Michaela Oberlassnig
Die anderen Frauen haben mich so bestärkt, dass ich gesagt habe - ja, okay, ich mach‘s!“ Michaela Oberlassnig über ihre Entscheidung Vizebürgermeisterin zu werden.

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Frauenpower im Gemeindeamt

Michaela Oberlassnig steht seit vier Jahren an der Spitze der Gemeinde Feld am See. Im Gemeindeamt weiß sie ein starkes Team an ihrer Seite, das durchwegs weiblich besetzt ist.

Ehrlich gesagt ist es reiner Zufall, dass das KOMMUNAL-Gespräch mit Bürgermeisterin Michaela Oberlassnig rund um den internationalen Frauentag ausgemacht war. Rückblickend passt es jedoch ganz wunderbar, denn schnell stellt sich heraus, dass die Gemeinde Feld am See fest in weiblicher Hand ist.

Sowohl beim Gestalten, als auch beim Verwalten. Vom Bauamt über die Finanzverwaltung bis zum Meldeamt und von der Amtsleitung über das Bürgerservice bis zur Verwaltungsassistenz - sämtliche Aufgaben im Gemeindeamt werden ausschließlich von Frauen erledigt. Fast träfe das auf die gesamte Gemeinde zu, wären da nicht auch zwei Männer am Bauhof beschäftigt. „Die Bevölkerung sagt manchmal, es sei ein Weiberhaufen“, amüsiert sich die Ortschefin, „aber es ist ein wirklich hervorragendes Team und die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiterinnen ist ausgezeichnet - und natürlich auch mit meinen Mitarbeitern am Bauhof.“  

Feld am See
Feld am See schmiegt sich im Norden an die Ufer des Brennsees. Im Westen (links) befindet sich der Mirnock, im Osten (rechts) der Wöllaner Nock. Foto: Gert Perauer  MBN Tourismus

Seit exakt vier Jahren wird mit Michaela Oberlassnig nun auch das höchste politische Amt in Feld am See von einer Frau bekleidet. Dass die gebürtige Wienerin überhaupt dazu kam, ist einer Reihe von schicksalhaften Begegnungen und Entscheidungen zu verdanken. 
Ihre Ausbildung zur Sonderschullehrerin absolvierte die heute dreifache Mutter an der Pädagogischen Hochschule in Wien Strebersdorf. Im Anschluss arbeitet sie acht Jahre lang als Integrationslehrerin an einer Hauptschule im 20. Bezirk - heute würde man Brennpunktschule dazu sagen. Im Urlaub lernt sie ihren Mann kennen, und nach eineinhalb gemeinsamen Jahren in Wien beschließen die beiden, in seinen ursprünglichen Heimatort zu ziehen, nach Feld am See. Die Pädagogin findet umgehend eine Stelle als Sonderschullehrerin, die beiden heiraten und bekommen im Laufe der folgenden Jahre drei Buben. Abgesehen von den Karenzzeiten ist Oberlassnig immer berufstätig. Zuerst in Treffen am Ossiacher See, später wiederum als Integrationslehrerin an der Volksschule in Bad Bleiberg.   

Einstieg in die Politik über Engagement für eine Wohnstraße

Der Einstieg in die Politik war einer Initiative geschuldet, berichtet die Bürgermeisterin: „Unser Haus steht in einer kleinen Siedlung, in der es damals viel Nachwuchs gab. Nachmittags haben oft 14 oder 15 Kinder auf der Straße gespielt. Wir wollten deshalb eine Wohnstraße bekommen, damit der Verkehr beruhigt ist.“ Oberlassnig stellt dazu einen Antrag an die Gemeinde, der zwar behandelt wird. Letztendlich passiert aber nichts.

„Als die Wahl 2015 kam, hat man sich aber wieder an mich erinnert und mich gefragt, ob ich nicht mitarbeiten will, weil ich mich offenbar einbringen möchte und Ideen für die Gemeinde hätte.“ Oberlassnig sagt zu und wird prompt an vierter Stelle in den Gemeinderat gewählt. „Das war mir dann relativ schnell zu wenig, denn es ist irrsinnig spannend, die Gemeinde mitzugestalten,“ erklärt sie.

Darum beginnt Oberlassnig den Politikerinnen-Lehrgang des Landes Kärnten. Während eines Moduls erhält sie einen Anruf, dass der Vizebürgermeister zurücktritt und die beiden ihr vorgereihten Mandatare dessen Job nicht übernehmen können. „So wurde ich gefragt, ob ich Vizebürgermeisterin werden will. Und wie Frauen das zu tun pflegen, trauen Sie sich das meistens nicht zu. Weil man immer meint, man weiß noch zu wenig und man müsste sich überall noch viel besser auskennen. Ich war aber gerade in diesem Lehrgang und die anderen Frauen haben mich so bestärkt, dass ich gesagt hab - ja, okay, ich mach‘s!“

„Wenn man dann im Gemeindevorstand sitzt, lernt man plötzlich die ganzen Hintergründe kennen und kann sich viel mehr einbringen“, erkannte die Vizebürgermeisterin. Bei der Wahl 2021 geht die aus Wien zugereiste Frau  für die SPÖ ins Rennen und wird mit über 70 Prozent zur Bürgermeisterin von Feld am See gewählt. 

Feld am See
Das Gemeindegebiet von Feld am See liegt im Gegendtal, hier mit Blick nach Süden Richtung Villach. Foto: Adrian Krainer

Genaugenommen befinden sich gleich zwei Seen auf dem Gemeindegebiet- der Afritzer See und der Brennsee. Letzterer ist aber jener, an dessen Ufer der Hauptort liegt, der ihn auch im Namen trägt. Die Seen mitsamt dem Gemeindegebiet liegen im verhältnismäßig schmalen Gegendtal, mitten in den Nockbergen. Diese Topographie determiniert gewissermaßen die Rahmenbedingungen der Gemeinde. Dank der Seen und der Bergwelt, sowie der Nähe zu Bad Kleinkirchheim ist Feld am See im Sommer wie im Winter eine gefragte Tourismusdestination mit über 100.000 Nächtigungen pro Jahr. Zum traditionellen Fischfest strömen jedesmal mehrere Tausend Besucher in den Ort. In Feld am See lässt sich‘s wunderbar leben, und doch sinkt die Einwohnerzahl stetig. 

Eislaufen
Nicht nur das nahgelegene Schigebiet in Bad Kleinkirchheim macht den Ort zur beliebten Tourismusdestination. Auch in der Gemeinde selbst gibt es zahlreiche Wintersportmöglichkeiten, wie zum Beispiel das Eislaufen auf den zugefrorenen Seen. Foto: Mathias Prägant/MBN Tourismus

Die Bürgermeisterin bezeichnet den Bevölkerungsrückgang als das größte Problem: „Das liegt aber nicht daran, dass die Leute nicht hier leben wollen, sondern dass es keine leistbaren Wohnungen, Häuser oder Grundstücke gibt. Es gibt zwar relativ viel Leerstand, aber man kann niemanden zwingen, dass er den verkauft. Vieles wird leider auch als Zweitwohnsitz von Menschen weggekauft, die dann gar nicht wirklich da sind, während die jungen Einheimischen auf andere Gemeinden ausweichen müssen, weil sie bei uns nichts mehr finden.“ In der Gemeinde gibt es aktuell 53 Mietwohnungen, doch weil absoluter Bedarf besteht, insbesondere an kleineren Wohnungen, möchten die Feldner noch einen Wohnblock errichten. 

Leben, wo andere Urlaub machen

Drei große touristische Leitbetriebe gibt es in der Gemeinde. In diesen und in der Landwirtschaft arbeiten jene Feldner, die nicht auspendeln. Wer hingegen in der Industrie arbeitet, tut dies zumeist im nördlich gelegenen Radenthein oder im südlich gelegenen Villach.

Der Stellenwert des Wintersports für Feld am See spiegelt sich in der Tatsache wider, dass die Kinder aus Feld am See schon im Kindergarten auf Schikurs gehen. So ist das, wenn man dort lebt, wo andere Urlaub machen.

Neuer Bebauungsplan

Apropos Kindergarten: Dieser wurde um eine dritte Gruppe erweitert. „Das war ein harter Kampf, weil angezweifelt wurde, ob wir die wirklich bauchen. Dabei hatte ich  die weinenden Mütter am Telefon, die nicht wussten, wo sie ihre Kinder hinbringen sollen.“

Geöffnet ist der beitragsfreie Kindergarten übrigens für Kinder ab einem Jahr von 7 bis 17 Uhr. Die bisherige Nachmittagsbetreuung für die Schulkinder wird mit dem kommenden Schuljahr obsolet, denn ab September gibt es in Feld am See eine Ganztagsschule. Darüber freut sich Oberlassnig ebenso wie über den Zukauf eines Grundstücks für den gemeinnützigen Wohnbau. Stolz ist sie auch über den neuen generellen Bebauungsplan, der letztes Jahr ausgearbeitet wurde: „Wir hatten über zwei Jahre eine Bausperre, im Zuge dieser bestimmte Dinge verboten waren, weil damit begonnen wurde, uns die Seeufer zuzubauen. Den neuen generellen Bebauungsplan haben wir mit einer relativ großen Gruppe ausgearbeitet, weil ich alle dabeihaben wollte - alle Fraktionen, die Touristiker, das Energieteam usw. Und dieser Bebauungsplan soll jetzt sogar vom Land herangezogen werden, um einen Leitfaden zu entwickeln.“ 

Beschlüsse fallen meistens einstimmig

Genau so, wie Oberlassnig möglichst viele Stakeholder in die Ausarbeitung des Bebauungsplans miteinbezogen hat, so handhabt sie auch die Entscheidungsfindungen in der Gemeinde. „Wir versuchen immer, dass alle Fraktionen gemeinsam Entscheidungen treffen. Es ist bei uns auch fast immer alles einstimmig. Wenn es doch einmal großen Diskussionsbedarf gibt, dann setze ich den Punkt ab, wir suchen gemeinsam nach Lösungen und setzten ihn das nächste Mal wieder auf die Tagesordnung.“    

Offenheit und Bürgernähe sind der Bürgermeisterin ein grundsätzliches Anliegen.  Für den Gemeindevorstand hat sie eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet: „Wenn irgendetwas geschieht, informiere ich sofort die Vorstandsmitglieder, frage, was sie dazu denken, und dann findet man immer eine Lösung.“

Oberlassnig ist es auch wichtig, als Vollzeitbürgermeisterin für die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich erreichbar zu sein: „Ich habe keine Sprechstunden oder ähnliches. Wenn jemand etwas braucht, kann er mich anrufen oder mir schreiben. Ich habe nur ein Handy und meine Nummer ist bekannt.“ Die ehemalige Lehrerin ist darüber hinaus auch auf Social-Media sehr aktiv und bedient die Kanäle die sie als Informationsmedien und nicht als Diskussionsplattformen betrachtet, alle selbst 

Klimawandel wird zum Problem

Leider gibt es trotz aller Einstimmigkeit und Transparenz in Feld am See Probleme, die auch mit der Geschlossenheit aller Fraktionen und Bevölkerungsgruppen nicht zu lösen sind. Und diese haben mit dem Klimawandel zu tun. Einerseits gibt es Starkregenereignisse mit Vermurungen, und andererseits lange Trockenperioden.

Die größte Wassergenossenschaft der Region musste 2021 einen zusätzlichen Brunnen bohren, da das Wasser, das vom Berg kommt, nicht mehr ausgereicht hat. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Wasser zu sparen. Vom Borkenkäfer ist die Gemeinde bislang noch verschont worden, „aber wenn ich eine halbe Stunde Richtung Süden fahre, oder Richtung Mölltal, dann schaut es dort extrem schlimm aus“, weiß Oberlassnig. „Wir sind in einer Klimawandelanpassungsregion (KLAR), in der derzeit Borkenkäferspürhunde ausgebildet werden. So versuchen wir ein bisschen vorzubauen.“

Von Neophyten sind die Feldner hingegen schon jetzt schwer betroffen: „An den Bachufern kann man gar nichts mehr dagegen machen“, muss die Ortschefin eingestehen. „Das Einzige, was wir machen konnten, war dort, wo die neue Sperre der Wildbachverbauung errichtet wurde, dreimal eine Neophyten-Aktion durchzuziehen und dafür zu sorgen, dass diese Pflanzen im Aufforstungsbereich nicht schneller aufkommen als der Jungwald, und das haben wir sehr gut in den Griff bekommen.“  

Neben der Ganztagsschule ab Herbst stehen in absehbarer Zukunft kleinere Straßensanierungen in der Gemeinde an. Außerdem ist Energiesparen ein großes Thema, dem in Form eines Umstiegs auf LED bei Straßen- und Turnsaalbeleuchtung Rechnung getragen werden soll. Des Weiteren möchte die Gemeinde Energiegemeinschaften forcieren. Es gibt also für die Feldner Bürgermeisterin auch in Zukunft noch jede Menge zu tun. Da trifft es sich gut, dass sie ohnehin den Wunsch hat, sich noch möglichst lange für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen zu dürfen. Mit der geballten Frauenpower des Gemeindeamts im Rücken, wird ihr das bestimmt gelingen.

Zur Person

Michaela Oberlassnig

Alter: 50
Gemeinde: Feld am See 
Einwohnerzahl: 1.060
Bürgermeister seit: 6. April 2021
Partei: SPÖ