Wanderausstellung „Gebaute Träume"
Die kompakte Wanderausstellung „Gebaute Träume. Zukunft Einfamilienhaus“ ist österreichweit buchbar und präsentiert insgesamt 13 Fallbeispiele sowie vier Initiativen, die den Umbau von Einfamilienhäusern als neue Bauaufgabe verstehen.

Vom Traum zum Problem

Wie Gemeinden mit 1,5 Millionen Einfamilienhäusern umgehen können

28. Januar 2026
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In 47,8 Prozent aller österreichischen Einfamilienhäuser leben maximal zwei Personen. Laut einer aktuellen Studie der BOKU hat sich der Anteil hoch zersiedelter Fläche in Österreich zwischen 1975 und 2020 verfünffacht – hauptsächlich durch freistehende Einfamilienhäuser, großflächige Gewerbegebiete und Einkaufszentren. Die Folgen sind für Gemeinden gravierend: Enorme Kosten für die Instandhaltung der Infrastruktur, verödende Ortskerne, rasant fortschreitende Versiegelung und zunehmende soziale Isolation in einer alternden Gesellschaft.

Die historischen Wurzeln dieser Entwicklung reichen bis in die Nachkriegszeit zurück. Mit dem Marshallplan kam das amerikanische Einfamilienhaus-Ideal nach Österreich. Anders als in den USA entstanden zunächst keine großen, von Bauträgern entwickelten Siedlungen. Stattdessen wurde Österreich zur „Nation der Häuslbauer“ – geprägt von Eigenleistung und höchst individuellen Wohnträumen. Die fehlende Finanzkraft wurde durch viel Eigenarbeit ausgeglichen, die gegenseitige nachbarschaftliche Unterstützung bei den Baustellen führte zu einer hohen Identifikation mit dem eigenen Haus.

Bis heute hält dieser Traum an: Ein großes Haus mit Garten, naturnah und in friedlicher Umgebung – ein Bild, das in Zeit und Raum stehen geblieben zu sein scheint. Der Großteil der Bevölkerung wünscht sich die Verwirklichung der eigenen Version dieses Traums am Stadtrand.

Doch die Kehrseite wird immer deutlicher: Die durchschnittliche Laufzeit von Krediten für Wohneigentum beträgt 15 bis 20 Jahre, die durchschnittliche Haltbarkeit einer Ehe nur 10,4 Jahre. Ein Großteil des Häuserbestands ist mit durchschnittlich 50 bis 70 Jahren im „Sanierungsalter“ angelangt. Das Bild halbverwaister, in die Jahre gekommener Häuser prägt viele Regionen – und zahlreiche Gemeinden sind von den Kosten für Infrastruktur überfordert.

Lösungen statt Resignation: Vier Erfolgsgeschichten

Die gute Nachricht: Das Potenzial der 1,5 Millionen bestehenden Einfamilienhäuser ist noch lange nicht ausgeschöpft. Das zeigen konkrete Beispiele aus der Ausstellung "Gebaute Träume. Zukunft Einfamilienhaus" des Architekturzentrums Wien:

  • KinderAbenteuerLabor KALO, Traiskirchen: Eine jahrelang leerstehende Villa auf einem ehemaligen Industriestandort wurde auf Basis eines pädagogischen Konzepts in einen Spiel- und Lernort für Kinder verwandelt. Das Projekt zeigt, wie Gemeinden leerstehende Gebäude für dringend benötigte soziale Infrastruktur nutzen können.
     
  • Haus Kappellerfeld, Gerasdorf: Ein Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren wurde zum Wohngruppenhaus für junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen umgebaut. Durch gezielte Zubauten entstanden drei Wohneinheiten mit insgesamt sieben Zimmern – barrierefrei und multifunktional nutzbar.
  •  
  • Ellenbogen "Haus mitanand", Bezau: Der denkmalgeschützte Bregenzerwälder Hof vereint heute einen Kindergarten für rund 60 Kinder, ambulante Pflegedienste und neun barrierefreie Wohneinheiten mit optionalem Betreuungsangebot. Ein Modell für intergenerationale Dorfzentren, das verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammenbringt.
     
  • SauRiassl Syndikat, Altötting: Diese Initiative aus Bayern zeigt einen alternativen Weg für überforderte Eigentümer. Häuser werden dem Immobilienmarkt entzogen, vergesellschaftet und als leistbarer Wohnraum gesichert. Die ehemaligen Eigentümer behalten lebenslanges Wohnrecht, traditionelle Mietverhältnisse werden durch gemeinschaftliche Organisationsformen ersetzt.

Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß: Mehrparteienhaus, Wohngruppenhaus, pädagogisches Lernzentrum, Seniorenwohnen, Sozialzentrum, Mehrgenerationenhaus, Gemeineigentum – oder weiterhin das Haus für eine Familie.

Wanderausstellung für Gemeinden

Die kompakte Wanderausstellung „Gebaute Träume. Zukunft Einfamilienhaus“ ist österreichweit buchbar und präsentiert insgesamt 13 Fallbeispiele sowie vier Initiativen, die den Umbau von Einfamilienhäusern als neue Bauaufgabe verstehen.

Technische Details:

  • 31 bedruckte Plakate auf robustem, textilem Papier
  • Platzbedarf: ca. 35 Laufmeter Wandfläche
  • Flexible Montage: direkt an Wänden oder von der Decke abgehängt
  • Übernahmegebühr: € 1.000,- (zzgl. 10% MwSt.)
  • Versand per Post möglich
Wanderausstellung „Gebaute Träume"

Besonderes Vermittlungsangebot: Die Ausstellung eignet sich ideal für Vermittlungsprogramme, um Gemeinde, Experten und Bevölkerung in Dialog zu bringen. Eine integrierte Pinnwand bietet die Möglichkeit, Hausbesitzer mit Architekten zu vernetzen und den Umbau von Einfamilienhäusern als attraktive Bauaufgabe zu etablieren.

Die Kuratorinnen Lene Benz, Katharina Ritter und Agnes Wyskitensky stehen für Vorträge, Diskussionen und andere Formate zur Verfügung.

Begleitpublikation:
„Suburbia. Leben im amerikanischen Traum. Österreich | Austria“
112 Seiten, 114 Abbildungen, € 18,-

Kontakt und Information:

Katharina Ritter
Architekturzentrum Wien
Tel: 01/522 31 15-32
E-Mail: ritter@azw.at
www.azw.at

Die Ausstellung war von 6. März bis 10. August 2025 im Architekturzentrum Wien zu sehen und wurde als Wanderausstellung speziell für den Einsatz in Gemeinden adaptiert.

Schlagwörter