Die sieben von internationalen Architekturbüros gestalteten Bushaltestellen haben breite internationale Aufmerksamkeit erregt.
Foto: LandLuft/JLeitner

Bushäuschen von Stararchitekten

1. Februar 2016
Das Vorarlberger Krumbach ist eine der Siegergemeinden des LandLuft Baukulturgemeinde-Preises 2016. Warum, begründete die Jury folgendermaßen:





Auch wenn diese Kennwerte für sich sprechen, sagen sie noch wenig über das eigentliche Phänomen Krumbach. Denn die meisten dieser Bauten sind von eindrucksvoller Qualität, vielfach publiziert und ausgezeichnet, nicht nur unter dem Gesichtspunkt des hohen architektonischen Niveaus, sondern auch unter den Aspekten von Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (viele Neubauten mit Passivhauswerten) sowie wegen ihrer teils erstaunlichen Entstehungsgeschichten. Sie drehen sich um vielerorts virulente Fragen wie Ortskernentleerung, Zersiedlung und Kulturverlust im ländlichen Raum.

Bevölkerung wird eingebunden



Der Politik und einzelnen Personen aus der Krumbacher Zivilgesellschaft ist es gelungen, eine ganze Gemeinde und ihre Bürger zu inspirieren und zu aktivieren. So wie andere Vorarlberger Gemeinden verzichtet Krumbach auf Parteiengezänk und wählt Personen, keine Parteien in den Gemeinderat. Der hat seine politischen Ausschüsse aufgelöst und durch offene Beiräte ersetzt. Stellt sich etwa die Frage nach der Errichtung einer neuen Bibliothek oder eines Hauses für die Alten, dann werden alle Gemeindemitglieder, die sich für dieses Thema interessieren und engagieren wollen, zur Mitarbeit in einer Vorbereitungsgruppe eingeladen. Der Erfolg ist frappierend: Die neu errichtete, wunderschöne Bibliothek von Krumbach verzeichnet jährlich 20.000 Entlehnungen. Im Schnitt also 20 pro Gemeindebürger und Jahr!

Bürgermeister moderiert, ermutigt, berät, unterstützt und aktiviert



Mangelt es in der Gemeindepolitik irgendwo an Kompetenz, zieht man Expertise bei, etwa bei Bauangelegenheiten. Selbstverständlich gibt es in Krumbach einen Gestaltungsbeirat zu Bau- und Raumplanungsfragen, der den Bürgermeister besser berät als Bauausschüsse das üblicherweise tun. Das Bild des alten Dorfkaisers hat Bürgermeister Arnold Hirschbühl entsorgt. In Krumbach wird moderiert, ermutigt, beraten, unterstützt, aktiviert: in bescheidenem, aber sehr selbstgewissem, entschiedenem Ton. Dieser Gemeindegeist verselbstständigt sich, lässt Bürger mutig und initiativ und vor allem eigenständig werden: Die Bushaltestellen sind nicht gegen die Gemeindepolitik entstanden, aber auch nicht aus ihr. (Bau)Kultur wird nicht nur ökonomisch argumentiert, sondern auch mit Lebensqualität: Den Moorraum z. B. kann man sich als Salettl vorstellen oder als Lusthaus; er dient der Muße, öffnet und schärft den Blick für die besonderen Naturschönheiten des Ortes.



Wohnanlage in Krumbach. Foto: LandLuft/GHerder

Erfolgreiche Strategie gegen Zersiedlung



Der Zersiedlung wurde entschieden Einhalt geboten, indem Neubauten konsequent nur im Ortszentrum oder zur Nachverdichtung einzelner Siedlungsweiler gestattet werden. Das gilt besonders für Alternativen zum Einfamilienhaus, die in Krumbach offensiv unterstützt werden. Diese Vorgabe musste zwar erkämpft werden. Einmal etabliert erspart sie aber das übliche Gezerre und die nicht endende Flut an Ausnahmen, die andernorts unsere Landschaft vernichtet. Das kommunale Klima färbt auf die gewerbliche und private Bautätigkeit ab und zeitigt Synergien. Jedenfalls findet man überall in Krumbach Alltagsbauten, die das österreichische Niveau deutlich überbieten. Wer so tüchtig ist, hat auch das Glück auf seiner Seite: Zu den rund 1.000 Einwohnern zählen mehrere überregional bekannte und dekorierte Architekten.



Foto: LandLuft/GHerder