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Infrastruktur
Was Gemeinden tun können, um den Glasfaserausbau voranzutreiben
Viele Gemeinden warten darauf, dass private Anbieter den Breitbandausbau vorantreiben – doch oft passiert wenig oder gar nichts. Dabei haben Kommunen mehr Gestaltungsmöglichkeiten als sie denken: von der Mitverlegung bei Grabungen über regionale Kooperationen bis hin zum Aufbau eigener Netze.
- Glasfaserbeauftragten ernennen und Leerrohre bei jeder Grabung mitverlegen: Erste Priorität: Zentrale Koordinationsstelle für Anbieterkontakte, Bürgerinformation und Dokumentation schaffen. Das Erfolgsgeheimnis: Mitverlegung bei jeder Grabung.
- Regional kooperieren und Landesservicestellen nutzen: Planungsverbände bündeln Kräfte für bessere Verhandlungspositionen und günstigere Konditionen. Nutzen Sie Landesservicestellen: Tirol (Breitbandserviceagentur, 1,8 Mio. Euro/Jahr (in den Jahren 2019–2022)), Kärnten (Breitbandinitiative, 2,4 Mio. Euro, für drei Oberkärntner Gemeinden), Niederösterreich (nöGIG) bieten umfassende technische, rechtliche und wirtschaftliche Beratung.
- Förderungen sichern und ZIS-Einmeldungen prüfen: Bund (2027-2029): 120 Millionen Euro. FFG GigaApp: bis zu zwei Millionen Euro pro Projekt, maximal 80 Prozent Förderquote. Warnung: Anbieter können Gebiete im ZIS blockieren, ohne zu bauen. Monatlich prüfen: Welche Projekte sind eingemeldet?
- Eigene Netze errichten – das Tiroler Modell: 194 Tiroler Gemeinden bauen eigene Glasfasernetze. Erfolg: 60 Prozent Abdeckung, 45 Prozent Nutzungsgrad – doppelt so hoch wie bei privaten Netzen! Vorteile: Langfristige Kontrolle, offene Netze mit Anbietervielfalt, regionale Wertschöpfung.
- Nutzung maximieren und mutig entscheiden: „In drei bis fünf Jahren haben Sie ohne Glasfaser gravierende Nachteile – wie eine Gemeinde ohne Stromnetz“, warnt Johannes Gungl (Alpen Glasfaser). First come, first serve: Absichtserklärungen sind kein Ausbau. Entscheiden Sie nach konkreten Bauzusagen mit Zeitplan, offenen Netzen und soliden Referenzen.
Checkliste - Erste Schritte für die Gemeinde
- Glasfaserbeauftragten ernennen
- Aktuelle Versorgungslage im Breitbandatlas prüfen
- ZIS-Einmeldungen für das Gemeindegebiet checken
- Landesservicestelle kontaktieren (falls vorhanden)
- Beschluss für Mitverlegung bei allen Grabungen fassen
- Regionale Kooperation mit Nachbargemeinden prüfen
- Förderanträge vorbereiten (BBA 2030, Landesförderungen)
- Anbieter-Gespräche führen und Angebote vergleichen
- Bürgerinformation planen (Gemeindeversammlung, Website)
- Zeitplan für Umsetzung erstellen