Tennisspieler beim Doppel
Sieben Vereine pro Gemeinde sind kein Problem. Sieben Förderentscheidungen ohne Kriterium sind es.
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Kommunale Sportförderung braucht klare Maßstäbe

Jede österreichische Gemeinde fördert im Schnitt sieben Sportvereine – meist ohne zu wissen, ob das Angebot überhaupt taugt. Während die Zuschüsse für Sportinfrastruktur schneller wachsen als die Inflation, liegt ein kostenloses, bundesweit einheitliches Qualitätskriterium ungenutzt am Amtstisch. Eine Analyse, warum Handschlagqualität langsam ausgedient hat.

Jede österreichische Gemeinde hat im Schnitt sieben Sportvereine. Das ist eine schöne Zahl für Sonntagsreden über das Ehrenamt. Für die Kämmerin oder den Kämmerer ist sie zunächst eine Verbindlichkeit: sieben potenzielle Förderansuchen, sieben Turnsäle oder Sportplätze, die instandgehalten werden müssen, sieben Vereinsvorstände, die im Gemeinderat für ihr Anliegen werben. Was in dieser Zahl fehlt, ist ein Kriterium. Woran erkennt eine Gemeinde, ob der siebente Verein ein Qualitätsangebot liefert oder bloß die Halle warmhält?

Förderpraxis ohne einheitliche Maßstäbe

Meistens erkennt sie es gar nicht. Das ist keine böse Unterstellung, sondern seit über einem Jahrzehnt dokumentierter Befund. 

Schon 2014 stellte das KDZ – das Zentrum für Verwaltungsforschung – in seiner Studie zur kommunalen Sportförderung fest, dass Gemeinden ihre Zuschüsse höchst uneinheitlich verbuchen und vergeben. Der Turnsaal läuft über den Schulposten, der Sportplatzzuschuss über einen anderen, und ob ein Verein sein Geld nach zehn Jahren Tradition oder nach zehn Jahren Qualität bekommt, war und ist selten dokumentiert. Max Weber hätte dafür einen Namen gehabt: traditionale Herrschaft. Man fördert, was man immer gefördert hat, aus Gewohnheit und persönlicher Beziehung, nicht, weil ein kodifiziertes, für alle gleich geltendes Kriterium, das verlangt.

Steigende Kosten erhöhen den Handlungsdruck

Das wäre ein akademisches Detail, gäbe es nicht den zweiten Befund, der die Sache dringlich macht: Das Geld wird knapper, während die Ansprüche wachsen. Ein aktuelles Kurzpapier des KDZ für den Städtebund rechnet vor, dass der gemeindliche Zuschussbedarf für Sportinfrastruktur seit 2020 deutlich stärker gestiegen ist als der Verbraucherpreisindex, bei gleichzeitig alternder, sanierungsbedürftiger Substanz in Turnhallen, Bädern und Sportplätzen. Die Gemeinden zahlen also mehr für weniger Substanz, ohne dass sich am Verteilungsprinzip etwas geändert hätte.

Ein Qualitätssiegel als fertiges Werkzeug

Hier kommt das Fit-Sport-Austria-Qualitätssiegel ins Spiel – und es verdient mehr Aufmerksamkeit, als es bisher bekommt. ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION zertifizieren damit gemeinsam Bewegungsangebote in ihren rund 14.000 Mitgliedsvereinen: geschulte Übungsleiter:innen, ein geprüftes Kursangebot, eine fixe Ansprechperson im Verein. 

Für den Verein kostet das nichts außer der Bereitschaft, sich prüfen zu lassen. Für die Gemeinde ist es, nüchtern betrachtet, ein Outsourcing jener Prüfkompetenz, die sie selbst nie aufgebaut hat und in kleinen Ämtern auch nie aufbauen wird. Eine 2.000-Einwohner-Gemeinde braucht kein eigenes Sportamt, das die Qualifikation jedes Turnvereins bewertet: Das haben die drei Dachverbände längst erledigt, kostenlos und bundesweit einheitlich.

Warum Gemeinden das Siegel kaum nutzen

Genutzt wird das kaum. Das Siegel existiert seit Jahren als freiwilliges Marketinginstrument für Vereine, nicht als Förderkriterium für Gemeinden. Wer sich Förderrichtlinien österreichischer Kommunen ansieht, findet Sockelbeträge, Mitgliederzahlen, mitunter das Baujahr des Vereinshauses, aber kaum eine Gemeinde, die das Siegel zur Voraussetzung für eine Basisförderung macht. Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Das Werkzeug für eine rational-legale, kriteriengestützte Förderpraxis liegt seit Jahren griffbereit auf dem Amtstisch. Es wird nur nicht benutzt.

Deutschland zeigt einen anderen Weg

Ein Blick nach Deutschland zeigt, wie viel Systemlogik in einem solchen Siegel stecken kann, wenn man sie konsequent nutzt. Der Deutsche Olympische Sportbund vergibt sein Pendant „Sport pro Gesundheit“ bereits seit dem Jahr 2000. Die gesetzlichen Krankenkassen erkennen es dort direkt an und bezuschussen zertifizierte Kurse unmittelbar. 

In Österreich ist diese Kopplung an die Sozialversicherung bislang die Ausnahme: Nur die SVS verknüpft das Fit-Sport-Austria-Siegel über den „Gesundheitshunderter“ mit einer direkten Förderung für Selbstständige. Für die breite Masse der ASVG-Versicherten und damit für die meisten Gemeindebürger:innen bleibt das Siegel eine Qualitätsauskunft ohne finanziellen Hebel. Die Infrastruktur für mehr wäre da. Sie wird nur an zwei von drei möglichen Stellen genutzt: beim Verein und bei der SVS. An der dritten, der Gemeinde, bleibt sie liegen.

Knappe Budgets machen Kriterien wichtiger

Dass Geld für Bewegungsförderung zunehmend Verhandlungssache wird, zeigt sich derzeit sogar bei jenen, die das Siegel selbst verwalten. Die Budgetkürzungen des Bundes für 2026 haben Fit Sport Austria bereits gezwungen, den Kongress „Kinder gesund bewegen“ für dieses Jahr auszusetzen. Wenn selbst die Trägerorganisation des Siegels ihre eigene Fortbildungsarbeit einschränken muss, wird die Behauptung, für bessere Kriterien brauche man zuerst mehr Geld, endgültig unglaubwürdig. Es ist umgekehrt: Je knapper die Mittel, desto teurer wird jede Förderentscheidung ohne Kriterium.

Prävention statt bloßer Vereinsförderung

Der volkswirtschaftliche Hintergrund verstärkt diesen Punkt. Sport-Austria-Präsident Hans Niessl bezifferte die Folgekosten von Bewegungsmangel zuletzt mit 2,4 Milliarden Euro pro Jahr – eine Zahl, die sich nicht exakt auf einzelne Gemeindebudgets herunterrechnen lässt, deren Richtung aber eindeutig ist. Jeder Euro, der in ein qualifiziertes statt ein beliebiges Bewegungsangebot fließt, ist mit höherer Wahrscheinlichkeit Präventionsarbeit und nicht bloß Vereinspflege.

Eine einfache Änderung mit großer Wirkung

Was folgt daraus für die Gemeinde? Nicht die Forderung nach mehr Förderbudget, die kommt ohnehin, und sie bleibt ohnehin knapp. Sondern eine einzige, unaufwendige Änderung der eigenen Förderrichtlinie: das Fit-Sport-Austria-Qualitätssiegel als Voraussetzung oder zumindest als gewichtetes Kriterium für die Vereinsförderung aufzunehmen. Das kostet die Gemeinde nichts, verlangt vom Verein nur, was die drei Dachverbände ihm ohnehin kostenlos anbieten, und beendet eine Förderpraxis, die auf Dauer niemand mehr verantworten kann, wenn das Budget knapper und die Fragen der Gemeindeaufsicht härter werden. Sieben Vereine pro Gemeinde sind kein Problem. Sieben Förderentscheidungen ohne Kriterium sind es.

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