Senioren sind nicht nur eine der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppen. Sie sind auch beliebtes Ziel von Kriminellen. In Zukunft könnten Kriminelle moderne Technologien verstärkt dazu nutzen, um gezielt ältere Bevölkerungsgruppen ins Visier zu nehmen.
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Wie sieht Kriminalität in der Zukunft aus?

18. Februar 2021
Neue technische und gesellschaftliche Entwicklungen bringen stets auch neue Kriminalitätsformen mit sich. Doch wo können bereits heute Maßnahmen gesetzt werden, um den Verbrechern von morgen präventiv begegnen zu können? Eine aktuelle Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit gibt Einblicke in die Kriminalität der Zukunft.

Zukünftige technische Entwicklungen werden unser Leben in vielerlei Hinsicht bereichern. Die Corona-Krise hat uns bereits erahnen lassen, welches Potenzial und welche Dynamik Digitalisierungsprozesse und neue Kommunikationstechnologien für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben mit sich bringen. Die zunehmende Vernetzung ermöglicht es, trotz physischer Distanz zu lernen, zu arbeiten, innovative Geschäftsideen zu entwickeln, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu pflegen. Sie begünstigt jedoch auch die Entstehung neuer Kriminalitätsformen: Denn jede technische Innovation kann auch für kriminelle Machenschaften instrumentalisiert und genutzt werden.

5G-Mobilfunknetze, Cloud-Security, künstliche Intelligenz, stark wachsende Opfergruppen in höherem Alter oder zunehmende Umweltverbrechen sind einige der Hauptrisikobereiche, die das KFV in einer aktuellen Studie als Zukunftskriminalitätsformen identifiziert hat. Die Ergebnisse sollen nun in die Präventionsarbeit einfließen und Diskussionen zu notwendigen Weichenstellungen anstoßen, damit den Herausforderungen von morgen schon heute aktiv begegnet werden kann. 

5G: neues Zeitalter der Mobilfunktechnologie

5G als nächster Mobilfunkstandard wird die Digitalisierung massiv vorantreiben und eine bedeutende Evolution sämtlicher Aspekte des digitalen Lebens zur Folge haben. Die dadurch stark steigende Zahl an Endgeräten in Netzwerken erhöht jedoch auch das Risiko, Opfer von Cyberangriffen zu werden. Das Bewusstsein, welche Geräte im Netzwerk operieren und damit angreifbar sind, muss sowohl im privaten als auch im betrieblichen Kontext enorm verbessert werden. 

Vernetzung: Fluch und Segen für Unternehmen

Die mit der Digitalisierung einhergehende Vernetzung wird auch in Zukunft weiter an Fahrt aufnehmen – und mit ihr das Risiko, zum Opfer von Cyberangriffen zu werden. Vor allem im Bereich der Operational Technology (OT) in der Industrie wird ein großer neuer Angriffsvektor entstehen, sobald diese Bereiche in ein Netzwerk eingebettet werden.

Die Zukunft in der Wolke

Cloud-Computing – die Verlagerung von Infrastruktur, Speicherplatz oder Software in eine digitale Plattform – hat in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen und wird in Zukunft noch weiter zunehmen. Für Unternehmen gilt es hier, rasch ein durchdachtes Sicherheitskonzept zu entwickeln, um auf Ausfälle oder Angriffe auf die digitale Infrastruktur schnell reagieren zu können. Aber auch private Nutzer werden in Zukunft ihre digitalen Daten in der Cloud besser schützen müssen.

Bekämpfung der Umweltkriminalität

Die Klimakrise wird über kurz oder lang auch zu einer ernsthafteren Sanktionierung und Verfolgung von Umweltkriminalität führen müssen, um ihren negativen Auswirkungen effektiv begegnen zu können. Zentrale Bereiche, die in diesem Kontext künftig an Bedeutung gewinnen könnten, sind die Reduktion von CO2-Emissio­nen, die Gefahr von Bränden, der Schutz des Grundwasserpegels sowie die fachgerechte Entsorgung von Altlasten, wie beispielsweise Lithium-Ionen-­Akkus.

Überalterung als Chance für Kriminelle?

SeniorInnen sind nicht nur eine der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppen. Sie sind auch beliebtes Ziel von Kriminellen. In Zukunft könnten Kriminelle moderne Technologien verstärkt dazu nutzen, um gezielt ältere Bevölkerungsgruppen ins Visier zu nehmen – beispielsweise, indem bestehende Betrugs- und Erpressungsmethoden wie der Neffen- oder Enkeltrick durch „Deep Fakes“ technisch perfektioniert werden. Diese entstehen durch die Programmierung einer künstlichen Intelligenz, die mit Hilfe von maschinenbasiertem „Deep Learning“ ein Gesicht oder eine Stimme abspeichert und auf eine andere Oberfläche setzt. Da die technischen Möglichkeiten in diesem Bereich schnell voranschreiten, wird es in Zukunft eine große Herausforderung sein, echte von gefälschten Bildern und Videos zu unterscheiden. 

Künstliche Intelligenz und Quantencomputer

Künstliche Intelligenz (KI) simuliert intelligentes, lösungsorientiertes Verhalten. Die erste Stufe von KI ist bereits in einer Vielzahl unserer smarten Alltagsgeräte integriert. Auch wenn die weiteren Entwicklungsstufen künstlicher Intelligenz aktuell noch Zukunftsvisionen sind, arbeiten Forscher bereits heute an der Entwicklung sogenannter Quantencomputer, die KI und das maschinelle Lernen auf ein neues Level heben sollen.

„Eine der wohl herausforderndsten Frage in diesem Kontext wird sein, ob und wie der legale Zugang zu Quantencomputern geregelt sein wird“, so Othmar Thann, Direktor des KFV. Damit wird deutlich: Die Zukunft der Kriminalität bringt auch enorme Herausforderungen für den Rechtsstaat mit sich. Denn die große Innovationskraft und die hohe Geschwindigkeit der Digitalisierung werden dazu führen, dass auch nationales, europäisches und internationales Recht reformiert bzw. interpretiert werden müssen, um den aktuellen Entwicklungen gerecht zu werden.

Diese Weichenstellungen gilt es schon heute für die Zukunft vorzunehmen, denn: Sich vorzustellen, wie die Kriminalität der Zukunft aussehen könnte, ist bereits der erste wesentliche Schritt, um ihr zu begegnen.