Menschen, die unter Hitze leiden
© generiert mit KI

Wie gut sind Gemeinden auf Hitze-Ereignisse vorbereitet?

Von 17. Juni bis 19. Juli 2026 hatte es in Österreich an jedem Tag irgendwo über 30° C. Das war mit 33 Tagen die längste je in Österreich gemessene Hitzewelle. Für den gesamten Juni bedeutet das eine Erhöhung der mittleren Temperatur um 4,5° C gegenüber der Klimareferenzperiode 1961-1990. Für die Einschätzung von Klimaveränderungen werden in der Wissenschaft jeweils solche 30-jährigen Zeiträume zum Vergleich herangezogen.

Übrigens: Rund 80 % der österreichischen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind in diesen 30 Jahren geboren worden. Und genau sie sind es, die in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit regelmäßig mit Sommern wie diesem in ihren Gemeinden zurechtkommen müssen.

Hitze ist die tödlichste Naturgefahr

Wenn Geosphere Austria (vormals ZAMG) dies auf ihrer Website sachlich festhält, dann kommt es von einer Institution, die seit 1851 alle Messdaten Österreichs sammelt. Und die bisher noch nie in einem Jahr sechs Tage über 40° gemessen hat, wie 2026. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, zu erforschen, wie gut die Kommunen Österreichs durch Krisen- und Katastrophenmanagement auf extreme Hitze-Ereignisse vorbereitet sind.

Den ganzen Sommer lang beherrschten Rekordtemperaturen die österreichischen Medien. In den Monaten Juni und Juli hat es laut AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) 646 hitzeassoziierte Todesfälle gegeben. Das ist ein Höchstwert für diesen Zeitraum (Beginn der Zeitreihe der AGES: 2017). Im ebenfalls sehr heißen Sommer 2024 hatte es im selben Zeitraum 570 Hitzetote gegeben. Zum Vergleich: 2025 gab es im gesamten Jahr rund 400 Verkehrstote.

Gemeinden unter Druck

Klimawandelbedingte Häufungen von Katastrophen wie Hitzewellen, altersbedingt mehr Menschen in vulnerablen Gruppen, weniger Ehrenamtliche und unregelmäßigeres Engagement von Freiwilligen, abnehmende Finanzkraft der Kommunen – für Gemeindevorstände keine unbekannten Stressfaktoren beim Thema Hitze. Mit einer Online-Umfrage unter allen österreichischen Gemeinden haben wir versucht, diese Situation noch besser abschätzen zu können. 

Unsere zentrale Frage: Sind Österreichs Kommunen ausreichend auf die zunehmende Intensität und Häufigkeit von Naturereignissen wie Hitze − auch mit Blick in die Zukunft − vorbereitet? Daraus leiteten sich weitere Folgefragen ab, wie etwa: Wie wird das aktuelle und zukünftige Risikobild von Hitze-Ereignissen eingeschätzt? Welche Maßnahmen wurden von Gemeinden bereits ergriffen? Wo braucht es noch Unterstützung, um adäquat zu reagieren?

164 kommunal Verantwortliche aus ganz Österreich haben an dieser Online-Umfrage mit dem Titel „Kommunales Krisen-, Katastrophen- und Risikomanagement am Beispiel von Hitze-Ereignissen“ teilgenommen (das sind fast 8% aller 2.092 österreichischen Gemeinden). Wir danken an dieser Stelle all jenen, die sich im heißen Juni Zeit für diese Umfrage genommen haben. Die Ergebnisse aus der Befragung sind zum Teil überraschend. 

Einschätzung des Risikos Hitze

Die Analyse zeigt: Das Bewusstsein für das Risiko, von Hitze betroffen zu sein, ist bereits sehr hoch. In 80 % der Gemeinden wird Hitze derzeit als ein spürbares Ereignis gesehen, das mindestens einmal im Jahr auftritt. Für die Zukunft erwarten die Gemeinden, dass Hitze häufiger vorkommt, durchschnittlich viermal pro Jahr. Insgesamt waren bereits 35 % der befragten Gemeinden von Hitze betroffen, aber nur weniger als ein Fünftel dieser Kommunen hat danach seine Maßnahmen intensiviert. 

Wortwolke Hitze

Umgesetzte und noch nicht umgesetzte Maßnahmen gegen Hitze

Die umgesetzten, vorbeugenden Maßnahmen konzentrieren sich auf die Anpassungen des öffentlichen Raums auf Hitze (mehr Beschattung, Wasserelemente). Zur Steigerung der Resilienz gegen Folgen von Hitze hat schon mehr als ein Drittel der Orte einen Hitzebeauftragten. Auch mit der Weitergabe von Hitzewarnungen an Bürgerinnen und Bürger während eines Hitze-Ereignisses und den Hitzeschutz von Gemeindebediensteten scheint mit rund 75% Bejahung die Vorbereitung sehr gut. Andererseits wirken niedrige einstellige Prozentraten bei der Etablierung einer eigenen kommunalen Ansprechperson für Hitzebelastung sowie beim Wissen über vulnerable Bevölkerungsgruppen oder über die Zugänglichkeit nichtkommunaler Orte zur Kühlung erstaunlich.

Ernstfallmaßnahmen bei Hitze Resilienzmaßnahmen bei Hitze

Zentrale Herausforderungen und beeinflussende Faktoren

Diese beiden Pole bringen auch gut zum Ausdruck, was auch Expert:innen schon wiederholt festgehalten haben: Es gibt zwar diverse Hitzeschutzpläne, aber kaum Hitzeaktionspläne mit konkreten Zuständigkeiten, Maßnahmen sowie Vorgaben zu deren zeitlicher Umsetzung. 

Österreichische Gemeinden sind beim kommunalen KKRM derzeit eher „reaktionsstark“, aber „strategieschwach“. Sobald ein Hitzeereignis eintritt, können viele Gemeinden Warnungen weitergeben, Arbeitsabläufe anpassen und mit Einsatzorganisationen zusammenarbeiten. 

Deutlich geringer entwickelt sind dagegen Risikoanalyse, vorausschauende Planung, Übungen, definierte Verantwortlichkeiten, der systematische Schutz vulnerabler Gruppen, Evaluation nach Ereignissen und interkommunale Kooperation. Genau darin liegt angesichts der Zukunftserwartungen das zentrale Problem: Die Gemeinden rechnen selbst mit einer deutlich höheren Häufigkeit und Intensität von Hitzeereignissen, während die organisatorische Resilienz bislang jedoch nur punktuell aufgebaut ist.

Immerhin wurde der nationale Hitzeschutzplan aktualisiert und im Mai 2026 neu veröffentlicht. Er legt nun einen expliziten Schwerpunkt auf die Prävention in Alten- und Pflegeheimen, mobilen Pflegediensten sowie bei allein wohnenden älteren Menschen. Allerdings beschränkt er sich aber weiterhin auf Empfehlungen und Handlungsanleitungen ohne gesetzliche Fristen zur Umsetzung. Es darf daher nicht überraschen, wenn nur 46 % der Antwortenden die Verantwortung bei der Bewältigung von Hitze-Ereignissen in übergeordneten Verwaltungsebenen sehen. 

Als wichtigste Herausforderungen an das Krisen- und Katastrophenmanagement bei Hitze wurden für die Zukunft Gefahrenzunahmen durch Klimawandel (82 %), mangelnde finanzielle Ressourcen (71 %) und fehlendes Bewusstsein und individuelle Vorsorge der Gemeindebevölkerung (54 %) angeführt. 

Unterstützungsmaßnahmen

Empfehlungen für die Praxis

Vier essenzielle Maßnahmenbündel für ein zukunftsfittes kommunales Krisen-, Katastrophen- und Risikomanagement (KKRM) bei Hitze-Ereignissen können aus den Ergebnissen der Befragung abgeleitet werden.

  • Risikobewusstsein stärken. Viele Gemeinden sehen mangelndes Risikobewusstsein in der Bevölkerung als zentrale Herausforderung. Neben allgemeiner Information sollten besonders vulnerable Gruppen gezielt erreicht werden. Gemeinden können Warnungen, Verhaltensempfehlungen und Unterstützungsangebote lokal vermitteln. Damit allen klar wird: Hitzeschutz ist Menschenschutz.
     
  • Vom Reagieren zum Vorausplanen. Im Akutfall sind viele Gemeinden bereits handlungsfähig. Deutlich schwächer ausgeprägt sind jedoch Risikoanalysen, Hitzeschutzpläne, Übungen und die systematische Auswertung vergangener Ereignisse. Hitzemanagement sollte daher stärker als kontinuierlicher Prozess aus Vorsorge, Vorbereitung, Reaktion und Lernen verstanden werden.
     
  • Hitzeschutz gemeinsam organisieren. Gemeinden haben durch ihre Nähe zur Bevölkerung eine wichtige Rolle im Hitzeschutz, können diese Aufgabe aber nicht allein bewältigen. Klare Zuständigkeiten und abgestimmte Abläufe zwischen Ländern, Bezirken, Gemeinden und Einsatzorganisationen sowie sozialen Einrichtungen sind daher wesentlich. Gemeinden sind jedenfalls ein essentieller Baustein. Denn sie haben den unmittelbaren Kontakt zu den gefährdeten Menschen und können durch Warnungen und lokale Maßnahmen Schaden begrenzen.
     
  • Gemeinden gezielt stärken. Fehlende finanzielle und personelle Ressourcen erschweren den Aufbau eines zukunftsfähigen Hitzeschutzes. Gemeinden brauchen daher Unterstützung bei Finanzierung, Planung, Know-how und Kooperation. Besonders interkommunale Zusammenarbeit kann helfen, Kompetenzen und Ressourcen effizient gemeinsam zu nutzen. Dies hat die Datenanalyse der Umfrage eindrücklich gezeigt.

Die in diesem Artikel dargestellten Ergebnisse sind nur ein Ausschnitt aus einer Vielzahl an spannenden Ergebnissen. Eine detaillierte Version der Analyse wird daher in einem renommierten Fachjournal publiziert und steht dann allen Interessierten zur Verfügung.

Schlussbemerkung

Der Sommer 2026 zeigt zugleich, dass Hitze und Trockenheit Kommunen nicht isoliert treffen. Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die diesjährigen Dürreschäden in der Landwirtschaft bereits mit einer Milliarde Euro. Grund genug, in unserer nächsten Gemeindeumfrage die kommunale Vorsorge für Dürre in den Mittelpunkt zu stellen.

Wir haben daher für unsere kommende Umfrage unter allen österreichischen Gemeinden den Themenbereich „Kommunale Vorsorge für Dürre“ gewählt. Wenn Sie demnächst ein Mail zur Umfrage erhalten, nehmen Sie sich bitte die Zeit, an unserer Umfrage teilzunehmen. Vielen Dank!

Schlagwörter