Unterlaufregulierung des Lichtmessbaches. Vorerst hatten die Schutzmaßnahmen lediglich lokalen
Charakter und wurden vor allem aus Holz ausgeführt.

Sieg im Kampf gegen die Flut

26. April 2016
Das Ortszentrum von Admont befindet sich auf dem Schwemmkegel des Lichtmessbaches. Zwischen den Gebäuden befindet sich das alte, schmale Gerinne, welches nicht in der Lage ist, den Bemessungsabfluss abzuführen. Ein Projektbericht.


Die Ausgangslage



Der Lichtmessbach entspringt an den Westabhängen des Admonter Kaiblings an der Grenze zwischen der Grauwackenzone und den Nördlichen Kalkalpen. Das oberste Einzugsgebiet ist geprägt durch Stauniederschläge mit sehr hohen Niederschlagsspenden in den Kammlagen.

Ursprünglich war der Lichtmessbach ins Paltental abgeflossen. Durch eiszeitliche Ablagerungen verlegte sich der Bachlauf von der Kaiserau abwärts jedoch nach Norden und führte über eine geschiebeträchtige Grabenstrecke nach Admont.

Auf einer Länge von mehr als zwei Kilometern durchschneidet der Lichtmessbach die tektonisch stark beanspruchten Toneck-Phyllite. An beiden Talflanken befinden sich rutschanfällige Hänge mit bedeutender Mächtigkeit. Die Schluchtstrecke bildet daher einen besonderen Gefahrenherd.

Das Schutzkonzept der Wildbach- und Lawinenverbauung



Das Hochwasserschutzkonzept beinhaltet daher die Dämpfung der Hochwasserspitze in einem Hochwasserrückhaltebecken sowie eine Vergrößerung des Gerinnes und Geschieberückhalt. Dadurch soll einerseits die Mobilisierung von Geschiebe in der Grabenstrecke vermindert und andererseits das Risiko für Ausuferungen im zentralen Ortsbereich von Admont reduziert werden.

Tausendjährige Geschichte



Nach der Gründung des Benediktinerstiftes im Jahr 1074 erfolgte rasch die Besiedlung des Schwemmkegels des Lichtmessbaches. Ab dieser Zeit war der Bach wegen seiner Gefährlichkeit Gegenstand von Schutzmaßnahmen, welche vorerst jedoch lediglich lokalen Charakter hatten und vor allem aus Holz ausgeführt wurden.

Die „K.K. Forsttechnische Abtheilung für Wildbachverbauung“ entwickelte bereits im Jahr 1886 ein Schutzprojekt, das unter anderem ein Wasserreservoir auf der Kaiserau vorsah. Mit einem vier Meter hohen Damm sollten 25.000 m² Wasser zurückgestaut und so die Hochwasserspitzen aus dem Kaiserauer Becken abgefangen werden. Angesichts der damaligen Methoden der Massenbewegungen konnte dieser Gedanke jedoch nicht realisiert werden (Technischer Bericht, Verbauungsprojekt 1996).



Mitte August 1949 kam es zu einem extremen Schlechtwettereinbruch mit drei Tagen Regen und Neuschnee auf den Bergen. Nach einer plötzlichen Warmluftzufuhr setzte am 15. August 1949 ein heftiges Gewitter ein und löste die Katastrophe aus. Die zur Rutschung neigenden Hänge des Mittellaufes waren durch lang anhaltenden Regen durchnässt und aufgeweicht und setzten sich auf breiter Fläche gegen den Graben hin zu in Bewegung. Im Operat hieß es: „Einer Lawine ähnlich rollte und schob sich die Verheerung zu Tal. Die Regulierungsstrecke im Markte verlauste und der Bach wurde aus seinem Bett geworfen. Häuser, Keller Straßen wurden vermurt und das Tal bot den Anblick grauenhafter Verwüstung.“ (Technischer Bericht, Verbauungsprojekt 1996).

Bei Hektometer (hm) 17,76 errichtete die WLV bereits im Jahre 1951 einen Unholzrechen. Im Schutzprojekt 1952 wurde der Bach neu reguliert sowie die Staffelung im Graben teilweise erneuert und komplettiert.



Ein weiteres Schutzprojekt aus dem Jahr 1996 enthielt die Ertüchtigung der Ortsregulierung von hm 0,5 bis 12,7 mit Sanierungen, teilweisen Erhöhungen der Ufermauern, Absenkung der Bachsohle, Hebung der Brückentragwerke sowie Sicherung der angrenzenden Bauobjekte. Auch in den Jahren 1998 bis 2000 wurde bei hm 36,80 eine Geschieberückhaltesperre errichtet.



Das geplante Hochwasser-Dosierwerk „Kaiserau“ bedurfte jedoch noch weiterer Planungen.

Nach umfangreichen Untergrunderkundungen mit zusätzlichen Rammsondierungen, Messungen des Grundwasserspiegels, Röschenaufnahmen sowie weiteren Rotationskernbohrungen mit Messungen des Grundwasserstromes in verschiedenen Bodenschichten (Flowmeter) erfolgten bodenchemische Untersuchungen und die hydrologischen Bemessungen wurden dem Stand des Wissens angepasst.

Hydrologie, Hydraulik



Die Höchstwasserstände der Katastrophen 1851, 1949 und 1951 wurden an einem rechtsufrigen Gebäude (bei Hektometer 9,5) festgehalten. Nachrechnungen ergeben für den Spitzenabfluss vom Ereignis 1851 etwa 70 m³/s (für das Hochwasserereignis von 1949 etwa 55 m³/s und für 1951 etwa 45 m³/s). Im Jahr 2010 wurden die Hydrologie und Hydraulik des Schutzprojektes Lichtmessbach mit neuen Methoden überarbeitet.



Für die hydraulische Berechnung des Unterlaufgerinnes wurden insgesamt 78 Profile aufgenommen und die Berechnung erfolgte mit der Software WASPI- HEC2. Die Berechnung des maßgeblichen Niederschlages erfolgte mit HAöSTRA-Daten[1]. Als maßgebliches Niederschlagszenario wurde ein dreistündiges, anfangsbetontes Starkregenereignis im oberen Einzugsgebiet herangezogen.



Aufgrund der mittels HEC-HMS[2] simulierten Szenarien, der Berechnung nach ZEMOKOST[3] und nach den Berechnungen mit empirischen Formeln liegt der Spitzenabfluss des Bemessungsereignisses (auf ein 100-jährliches Niederschlagsereignis gerechneter Reinwasserabfluss) bei 68 m³/s, während der Unterlauf des Lichtmessbaches im Ortszentrum nur etwa 30 m³/s abführen kann.



Durch das Hochwasserretentionsbecken kann die Hochwasserspitze des Bemessungsereignisses im Bereich Kaiserau von 39,9 m³/s auf maximal 7,4 m³/s reduziert werden. Beim Bemessungsszenario werden dabei 178.900 m³ Wasser im Hochwasserrückhaltebecken gespeichert und erst sukzessive wieder abgegeben. Die Hochwasserspitze bei der Ortsregulierung wird dadurch für das Bemessungsereignis auf 30 m³/s reduziert.



Die Untersuchungen haben die Notwendigkeit der Dämpfung der Hochwasserspitze untermauert und so zur Ausführung des Hochwasserrückhaltebeckens nach neuestem Stand der Technik geführt.

Das Hochwasserrückhaltebecken 2015



Unterhalb der Kaiserau, genau in dem Bereich, wo sich der Bachlauf nach der Eiszeit seinen Weg Richtung Admont bahnte, wurde bei hm 61,7 das Hochwasserrückhaltebecken Kaiserau als ungesteuertes Becken mit einem Grundsee errichtet. Es kam ein 12 m hoher Zonendamm mit Tondichtung zur Ausführung. Das Durchlassbauwerk aus Beton wurde auf duktilen Pfählen fundiert und mit einem großen Unholzkäfig beim Einlaufbauwerk sowie einem Unholzrechen an der Stauwurzel versehen. Die Abdichtung zum Untergrund hin erfolgte mittels abgedichteter Spundwand. Für den Verklausungsfall wurde eine eigenständige Bypassleitung errichtet, die mit einem luftseitigen Schütz am Tosbecken bedient werden kann und gleichzeitig der Entleerung des Grundsees (für Wartungszwecke) dient.



Der Bau wurde in den Jahren 2013 bis 2015 umgesetzt. Die Gestaltung und standortsgerechte Bepflanzung der Seichtwasserzone des Grundsees erfolgte unter ökologischer Bauaufsicht. Für die Überwachung der Auswirkungen auf den ober- und unterirdischen Abfluss während der Bauzeit wurden zwei Grundwasserstandsmesspegel sowie jeweils ein automatischer Abflusspegel mit Datenlogger am Lichtmessbach und am Hallwegbach installiert.



Bauphase 2015, Einlaufbauwerk Grundablass, Bypasseinlauf. Foto: WLV

Hochwasserereignis 2015



Noch während der Bauzeit ereignete sich am 19. Juli 2015 ein Stark-regenereignis mit Hagel im Kaiserauer Becken. Zwischen etwa 20:00 und 22:00 Uhr MESZ (mitteleuropäischer Sommerzeit) registrierte die Station in Hall/Admont 30 mm Niederschlag. Die nächstgelegene ZAMG-Station in Hall registrierte innerhalb von 30 Minuten aber auch immerhin 25,6 mm, was einer Jährlichkeit von ca. fünf bis maximal neun Jahre entspricht. Die INCA-Analyse (Kombination aus Radar- und Stationsdaten), liefert für den Bereich Kaiserau Niederschlagsmengen zwischen 20 und 40 mm. Das Maximum lag im Bereich des Admonter Reichensteins mit Niederschlagsraten von bis zu 30 mm innerhalb von 15 Minuten. Laut dem Gutachten von Mag. Pehsl von der ZAMG Steiermark war der Niederschlag gemäß INCA-Auswertung etwa ein 30-jährliches Ereignis.



Im Zuge des Niederschlagsereignisses kam es im Hochwasserrückhaltebecken zu einem Aufstau von knapp drei Metern Höhe. Es wurden etwa 25.000 m³ Wasser zurückgehalten und damit die Abflussspitze im Unterlauf deutlich gedämpft.

Der Bau wurde im Jahr 2015 abgeschlossen und der Baustellenbereich im Herbst begrünt. Somit kann das Becken seine bestimmungsgemäße Funktion erfüllen.



Das Kaiserauer Becken mit Hochwasserrückhaltebecken 2015. Foto: Mayerl, M.




[1] Hydrologischer Atlas Österreichs und österreichischer Starkniederschlagsregionalisierung und –-auswertung (BMLFUW, 2006).



[2] HEC-HMS Hydrologic Modelling System. US Army Corps of Engineers, Hydrologic Engineering Center, Davis, CA.



[3] Kohl, B., and L. Stepanek. „ZEMOKOST – neues Programm für die Abschätzung von Hochwasserabflüssen.“ BFW-Praxisinformation 8.2005 (2005): 21-22.



TEXT / Markus Mayerl