Bundesministerin Elisabeth Köstinger (rechts) besuchte mit Salzburgs Landesrat Josef Schwaiger im Rahmen des Forschungsprojekts „Coron-A“ die Salzburger Kläranlage Siggerwiesen.
Bundesministerin Elisabeth Köstinger (rechts) besuchte mit Salzburgs Landesrat Josef Schwaiger im Rahmen des Forschungsprojekts „Coron-A“ die Salzburger Kläranlage Siggerwiesen. Die neue Methode, mit der sich ein regionales Auftreten der Viren frühzeitig erkennen lässt, erklärte Drita Krammel (links) vom Labor der Kläranlage Siggerwiesen.
© BMLRT/Christian Lendl

Abwasseranalysen erkennen Corona-Viren

30. September 2020
Die Corona-Pandemie stellt die ganze Welt vor riesige Herausforderungen und ist noch lange nicht vorbei. Um frühzeitig über das Abwasser Cluster erkennen zu können, wurde in Österreich das Grundlagenforschungsprojekt „Coron-A – Nachweis und Überwachung von SARS-CoV-2 Infektionen in Österreichs Bevölkerung mittels Abwasseranalysen“ ins Leben gerufen.

Die Abwasserepidemiologie wird in Österreich seit Jahren sehr erfolgreich zum Monitoring des Konsums von Drogen, Genussmitteln und Pharmazeutika eingesetzt. So konnte im Jahr 2019 durch Auswertung der Abwässer von zwölf Kläranlagen der Drogenkonsum von mehr als einer Million Menschen abgebildet werden. Besondere Stärken der Abwasseranalyse im Vergleich zu anderen epidemiologischen Verfahren sind:

  • hohe zeitliche und räumliche Auflösung
  • Erhebung von populationsspezifischen Daten, ohne in die Privatsphäre des Einzelnen eingreifen zu müssen 
  • keine Zustimmung und Kooperation der Probanden notwendig
  • einfache und sichere Probenahme im Rahmen der Eigenüberwachung der Kläranlagen 
  • simple Logistik
  • schnelle und kostengünstige Umsetzung

Das Netzwerk „Coron-A“ bündelt die in Österreich in den Bereichen Abwasserepidemiologie, -mikrobiologie und -molekularbiologie vorhandenen Expertisen und Ressourcen, um in einer gemeinsamen Anstrengung der beteiligten Institutionen (Universität Innsbruck, Medizinische Universität Innsbruck, Technische Universität Wien, AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH und Umweltbundesamt GmbH) ein Monitoring zur Erfassung von umfassenden Informationen zur räumlichen Verteilung und zum zeitlichen Verlauf der Covid-19-Pandemie durchzuführen.

Ermöglicht wird dieses Forschungsvorhaben durch finanzielle Mittel des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (vertreten durch die Kommunalkredit Public Consulting GmbH), des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, des Österreichischen Städtebundes und von sieben Bundesländern.

„Wir wissen mittlerweile, dass das Erbgut des Covid-19-Virus im Abwasser nachweisbar ist. Das Monitoring von Abwasser kann daher einen wichtigen Beitrag leisten, um den Corona-Pandemie-Verlauf in Österreich zu beobachten und wirksam einzudämmen“, betonte Bundesministerin Elisabeth Köstinger beim Besuch in der Kläranlage Siggerwiesen. In dieser Salzburger Anlage werden SARS-CoV-2-Infektionen mittels Abwasseranalysen nachgewiesen und überwacht.„Die ersten Erfahrungen aus diesem Projekt sind vielversprechend“, erläuterte Köstinger beim Lokalaugenschein einer Probenahme der neuen Testungen in der Salzburger Kläranlage.

Über Abwasserepidemiologie frühe Erkennung von Corona-Clustern

Das genetische Material des Virus im Abwasser kann meist schon nachgewiesen werden, bevor bei den Betroffenen erste Symptome auftreten. Die Abwassermessungen können auch zur Entwarnung in einer Region genutzt werden.

Ziel des Forschungsprojekts ist die Etablierung eines zuverlässigen Analyseverfahrens zum Nachweis von SARS-CoV-2-RNA in Abwässern sowie ein umfassendes Monitoring ausgewählter österreichischer Kläranlagen zur Erfassung der räumlichen Verteilung und des zeitlichen Verlaufs der Corona-Pandemie. Zudem sollen ein Prognosesystem und ein Frühwarnsystem durch Abwassermonitoring bei künftigen Krisen entwickelt werden.

Die Probenahmen laufen bereits seit März 2020 an 23 Kläranlagenstandorten in allen Bundesländern. Die Analyse der Proben baut dabei auf den Erfahrungen in der Abwasserepidemiologie auf, die in Österreich seit Jahren erfolgreich eben zum Monitoring des Konsums von Drogen, Genussmitteln und Pharmazeutika eingesetzt wird. Die Projektgesamtkosten belaufen sich auf rund 500.000 Euro.

Die Corona-Erkennung im Abwasser wird in Tirol genutzt

Der Tourismusstandort Tirol setzt derzeit verstärkt auf die Abwasseranalyse um möglichst früh einschreiten zu können, bevor Reisewarnungen notwendig werden. Die MedUni Innsbruck berichtet, dass sie an einer schnellen Umsetzung eines solchen Corona-Frühwarnsystems arbeitet.