Kläranlage
In Österreich werden derzeit unterschiedliche Modelle entwickelt, um den künftigen Anforderungen entsprechen zu können. Die Ansätze reichen dabei von der Errichtung eigener Monoverbrennungsanlagen bis hin zu interkommunalen Kooperationen, bei denen die Klärschlämme mehrerer Anlagen gesammelt und gemeinsam verwertet werden.
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Verpflichtendes Phosphor-Recycling aus Klärschlamm bleibt herausfordernd

28. Oktober 2026
Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) in Wels abhielt. Einigkeit herrschte darüber, dass die Wiederverwertung des wertvollen Rohstoffs Phosphor ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ist. Die praktische Umsetzung bleibt aber mit erheblichen technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen verbunden.

Rund 200.000 Tonnen Klärschlamm-Trockensubstanz fallen pro Jahr in ganz Österreich aus kommunalen Kläranlagen an. Davon werden etwa 44 Prozent thermisch, weitere 25 Prozent in der Landwirtschaft verwertet. Der Rest gelangt in die Kompostierung, wird im Landschaftsbau eingesetzt oder dient als Bauzusatzstoff. 

Eine landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm wird jedoch zunehmend kritisch betrachtet. Zwar enthält er einerseits wertvolle Pflanzennährstoffe – insbesondere Phosphor –, aber eben auch Schadstoffe: Schwermetalle, Medikamentenrückstände, hormonell wirksame Substanzen, Poly- und Perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) oder Mikroplastik. 

Traktor verteilt Klärschlamm auf Feld
Eine landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm wird zunehmend kritisch betrachtet. Foto: ÖWAV

Mit der Abfallverbrennungsverordnung 2024 (AVV 2024) wurde ein rechtlicher Rahmen geschaffen, um die zukünftige Klärschlammbehandlung zu regeln. Spätestens ab 1. Jänner 2033 muss Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen ab 20.000 Einwohnern einer Verbrennung zugeführt werden. In der Folge sind mindestens 80 Prozent des enthaltenen Phosphors aus der Asche zurückzugewinnen. Diese „Monoverbrennung“ wird derzeit als wahrscheinlichster Weg zur Erfüllung der Vorgaben gehandelt. Alternativ könnte die gesamte Asche auch zur Herstellung eines Düngemittels verwendet werden. 

Zwischenlagerung eher keine Option

Im Rahmen der Klärschlammtagung wurde auch ein neues ÖWAV-Expertenpapier mit dem Titel „Phosphor aus Klärschlamm zurück in den Kreislauf – Anforderungen an Betreiber von Klär- und Verbrennungsanlagen“ vorgestellt. Die Publikation gibt einen Überblick über die kommenden gesetzlichen Anforderungen, technische Umsetzungsoptionen sowie die organisatorischen Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Kläranlage bis zur Phosphor-Rückgewinnung. 

Diese Rückgewinnung ist auch strategisch bedeutsam: Österreich verfügt kaum über eigene Phosphatvorkommen und ist wie fast alle EU-Staaten auf Importe u.a. aus Russland und Marokko angewiesen.

Ein Blick in andere europäische Länder zeigt, dass die Einführung eines verpflichtenden Phosphor-Recyclings auch über die österreichischen Landesgrenzen hinaus eine große Herausforderung ist. In Deutschland muss die Rückgewinnung von Phosphor bereits 2029 umgesetzt sein. Bis zu diesem Zeitpunkt werden zwar ausreichend Verbrennungskapazitäten erwartet, jedoch werden die verfügbaren Recyclingkapazitäten nur etwa 20 Prozent des Bedarfs abdecken können. Aktuell wird daher in Deutschland die Zwischenlagerung von Klärschlamm-Aschen diskutiert: Ein Ansatz, den die in Wels versammelten Expertinnen und Experten mehrheitlich kritisch beurteilten.

Die Schweiz hat bereits mit 1. Jänner 2026 die gesetzliche Rückgewinnungspflicht für Phosphor aus Abwasser, Klärschlamm oder Klärschlamm-Asche eingeführt. Obwohl die Verbrennung von Klärschlamm dort bereits seit Jahren etabliert ist, verzögert sich die praktische Umsetzung des Recyclings aufgrund ihrer hohen technischen und organisatorischen Komplexität.

Notwendige Kooperationen „entlang der Wertschöpfungskette“

In Österreich werden derzeit unterschiedliche Modelle entwickelt, um den künftigen Anforderungen entsprechen zu können. Die Ansätze reichen dabei von der Errichtung eigener Monoverbrennungsanlagen bis hin zu interkommunalen Kooperationen, bei denen die Klärschlämme mehrerer Anlagen gesammelt und gemeinsam verwertet werden. Parallel dazu laufen Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Phosphor-Rückgewinnung. So treibt Wien Energie am Standort Simmeringer Haide die Entwicklung von Verfahren voran, um den von der Europäischen Union als kritisch eingestuften Rohstoff Phosphor aus Klärschlamm-Aschen zurückzugewinnen.

„Die gesetzlichen Anforderungen sind ambitioniert und können nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgreich umgesetzt werden“, sagt ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch. Kläranlagenbetreiber, Verbrennungsanlagen, Gemeinden, Länder, Behörden, Forschungseinrichtungen und die Wirtschaft müssen gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten: „Nur durch Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird es gelingen, Phosphor künftig effizient und nachhaltig in den Kreislauf zurückzuführen.“ 

Die zahlreichen spannenden Programmpunkte und Diskussionen in Wels machten deutlich, dass die gesetzlichen Vorgaben wichtige und richtige Ziele vorschreiben. Der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur für Verbrennung, Rückgewinnung und Verwertung von Phosphor erfordert allerdings noch erhebliche Anstrengungen. „Der ÖWAV wird diesen Prozess weiterhin fachlich begleiten und den Austausch zwischen allen beteiligten Akteuren fördern“, so Daniel Resch.

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