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Hitze, wenig Regen und Dürre:
Wenn das Wasser knapp wird, zählt jede Entscheidung
Die nächste Hitzewelle klopft an – und Österreichs Gemeinden bekommen es direkt an der Wasserleitung zu spüren. Von der nächtlichen Notabschaltung bis zum Pool-Verbot: Wie Kommunen jetzt handeln.
Die nächste Hitzewelle dieses Sommers wird bereits vorsichtig von den Meteorologen angekündigt. Laut Vorhersage könne das Thermometer Anfang August wieder Temperaturen um die 40 Grad in Österreich erreichen. Viel zu wenig Regen und ein gesunkener Grundwasserspiegel fordern Österreichs Gemeinden.
Wenig Regen und erste Maßnahmen
Erste Kommunen haben bereits Maßnahmen getroffen oder angekündigt. Die Aufmerksamkeit ist allerorts groß: Wie sieht es mit der Wasserversorgung in den Gemeinden aus und was kommt hier auf sie zu?
Die EU hat im Papier zur Europäischen Wasserresilienzstrategie im vergangenen Jahr beschrieben, „Europa ist der Kontinent, der sich aufgrund des Klimawandels am schnellsten erwärmt. Klimaauswirkungen wie extreme Hitze, katastrophales Hochwasser, langanhaltende Dürreperioden und Waldbrände nehmen an Häufigkeit und Schwere zu, was sich weiter fortsetzen wird.“ Diese Perspektive teilt auch die World Weather Attribution, die aktuell einen detaillierten wissenschaftlichen Bericht über die Dürresituation in Europa herausgebracht hat. (weiterführender Link unten)
Wassermanagement gewinnt an Wichtigkeit
Das Wassermanagement wird zu einem immer drängenderen Thema, das Gemeinden, Länder und Bund in Zukunft beschäftigen wird.
Südtirol macht es vor: Maßnahmen zum Schutz der Ressource Wasser
Im südlichen Nachbarland greift man bereits zu deutlichen Maßnahmen: So hat Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher am 20. Juli per Dekret Maßnahmen erlassen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit der lebenswichtigen Ressource Wasser beinhalten.
„Die aktuelle Situation verlangt von uns allen Verantwortung und Weitblick. Wasser ist eine begrenzte Ressource, auf die Natur, Bevölkerung, Landwirtschaft und Wirtschaft gleichermaßen angewiesen sind. Mit den beschlossenen Maßnahmen setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die verfügbaren Wasserressourcen bestmöglich zu schützen. Jetzt kommt es darauf an, dass alle ihren Beitrag leisten", betont Landeshauptmann Arno Kompatscher. Dies gilt genauso für Österreich.
Ein Auszug aus den Südtiroler Maßnahmen im Überblick:
- Sämtliche Wassernutzer, sei es die Landwirtschaft, Unternehmen, Gartenbesitzer oder Parkbewirtschafter sollen den Verbrauch auf das Notwendigste minimieren.
- Die Betreiber öffentlicher Trinkwasserleitungen sind aufgerufen, Abnehmer mit hohem Verbrauch, wie Eigentümer größerer Gärten, über die zwingende Notwendigkeit von Wassereinsparungen zu informieren.
- Die Bewässerung von privaten, öffentlichen oder touristisch genutzten Grünflächen ist einzuschränken und zwischen 8 und 19 Uhr jedenfalls untersagt. Sie darf nur im Abstand von mindestens 3 Tagen im absolut notwendigen Ausmaß erfolgen. Bewässerungsautomaten sind entsprechend umzuplanen.
- Das Reinigen von Straßen und Plätzen mit Wasser ist untersagt. Die Verwendung von Wasser aus dem öffentlichen Trinkwassernetz zum nicht-gewerblichen Waschen von Fahrzeugen ist verboten.
- Bewässerungen in der Landwirtschaft mittels Oberkronenberegnung zwischen 6 und 21 Uhr sind untersagt. Das gilt für alle Beregnungsanlagen, die nicht an einen Turnus gebunden oder nicht mit Tropfern ausgestattet sind.
In den österreichischen Gemeinden wurden in den letzten Wochen unterschiedliche Maßnahmen gesetzt oder angekündigt, stets mit Blick auf die aktuellen Grundwasserstände und Verbrauchszähler.
Wenn die Nachtabschaltung droht
Am deutlichsten wurde die Lage in der Steiermark und im Waldviertel. Die Marktgemeinde Gaishorn am See (Bezirk Liezen) kündigte für die Woche ab 16. Juli an, die öffentliche Trinkwasserversorgung nachts zwischen 22 und 6 Uhr abzuschalten, damit sich die Hochbehälter füllen können. Tatsächlich vollzogen werden musste dieser Schritt jedoch weitgehend nicht: Durch das Sparen der Bevölkerung und zusätzliche Wasserlieferungen aus der Nachbargemeinde Trieben ließ sich die Abschaltung großteils vermeiden. Ähnlich verlief es in Pöggstall (NÖ, Bezirk Melk): Bürgermeister Helmut Hahn (ÖVP) hatte eine nächtliche Abschaltung von 22 bis 4 Uhr angekündigt, nach seinen Worten aber „keine Sekunde" abdrehen müssen – der Pegel im Hochbehälter stieg nach dem Sparappell um rund 2,40 Meter. Beide Fälle zeigen: Schon die Ankündigung wirkt als Weckruf.
Verordnungen mit klaren Verboten
Andere Gemeinden gingen den formellen Weg. Zirl in Tirol erließ am 25. Juni eine Verordnung mit Verboten für Pool- und Teichbefüllung, Gartenbewässerung und Autowäsche – ausdrücklich auch für gemeindeeigene Anlagen wie Bad und Sportplätze. Weil ein Hochbehälter leergelaufen war, kam kurzzeitig sogar eine Abkoch-Empfehlung hinzu. Nach Entspannung der Lage wurde die Verordnung mit 30. Juni wieder aufgehoben. In Oberösterreich verhängte die Stadtgemeinde Grieskirchen mit 26. Juni eine Wassersparverordnung, die das Befüllen von Pools und das Autowaschen mit Trinkwasser untersagt.
Auch Städte und Kleingemeinden unter Druck
Selbst die Bundeshauptstadt musste reagieren: In Wien stieg der Tagesbedarf Anfang Juli auf bis zu 580.000 Kubikmeter – rund 45 Prozent über dem Schnitt. Die Stadt reinigte Straßen zeitweise ohne Wasser, schränkte die Grünflächenbewässerung ein und rief zum Sparen auf; die vorsorglichen Maßnahmen liefen von 1. bis 6. Juli und wurden danach wieder beendet. Besonders angespannt bleibt die Lage in kleinen Versorgungsgebieten mit wenigen Quellen: In Hofkirchen im Mühlkreis (OÖ) ist eine von zwei Trinkwasserquellen aus hygienischen Gründen nicht nutzbar, in Iselsberg-Stronach (Tirol) steht nur rund die Hälfte des üblichen Quellwassers zur Verfügung.
Die Beispiele machen klar, dass Wasserknappheit längst keine Frage der Gemeindegröße mehr ist.
Weitere vertiefende Informationen:
Wasserknappheit: Land legt Maßnahmenpaket fest | Alle News | News | Südtiroler Landesverwaltung
Europäische Wasserresilienzstrategie: EUR-Lex - 52025DC0280 - EN - EUR-Lex
ORF Berichte:
World Weather Attribution: Rekordhitze trocknet Europas Böden aus - science.ORF.at
Diskussion über Wasserverbrauchs-Gebühren - steiermark.ORF.at