Der im Dezember 2025 von der ÖROK präsentierte Bericht zu den Ergebnissen 2022–2025 zeigt, dass Österreich sowohl beim Anteil der Versiegelung (3,11 Prozent) an der Landesfläche als auch bei Versiegelung pro Kopf im europäischen Mittelfeld liegt.
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Nur noch 6,5 Hektar pro Tag: Bodenverbrauch in Österreich halbiert
Der Bodenverbrauch in Österreich hat sich zu einem zentralen Thema in der Umwelt- und Raumordnungspolitik entwickelt. Sobald der Klimawandel angesprochen wird, geht es sehr rasch überdies um den Bodenverbrauch. Immer häufiger wird ein sparsamer Umgang mit dem Boden zudem von der Bevölkerung eingefordert, wenn auch häufig dort, wo Bauprojekte auf Widerstand stoßen.
Ohne Zweifel ist Boden behutsam und sparsam zu nutzen und bei jedem Bauprojekt der damit verbundene Bodenverbrauch zu hinterfragen. Wie steht es nun aber um die Flächeninanspruchnahme in Österreich?
Neue Datengrundlage für mehr Klarheit beim Bodenverbrauch
In der Vergangenheit waren eindeutige Aussagen dazu oft schwierig. Unterschiedliche Daten sowie Schätzungen ließen keine klaren Antworten zu. Vor diesem Hintergrund war es eines der zentralen Ziele im Rahmen der Arbeiten zur „Bodenstrategie für Österreich“ in den Jahren 2021 und 2022, ein neues Modell zur Erfassung der Flächeninanspruchnahme und Versiegelung zu entwickeln.
Dieses neue Modell bezieht sämtliche relevanten und regelmäßig aktualisierten öffentlichen Verwaltungsdaten von Bund und Ländern mit ein und ermöglicht dadurch eine bisher nicht erreichte Genauigkeit. Auf Basis dieses Modells berechnet und monitort das Umweltbundesamt im Auftrag der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) die Flächeninanspruchnahme in Österreich.
Erstmals belastbare Ergebnisse für den Zeitraum 2022–2025
Nach dem vorgesehenen dreijährigen Zyklus liegen nun die Daten für das Referenzjahr 2025 vor. Damit können erstmals Aussagen zu Veränderungen in der ersten Dreijahresperiode (2022–2025) getroffen werden.
Flächenzuwachs trotz Bevölkerungswachstum deutlich gebremst
Für das Jahr 2025 beträgt die gesamte Flächeninanspruchnahme in Österreich 5.681 km2 – das sind 6,8 Prozent der gesamten Landesfläche bzw. 17,4 Prozent des Dauersiedlungsraums. Gegenüber 2022 mit einer Flächeninanspruchnahme von 5.610 km2 bedeutet das einen Zuwachs um 71 km2.
Am meisten neue Fläche wurde mit rund 5.320 ha für Siedlungsflächen in Anspruch genommen. An zweiter Stelle folgen neue Verkehrsflächen mit 877 ha. Im Hinblick auf diese deutliche Zunahme der Siedlungsfläche ist das zwischen 2022 und 2025 erfolgte Bevölkerungswachstum von 218.284 Personen (2,4 Prozent) anzuführen. Im Vergleich zu dem in diesem Zeitraum erfolgten Zuwachs der Flächeninanspruchnahme von 1,3 Prozent zeigt sich, dass die Flächeninanspruchnahme pro Kopf zurückgegangen ist: Sie beträgt 618 m2 pro Person. 2022 waren es noch 625 m2.
Rückgang der Flächeninanspruchnahme pro Kopf und bei Baulandreserve
Weiters konnten die Baulandreserven in den letzten Jahren reduziert werden. Insgesamt stehen 2025 gewidmete Baulandflächen im Ausmaß von 3.213 km2 zur Verfügung. Das sind rund 19,6 Prozent des gewidmeten Baulands. Im Vergleich dazu lag der Anteil 2022 noch bei 20,5 Prozent.
In der politischen Diskussion war der Blick in der Vergangenheit vor allem auf den Flächenzuwachs pro Tag gerichtet. Zuletzt wurde immer wieder eine Flächeninanspruchnahme von rund 11 ha pro Tag bzw. 16 Fußballfeldern kolportiert. Für den Zeitraum 2022 bis 2025 zeigt sich nun erfreulicherweise eine deutliche Verlangsamung bei der Flächeninanspruchnahme. Rund 6,5 ha wurden in diesem Zeitraum in Anspruch genommen. Zum Vergleich: In den Jahren 2013 bis 2016 lag dieser Wert noch bei 14,7 ha, 2016 bis 2019 bei 12,0 ha und 2019 bis 2022 bei 10,9 ha. Damit zeigt sich, dass sich der Trend nicht nur fortsetzt, sondern sich gegenüber dem vorangegangenen Zyklus deutlich verstärkt hat.
Flächeninanspruchnahme und Versiegelung: Begriffe und Unterschiede
Im Sinne der „Bodenstrategie für Österreich“ gelten als in Anspruch genommen jene Flächen, die durch menschliche Eingriffe für Siedlungs-, Verkehrs-, Freizeit-, Erholungs- und Ver- sowie Entsorgungszwecke verändert wurden und/oder bebaut sind und damit für die land- und/oder forstwirtschaftliche Produktion und als natürlicher Lebensraum nicht mehr zur Verfügung stehen. Dazu zählen neben Gebäude und Straßen etwa Gärten, Parkanlage und Sportplätze.
Beim Thema Bodenverbrauch ist nicht nur die Flächeninanspruchnahme eine relevante Größe, sondern ebenso die Versiegelung. Sie umfasst nur bebaute Flächen, also jene Flächen, die durchgehend mit einer gänzlich wasser- und luftundurchlässigen Schicht abgedeckt sind.
Im Bereich der Versiegelung liegen aktuell jedoch noch keine Zahlen für 2025 vor. Aufgrund des dreijährigen Befliegungszyklus und der nachfolgenden Auswertung kann die Berechnung der Versiegelung erst mit einem zeitlichen Abstand von circa zwei Jahren im Vergleich zur Berechnung der Flächeninanspruchnahme durchgeführt werden. 2022 waren durchschnittlich 52,8 Prozent der in Anspruch genommenen Fläche versiegelt.
Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass sich der Anteil der versiegelten Flächen an der insgesamt in Anspruch genommenen Fläche auch in den Folgejahren auf diesem Niveau bewegen wird. Bei einer derzeitigen Flächeninanspruchnahme von rund 6,5 ha pro Tag würde die Versiegelung demnach rund 3,4 ha pro Tag betragen.
Positive Entwicklung – aber weiterhin Handlungsbedarf
Die Ergebnisse des ÖROK-Monitorings zeigen, dass die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern und Gemeinden Wirkung haben und sich die Flächeninanspruchnahme deutlich verlangsamt hat. Dieses Ergebnis kann zu Recht als Erfolg der gesetzten Maßnahmen und eines gewandelten Bewusstseins im Umgang mit dem Boden gewertet werden.
Entgegen Medienberichten ist Österreich auch nicht die europäische „Betoniernation“. Der im Dezember 2025 von der ÖROK präsentierte Bericht zu den Ergebnissen 2022–2025 zeigt, dass Österreich sowohl beim Anteil der Versiegelung (3,11 Prozent) an der Landesfläche als auch bei Versiegelung pro Kopf im europäischen Mittelfeld liegt. Die europäischen Spitzenreiter beim Bodenverbrauch heißen Malta, Niederlande und Belgien mit einem Versiegelungsanteil von mehr als 8 Prozent. Bei allem Grund zur Freude braucht es beim Bodenverbrauch aber weiterhin Anstrengungen und wird man sich auf den erfreulichen Zahlen nicht ausruhen können.
Der sparsame Umgang mit der Ressource Boden wird auch in den nächsten Jahren eine zentrale Aufgabe bleiben. Der nächste Monitoringzyklus läuft bis 2028. Dann werden die nächsten Zahlen zur Flächeninanspruchnahme vorliegen und es wird sich zeigen, ob sich der Trend der letzten Jahre fortsetzen lässt.