Markus Nitzky
„Mich interessieren die Strukturen sehr und ich wollte immer etwas für die Gemeinschaft und die Gesellschaft tun.“ Markus Nitzky über seine Motivation, in die Gemeindepolitik zu gehen.

„Ich kenne jeden im Ort“

Die kleine, knapp 500 Einwohner zählende Gemeinde Loretto ist aufgrund der bekannten Wahlfahrtskirche ein Besuchermagnet im Burgenland. Bürgermeister Markus Nitzky steht daher nicht nur vor organisatorischen Herausforderungen. Wo jeder jeden kennt, kann die Politik auch einmal in den Hintergrund treten. Sein Wirken im Ort verlangt Durchsetzungskraft mit viel Feingefühl, doch das Wichtigste ist die Zusammenarbeit.

Umkämpft, belagert, bedroht und verehrt – die burgenländische Gemeinde Loretto mit ihrer bekannten Wallfahrtskirche ist seit vielen Jahrhunderten ein Anziehungspunkt am Fuße des Leithagebirges.

Die ursprünglichen Lorettokapellen wurden angelehnt an den italienischen Wallfahrtsort nahe Ancona errichtet und im 17. Jahrhundert um die Basilika Maria Loretto mit Kloster erweitert. Die Geschichte der kleinsten Marktgemeinde Österreichs geht aber viel weiter zurück, bis in die Steinzeit, wie rund 5000 Jahre alte Siedlungsfunde bezeugen. Und auch die Römer haben an diesem geschichtsträchtigen Ort schon ihre Spuren hinterlassen. Loretto, mit dem klingenden Namen, ist daher wohl auch die „italienischste“ Gemeinde des Burgenlandes. 

Wallfahrtskirche Loretto
Einer der größten Besuchermagnete Lorettos ist die Wallfahrtskirche, eigentlich seit 1997 eine „Basilica minor“. In Kombination mit dem üppigen Blumenschmuck eine echte Augenweide.

Nur 470 Einwohner, aber 200.000 Gäste im Jahr

Etwas abseits gelegen, weit weg von Industrie und Schwerverkehr, wie Bürgermeister Markus Nitzky (ÖVP) die besondere Lage in einer Bucht am Fuße des Leithagebirges beschreibt, hat Loretto nur knapp 470 Einwohner.

Aufgrund der geringen Größe ist das Zusammenleben persönlicher, und Bürgermeister Markus Nitzky kann von sich sagen: „Ich kenne jeden im Ort.“ Er weiß dabei auch, dass das sowohl Vor- als auch Nachteile haben kann. Aber Gefahr, dass die „Lorettaner“ zu sehr unter sich bleiben gibt es keine, denn die Ortschaft hebt sich durch ihre vielen Besucher von den umliegenden Gemeinden ab.

Gnadenkapelle Loretto
In der 1659 errichteten "Gnadenkapelle‘‘ des Wallfahrtsortes wird eine Schwarze Madonna verehrt. Das Gnadenbild ist eine Kopie der Schwarzen Madonna des italienischen Marienwallfahrtsortes Loreto, welcher auch namensgebend für den Ort war.

200.000 sind es im Durchschnitt pro Jahr, ein Großteil von ihnen Pilger und Wallfahrer. Zudem findet in Loretto jeden August der größte Tagesmarkt des Burgenlandes statt, an dem bis zu 20.000 Menschen teilnehmen. Die Lorettaner begrüßen ihre vielen Gäste mit tausenden Blumen, die sie jedes Jahr im Ort pflanzen, „ein Augenschmaus für alle, selbst für die, die nur durch Loretto durchfahren“, ist Nitzky erfreut.

Dementsprechend ist auch die Infrastruktur des Ortes auf Besucher ausgerichtet. Das kann für den Bürgermeister organisatorisch immer wieder zu einer Herausforderung werden, denn „als so kleine Gemeinde haben wir weniger finanzielle Mittel, aber hohe Verpflichtungen“. Der Rückgang an Landersförderungen setzt der Situation noch eines drauf, doch Nitzky sieht das gelassen: „Wir finden immer eine Lösung.“ Zahlreiche Projekte zeugen davon.

Radweg entlang der Römerstraße

Trotz knapper Finanzen zeigt sich der Bürgermeister für dieses Jahr zufrieden, denn es wurden bereits viele wichtige Projekte umgesetzt, dazu gehören barrierefreie Zugänge zum Amt sowie Straßensanierungen und die Erneuerung der Ortsbeleuchtung oder zum Beispiel die Evaluierung der Kanalbenutzungsflächen und die Instandhaltung der Wasserversorgung.

Auch touristisch tut sich in Loretto einiges. Eine alte Römerstraße wird im Zuge eines gemeindeübergreifenden Projekts in ein neues Licht gerückt. Entlang der geschichtsträchtigen Straßenverbindung soll ein Radweg entstehen, der von den Nachbargemeinden Stotzing und Leithaprodersdorf über Loretto bis in die Slowakei führen wird. Ab 2022 ist er vielleicht schon der nächste Besuchermagnet. Zudem werden entlang dieses Weges an wichtigen Punkten, wie der Basilika in Loretto, historische Funde ausgestellt und Wissen über die Römerzeit vermittelt. 

Es ist aber nicht nur die Geschichte, von der der Ort profitiert. Loretto hat bis heute nichts an Attraktivität verloren. Die Gemeinde ist ein klassischer Pendlerort. Mitten im Grünen ist die Nähe zu Eisenstadt, Wien und dem Flughafen Wien-Schwechat für viele Bewohner eine perfekte Möglichkeit, Leben auf dem Land und Arbeiten in der Stadt zu verbinden. Das zeigt sich auch in der Einwohnerzahl, die sich in 20 Jahren fast verdoppelt hat.

Zuzug erwünscht, doch Bauland ist rar

Trotzdem ist es für Bürgermeister Nitzky wichtig, nicht weniger im Ort zu werden sondern die Bewohnerzahl vielleicht sogar zu vergrößern.

„Wir haben derzeit eine Volksschule, doch es ist nicht jeder Jahrgang groß genug, um die Schule zu halten. Immer wieder stellt sich die Frage, ob es sich ausgeht bzw. wie es in den kommenden Jahren mit den Schülerzahlen aussehen wird“, erklärt Nitzky die Situation. Der Ort braucht aus seiner Sicht Zuzug, um stabil zu bleiben. Daher wäre es wünschenswert, wenn mehr Grundstücke zum Kauf angeboten werden würden. Leider ist Bauland zur Zeit rar, denn viele Eigentümer spekulieren auf die Grundstückspreise und wollen erst einmal nichts verkaufen, an Abnehmern würde es laut Ortschef jedenfalls nicht mangeln. 

Loretto ist erst seit 1991 wieder eigenständig

Gemeindekooperationen mit den Nachbarortschaften sind seit vielen Jahrzehnten erprobt und eingespielt. Eine gemeinsame Kläranlage, Kindergarten oder ein Hort zeugen davon.

Nachdem die Verwaltung bereits von 1970 bis 1991 mit den Nachbargemeinden zusammengelegt war, ist Nitzky aber froh, dass Loretto seit den 90ern wieder selbstständig eine eigene Gemeinde ist, denn die Unabhängigkeit ist den Lorettanern sehr wichtig. Aus seiner Sicht soll das auch in Zukunft so bleiben. Das hat nicht nur finanzielle Gründe.

„Als eigenständiger Ort sind die Lorettaner selbstbewusst und bestimmt in der Region, abseits von Landes- oder Bundespolitik.“ Die sollte aus Nitzkys Sicht nicht in die Gemeindearbeit Einzug nehmen. Denn der engagierte Bürgermeister sieht sich in erster Linie nicht als Parteipolitiker, sondern als Mensch, der mit vielen zusammen für die Gemeinde und die Gesellschaft einsteht und für sie arbeitet. 

Zur Politik kam der 50-jährige Familienvater schon in seiner Jugend. Als bis heute begeisterter Tennisspieler ist er seit damals in den ortsansässigen Vereinen engagiert und dementsprechend bald auch in die Gremien eingebunden worden.

Polizist am Flughafen

„Mich interessieren die Strukturen sehr und ich wollte immer etwas für die Gemeinschaft und die Gesellschaft tun“, erklärt er. So kam Schritt für Schritt eines zum Anderen. Bereits mit vielen Jahren Erfahrung in der Kommunalpolitik übernahm er 2012 das Bürgermeisteramt von seinem langjährigen Vorgänger Felix Kozar an.

Nitzky wurde direkt gewählt und genießt viel Vertrauen im Ort. Auch in seinem Zweitberuf als Polizist am Flughafen Wien-Schwechat lebt er seine Passion. Aber in erster Linie sieht sich Nitzky als Bürgermeister, und das heißt für ihn „ein Rund-um-die-Uhr-Job, von der Geburt bis zum Todesfall.“

Die Aufgaben als Bürgermeister in der Gemeinde sind wie überall umfangreich und zeitintensiv. Wenn Markus Nitzky eine Auszeit braucht oder Ruhe, dann geht er mit seinem Hund spazieren, genießt den Sonnenuntergang oder spielt eine Partie Tennis, „das braucht’s einfach manchmal“. Er lebt schon immer in Loretto und könnte sich gar nichts anderes vorstellen. Wenn der Bürgermeister über den hervorragenden Zusammenhalt im Ort spricht, „die beste Basis für eine gute Gemeinschaft,“ hört man seinen Stolz auf die Mitmenschen.

Ob es ein Fest ist, ein Vereinsveranstaltung oder ein Pfarrkaffee, „die Lorettaner“ helfen zusammen wo es geht. Vielleicht ist da zu einem kleinen Teil auch das sehr beliebte Dorfwirtshaus mitverantwortlich. Während in der Umgebung immer mehr Lokale zusperren mussten, erfreut sich der Gasthof Graf großer Beliebtheit.

Bürgermeister Nitzky liebt vor allem die bodenständige Hausmannskost wie zum Beispiel ein Cordon Bleu – seine Lieblingsspeise, und die geselligen Abende im Ort. Das Dorfzusammenleben hat in Loretto eine lange Geschichte, und wie es scheint, wird das in der kleinsten Marktgemeinde Österreichs auch in Zukunft so bleiben.  

Zur Person

Markus Nitzky 

 

Alter: 50

Gemeinde: Loretto

Einwohnerzahl: 470 (1. Jänner 2019)

Bürgermeister seit: 2012 

Partei: ÖVP