund. Führungswissen lässt sich an einem Nachmittag vermitteln — Führungsverhalten nicht. Es entsteht durch Ausprobieren, Scheitern, Reflektieren und erneutes Ausprobieren, über Jahre hinweg. Genau deshalb ist Führen schwierig, und genau deshalb verändert Führungsliteratur so wenig.
Für Gemeinden heißt das zweierlei. Erstens: Ein einmaliges Seminar erfüllt eine Pflicht, verändert aber wenig. Was wirkt, sind längere Prozesse mit Wiederholung, Praxisphasen dazwischen und der Bereitschaft, sich selbst zum Thema zu machen. Zweitens: Der beste Zeitpunkt ist der Führungswechsel — nicht das dritte Jahr, in dem die Konflikte bereits verhärtet sind.
Führung bleibt am Ende ein gemeinsames Abenteuer zwischen Mitarbeitern und Führungskraft. Kein Regelwerk, das man einmal liest.
Seminarreihe „Führen durch Persönlichkeit"
Dr. Werner Zöchling bietet dazu fünf aufeinander aufbauende Zwei-Tages-Seminare für Führungskräfte in Verwaltung und Wirtschaft an:
Sich selbst führen — den eigenen Standort bestimmen und die Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild schließen. Im Dialog führen — miteinander reden statt nebeneinander oder gegeneinander, und verstehen, was Körpersprache dabei transportiert. Im Team führen — Entwicklungsphasen und Rollen erkennen, den Weg von der Gruppe zum Team gestalten. Miteinander statt gegeneinander — Konflikte konstruktiv lösen und die konstruktive Seite der Aggression nutzen: sich durchsetzen, entscheiden, Forderungen stellen. Mit innerer Balance führen — an persönlichen Stressmustern arbeiten, Beruf, Familie und die eigene Person gleichrangig behandeln.
Gearbeitet wird mit praktischem Training, Rollenspielen, Erfahrungsaustausch, Filmanalysen und gruppendynamischen Übungen. Ort: Landhotel Atzmüller, Waxenberg im Mühlviertel. Abschluss mit Zertifikat bei Teilnahme an allen fünf Seminaren.
Information und Anmeldung
Dr. Werner Zöchling, Sierninger Straße 91D, 4400 Steyr
zoechling@zoechling-beratung.at
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