
Alois Steinbichler: „Jetzt können wir uns wieder auf das Bank- und Projektinfrastrukturgeschäft konzentrieren.“
„Brücke zwischen Projekterrichtern und Investoren“
Die Kommunalkredit, die 2008 verstaatlicht werden musste, konnte nun um 142 Millionen Euro verkauft werden. KOMMUNAL sprach mit Generaldirektor Alois Steinbichler über das neue Geschäftsmodell.
Herr Mag. Steinbichler, Gratulation zur erfolgreichen Privatisierung.
Danke. Wir freuen uns, diesen erfolgreichen Abschluss erreicht zu haben. Es war ein langer, durchaus dynamischer Prozess, der mit der Spaltung der ehemaligen Kommunalkredit im Jahr 2009 in einen Fortführ- und einen Abbauteil begonnen hat. Gemäß Auflagen der Europäischen Union (EU) sollte die Kommunalkredit Austria (KA) bis zum Jahr 2012 verkauft werden. Diese Frist konnte nicht gehalten werden, sodass – einer neuerlichen Auflage der EU folgend – die Bank zwar weiter privatisiert werden konnte, jedoch nur bis zur Hälfte der Aktiva; ebenso durfte ab diesem Zeitpunkt kein Neugeschäft getätigt werden. Nunmehr konnte die Privatisierung mit einem Erlös der Republik Österreich von 142 Mio. Euro abgeschlossen werden.
Sind Sie froh, nach sicher sehr aufwändigen Monaten, sich wieder stärker um die operativen Themen kümmern zu können?
Natürlich, jetzt können wir uns wieder auf das Bank- und Projektinfrastrukturgeschäft konzentrieren. Der Kontakt zum Markt ist durch die Betreuung des bestehenden Portfolios zwar nie verloren gegangen, ab jetzt können wir aber neue Projekte strukturieren und finanzieren. Ebenso bestehen die Aktivitäten der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) mit dem Förderungsgeschäft unverändert weiter.
Durch einen neuen Eigentümer ergibt sich ja meist auch ein neues Geschäftsmodell: Wie sieht dieses bei der Kommunalkredit zukünftig aus?
Der neue Eigentümer hat die Bank durchaus auf Basis unseres definierten Geschäftsmodells erworben. Dass dieses Konzept für gut empfunden wird, zeigt sich auch in der Kontinuität des Managements. Neben mir als Vorstandsvorsitzenden wurde mit Mag. Wolfgang Meister auch das zweite Vorstandsmitglied intern besetzt. Die Bestellung eines dritten Vorstandsmitglieds ist noch im Gange.
Bezüglich des Geschäftsmodells sind wir seit 2009 davon überzeugt, dass Infrastruktur nicht über öffentliche Budgetkredite allein finanziert werden kann. Vielmehr müssen auch institutionelle Gelder (Versicherungen, Fonds etc.), welche langfristig verfügbar sind, herangezogen werden. Wir sehen uns dabei als die Brücke zwischen dem Bedarf von Projekterrichtern mit entsprechendem Strukturierungs- und Finanzierungsbedarf sowie institutionellen Investoren mit Veranlagungsbedarf. Dieses Konzept wird inzwischen als zukunftsfähiges Leitbild gesehen. Dies resultiert aus den gegebenen Rahmenbedingungen: Die öffentliche Verschuldungskapazität ist eingeschränkt und Budgetkonsolidierungen sind notwendig. Zudem erschweren neue bankenaufsichtsrechtliche Regeln den Banken das Halten langfristiger Aktiva. Gleichzeitig suchen institutionelle Investoren langfristige Investitionsmöglichkeiten, zumal man auf dem Kapitalmarkt derzeit nur geringe Renditen erzielen kann; das Zinsniveau liegt bei etwa 0,9 Prozent für zehn Jahre bzw. 1,5 Prozent für 30 Jahre. Aus all diesen Komponenten ergeben sich positive Chancen.
Auch in Form von PPP-Modellen?
Ja, auch in Form von Beteiligungsmodellen. Im Wesentlichen geht es dabei um Betreibermodelle, an denen sich Investoren beteiligen. Wir sind dabei in den Bereichen „Energie und Umwelt“, „Soziale Infrastruktur“ und „Verkehr“ aktiv.
Was wird sich für die Gemeinden, die Kunden der Kommunalkredit sind, ändern?
Grundsätzlich verbreitern sich die Möglichkeiten, Projekte umzusetzen. In der Beurteilung von Projekten gewinnt dabei die wirtschaftliche Betrachtung über den Projektlebenszyklus an Bedeutung. Das heißt, man konzentriert sich nicht nur auf die Errichtungsphase, auch die Betriebskosten und Erhaltungsinvestitionen werden in Ansatz gebracht. Dadurch steigt die langfristige Kostentransparenz, die in dieser Form in der Kameralistik nicht gegeben war.
Ab welcher Größenordnung sind Projekte interessant?
Projekte unter fünf Millionen Euro gelten als klein. Das heißt jedoch nicht, dass kleinere Projekte nicht möglich sind. Wir wollen ein interessierter und interessanter Ansprechpartner für unsere Kunden in allen Projektbelangen, auch über Beratung, sein.
Gekauft wurde die Kommunalkredit vom Konsortium Gesona. Patrick Bettscheider, der hinter der Gesona steht, wurde in Medien als einer der härtesten Investmentbanker Deutschlands bezeichnet. Besteht für Gemeinden die Gefahr, dass ihre Kredite gebündelt an Hedgefonds verkauft werden?
Unser Konzept ist langfristig ausgelegt und, wie eingangs erwähnt, haben die Käufer der Bank das Konzept für gut empfunden; hinter der Gesona stehen die englische Interritus Limited, deren Aktionäre Family Offices und Investoren mit langfristiger Wertorientierung sind, und die irische Trinity Investments Limited, die vom Londoner Vermögensverwalter Attestor Capital LLP verwaltet wird und deren Kapital von einer breit gestreuten, ebenso langfristig orientierten Investorengruppe zur Verfügung gestellt wird. Die Eröffnungsbilanz der KA verfügt rückwirkend mit 1. Jänner 2015 über eine starke Kapitalausstattung, mit einer Gesamtkapitalquote von 26,2 Prozent sowie einer harten Kernkapitalquote von 19,0 Prozent. Das Kreditportfolio der KA Neu weist eine hohe Kreditqualität auf, mit 98 Prozent der Ausleihungen im Investmentgrade-Bereich (davon AAA/AA 61 Prozent) und einer NPL-Ratio von 0,0 Prozent. Das Durchschnittsrating des Portfolios liegt bei A+.
Wird die Kommunalkredit in Zukunft nur in Österreich tätig sein oder auch über die Landesgrenzen expandieren?
Österreich ist natürlich ein Kernmarkt, wir fühlen uns aber durchaus auch in Märkten wie Deutschland, den Benelux oder auch Frankreich wohl. Grundsätzlich ist die Eurozone für uns interessant.
Sie haben gesagt, dass Sie Kredite an institutionelle Investoren weitergeben wollen. Werden Sie da konkret von Investoren beauftragt oder versucht man, Projekte am Markt zu platzieren?
Beides. Ob ein Projekt platziert werden kann, hängt auch davon ab, ob es zu den Erfordernissen der Anleger passt. Wir haben hier die lohnende Aufgabe, Projektmöglichkeiten und Investitionsbedarf zusammenzuführen. Es freut uns, dass einige Versicherungen von sich aus Interesse gezeigt haben. Die großen europäischen Versicherungen sind im Infrastrukturbereich bereits mit eigenen Initiativen aktiv. Wir bewegen uns also in einem sehr dynamischen Marktumfeld.
Wie geht es mit der „Bad Bank“, der KA Finanz (KF) weiter?
Die Bezeichnung „Bad Bank“ hat sich als allgemeine Bezeichnung eingebürgert. Jedoch ist die Qualität der Aktiva dieser Abbaubank in der Zwischenzeit zu rund 90 Prozent im Investmentgrade-Bereich. Zudem sind die von der KA übernommenen Aktiva von hoher Qualität mit einem Durchschnittsrating von AA-. Die Spaltung folgt hier auch nicht einem „Good Bank/Bad Bank“-Konzept, sondern der bereits erwähnten EU-Auflage, welche aus wettbewerbstechnischen Gründen umzusetzen war. Mit der Übernahme des KA Rest-Portfolios von 6,7 Mrd. hat sich die UGB-Bilanzsumme von 7,3 Mrd. Euro zum 31. Dezember 2014 auf rund 13,9 Mrd. Euro zum 1. Jänner 2015 erhöht; das Durchschnittsrating des KF-Portfolios hat sich von A- auf A+ verbessert; es wurden qualitativ hochwertige Aktiva an die KF übertragen. Zudem ist durch die Übertragung von positiven Eigenkapitalwerten und Refinanzierungen auch weiterhin eine stabile Kapital- und Liquiditätssituation gegeben, mit einer Gesamtkapitalquote von 20,1 Prozent und einer harten Kernkapitalquote von 15,4 Prozent.
Managementmäßig wird aus aufsichtsrechtlichen Gründen die bisherige Vorstandsidentität zwischen KA und KF nicht fortgeführt. Mit meinem Verbleib in der KA wird Dr. Helmut Urban in der KF bleiben.
Das Service Level Agreement, mittels dessen die KF operative Leistungen von der KA bezieht, bleibt auch unter der neuen Eigentümerschaft aufrecht.