Der Hauptplatz in St. Veit an der Glan
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Neue Impulse für die Baukultur in Gemeinden
Wie können sich Gemeinden weiterentwickeln, ohne dabei ihren Charakter zu verlieren? Diese Frage steht im Mittelpunkt der baukulturellen Leitlinien Kärntens. Sie wurden nun überarbeitet und um neue Themen ergänzt
In der Kärntner Landesregierung wurde der Bericht zur Evaluierung und Weiterentwicklung der baukulturellen Leitlinien vorgelegt. Der Titel lautet „Kärnten gestaltet Zukunftsräume“. Die bestehenden 15 Leitlinien wurden auf Basis einer umfassenden Evaluierung aktualisiert. Zusätzlich kamen fünf neue Zukunftsthemen dazu. Für die Umsetzung wurden zwölf konkrete Maßnahmen erarbeitet.
Baukultur als Teil der Lebensqualität
Landeshauptmann Fellner betont, dass Baukultur das gesamte Bild der Gemeinden prägt und damit die Lebensqualität unmittelbar beeinflusst. Es gehe um das Zusammenspiel von Gebäuden, Freiräumen, Landschaft, öffentlichen Plätzen und Infrastruktur. Gute Baukultur schaffe Identität, erhalte gewachsene Strukturen und biete gleichzeitig Raum für Neues. Mit der Weiterentwicklung der Leitlinien solle dieser ganzheitliche Blick gestärkt und Kärnten für die kommenden Jahre gut aufgestellt werden.
Gemeindereferentin Lagger-Pöllinger erklärt, dass gute Gemeindeentwicklung mit guter Planung beginnt. Gemeinden müssten sich weiterentwickeln und dabei ihre Lebensqualität behalten. Wichtig seien starke Ortskerne, eine bessere Nutzung von Gebäuden und Flächen, ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden sowie Klima- und Naturschutz.
Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber, zuständig für Raumordnung sowie Orts- und Regionalentwicklung, ergänzt, dass es gerade im ländlichen Raum entscheidend sei, Gemeinden so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume bleiben. Gute Baukultur trage dazu bei, gewachsene Strukturen und den Charakter der Orte zu erhalten und gleichzeitig zeitgemäße Entwicklungen zu ermöglichen. Lebendige Gemeinden würden die gesamte Region stärken, Lebensqualität für die Menschen schaffen und zugleich einen wichtigen Standortfaktor für Wirtschaft und Tourismus bilden.
Von 15 Leitlinien zu neuen Zukunftsthemen
Kärnten beschäftigt sich seit 2018 mit Baukultur. Es ist das erste Bundesland, das die baukulturellen Leitlinien des Bundes auf Landesebene konkretisiert hat. Im Jahr 2020 wurden nach einer breiten Beteiligung 15 Leitlinien beschlossen. Sie umfassen unter anderem die Stärkung von Orts- und Stadtkernen, den sparsamen Umgang mit Grund und Boden, gute Planung, Klima- und Umweltschutz sowie den Erhalt historischer Bausubstanz.
Fünf Jahre nach dem politischen Beschluss wurden die Leitlinien 2025 und 2026 umfassend evaluiert. In den Prozess flossen eine Online-Befragung, Workshops, Gespräche mit Expertinnen und Experten sowie Stakeholdern und die Expertise der Fachabteilungen des Landes ein. Die Evaluierung zeigt eine grundsätzlich positive Entwicklung. Gleichzeitig besteht weiterer Handlungsbedarf, insbesondere bei Boden und Bestand, Klima und Energie, Mobilität, Ortskernentwicklung sowie bei der praktischen Unterstützung der Gemeinden.
Zwölf Maßnahmen für die Praxis
Auf Basis dieser Erfahrungen wurden die bestehenden Leitlinien aktualisiert und um fünf neue Zukunftsthemen erweitert. Dazu zählen Innenentwicklung und Bestand, der sparsame Umgang mit Boden und Ressourcen, hochwertige öffentliche Räume, Mehrfachnutzung, Klimawandelanpassung, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität sowie eine integrierte und gemeindeübergreifende Planung. Ziel ist es, Qualität bereits bei der Aufgabenstellung, der Projektentwicklung und bei politischen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Um die Leitlinien in die Praxis umzusetzen, wurde ein Baukultur-Impulsprogramm mit zwölf Maßnahmen entwickelt. Dazu gehören eine bessere Koordination von Förderungen, eine stärkere Zusammenarbeit der Fachbereiche des Landes, unabhängige Planungsberatung für Gemeinden, integrierte Entwicklungskonzepte, die Stärkung öffentlicher Räume und des Bestands sowie die Verknüpfung von Baukultur mit Klima-, Energie- und Ressourcenzielen.
Lagger-Pöllinger weist darauf hin, dass gerade in Zeiten knapper finanzieller und räumlicher Ressourcen vorhandene Potenziale bestmöglich genutzt werden müssten. Die Wiederbelebung bestehender Gebäude, die Stärkung von Ortskernen und die Weiterentwicklung bereits genutzter Flächen würden zur Steigerung der Lebensqualität beitragen und gleichzeitig den wertvollen Boden schonen.