Hitze, trockene Böden und niedrige Pegel prägen die Wahrnehmung. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, wie sehr sich die Einschätzung verändert hat.
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Trockenheit
Sorgen ums Wasser nehmen deutlich zu
Wasser galt in Österreich lange als Selbstverständlichkeit. Doch angesichts anhaltender Trockenheit, sinkender Pegelstände und außergewöhnlicher Hitze gerät dieses Selbstverständnis zunehmend ins Wanken. Eine aktuelle, repräsentative Studie von Marketagent unter 1.000 Österreicherinnen und Österreichern zeigt: Fast jede zweite Person macht sich Sorgen um die heimische Trinkwasserversorgung. Für die kommenden Jahre fällt die Einschätzung noch deutlich pessimistischer aus.
Die Neuauflage einer erstmals 2023 durchgeführten Untersuchung macht sichtbar, wie stark sich die öffentliche Wahrnehmung innerhalb von drei Jahren verändert hat. Während damals noch knapp die Hälfte mit Problemen bei der Wasserverfügbarkeit innerhalb der nächsten zehn Jahre rechnete (2023: 49%), sind es 2026 bereits 61 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil jener, die die gegenwärtige Situation als problematisch beurteilen, von rund einem Viertel (24%) auf 46 Prozent nahezu verdoppelt.
Trockenheit und Hitze machen Wasserknappheit sichtbar
Die Ergebnisse treffen auf einen Sommer, in dem die möglichen Folgen der Klimaveränderung für viele Menschen unmittelbar erlebbar werden. Nach einem trockenen Winter verlief auch das Frühjahr deutlich zu niederschlagsarm. Darauf folgte bereits im Juni eine außergewöhnliche Hitzewelle. Diese Entwicklung hinterlässt in der Wahrnehmung der Bevölkerung deutliche Spuren: 57 Prozent schätzen die diesjährige Niederschlagsmenge im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren als deutlich niedriger ein. Für sechs von zehn handelt es sich dabei nicht nur um eine vorübergehende Wetteranomalie, sondern um eine nachhaltige Entwicklung.
Auch an Seen und Flüssen wird der Wassermangel aus Sicht der Bevölkerung zunehmend sichtbar. 43 Prozent berichten, dass ihnen starke Pegelrückgänge bei heimischen Gewässern aufgefallen sind. Weitere 40 Prozent haben zumindest leichte Rückgänge wahrgenommen. Damit registrieren insgesamt 83 Prozent Veränderungen bei den Wasserständen.
„Wasserknappheit ist für viele Menschen mittlerweile kein abstraktes Zukunftsszenario mehr. Ausgetrocknete Böden, niedrige Pegelstände und außergewöhnliche Hitze machen die Entwicklung unmittelbar sichtbar. Das schlägt sich deutlich in den Ergebnissen nieder: Die Sorge um die Wasserversorgung ist seit unserer ersten Erhebung stark gestiegen, und eine klare Mehrheit rechnet damit, dass Österreich innerhalb der nächsten zehn Jahre mit Problemen konfrontiert sein wird“, erklärt Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.
Waldbrandgefahr und Landwirtschaft als größte Sorgenfelder
Groß sind die Befürchtungen auch hinsichtlich der ökologischen und wirtschaftlichen Folgen. Neun von zehn Befragten halten es für wahrscheinlich, dass die Wasserknappheit in den kommenden zehn Jahren die Gefahr von Waldbränden erhöht. Mit 92 Prozent liegt dieses Szenario an der Spitze der erwarteten Konsequenzen. Fast ebenso viele (90%) rechnen mit Beeinträchtigungen der Landwirtschaft. Selbst eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch fehlendes Trinkwasser hält mittlerweile mehr als die Hälfte für wahrscheinlich (56%).
„Wasserknappheit ist weit mehr als ein Thema der Trinkwasserversorgung. Die Menschen sehen sehr klar, welche Kettenreaktionen damit verbunden sein können: Die große Mehrheit rechnet mit einer steigenden Waldbrandgefahr, Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft aber auch die Energieversorgung. Damit wird deutlich, dass Wasser als zentrale Ressource für unsere Umwelt, unsere Versorgungssicherheit und letztlich unseren Alltag wahrgenommen wird“, erläutert Andrea Berger von Marketagent
Sauberes Trinkwasser ist Österreichs wertvollste Errungenschaft
Welchen Stellenwert Wasser im Bewusstsein der Bevölkerung besitzt, zeigt die Umfrage ebenfalls klar: Der Zugang zu sauberem Trink- und Quellwasser führt mit 84% Zustimmung klar das Ranking der wertvollsten Errungenschaft Österreichs an – noch vor der umfassenden Gesundheitsversorgung (71%) und der guten Luftqualität (71%).
Hoher Anspruch, aber wenig Wissen über den eigenen Verbrauch
Die zunehmende Sensibilisierung zeigt sich auch im persönlichen Verhalten. 86 Prozent geben an, zumindest ein wenig auf ihren alltäglichen Wasserverbrauch zu achten (sehr: 26% | ein wenig: 60%). Gegenüber 2023, als dieser Anteil bei 82 Prozent lag, ist das Bewusstsein damit weiter gestiegen.
Wie viel Wasser tatsächlich verbraucht wird, können viele jedoch nur schwer einschätzen. Im Durchschnitt gehen die Befragten von einem persönlichen Tagesverbrauch von 85 Litern aus. Damit wird der tatsächliche Verbrauch von ca. 130 Litern pro Tag (laut Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft) nach wie vor deutlich unterschätzt.
Breite Zustimmung zu Einschränkungen nicht notwendiger Wassernutzung
Sollte eine akute Mangelsituation konkrete Sparmaßnahmen notwendig machen, zeigt sich die Bevölkerung zu Einschränkungen bereit. Insbesondere dort, wo Wasser nicht zur Deckung grundlegender Bedürfnisse verwendet wird. Ein Autowaschverbot würde von 85 Prozent unterstützt (2023: 78 %). Auch ein Befüllverbot für private Pools stößt mit 78 Prozent auf breite Zustimmung (2023: 75 %).