Rasensteine
Entsiegelung ist kein Nebenthema der Raumordnung, sondern aktive Wasserpolitik.
© Kalle Kolodziej - stock.adobe.com

Wasser halten statt vergeuden

Wasser war in Österreich über Jahrzehnte so selbstverständlich verfügbar, dass sein Wert im Alltag oft kaum mehr wahrgenommen wurde. Doch diese Selbstverständlichkeit beginnt zu bröckeln. Längere Hitzeperioden, unregelmäßige Niederschläge, sinkende Grundwasserstände in einzelnen Regionen und eine zunehmende Bodenversiegelung zeigen deutlich, dass sich auch wasserreiche Länder nicht in Sicherheit wiegen dürfen. Das Problem ist dabei nicht allein die absolute Niederschlagsmenge. Entscheidend ist vielmehr, wann, wo und in welcher Form das Wasser fällt – und ob es anschließend gespeichert, genutzt oder dem natürlichen Kreislauf zurückgegeben wird.

Gerade Gemeinden stehen hier an einer Schaltstelle. Sie verantworten öffentliche Flächen, Infrastruktur, Bewusstseinsbildung und vielfach auch die örtliche Raumplanung. Wer heute in Maßnahmen investiert, die Wasser sparen und Niederschläge besser im System halten, stärkt morgen Versorgungssicherheit, Klimaanpassung und Lebensqualität zugleich.

Starkregen ist keine Entwarnung

Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Einerseits ist von Wasserknappheit die Rede, andererseits kommt es immer öfter zu Starkregen. Tatsächlich sind beide Entwicklungen zwei Seiten derselben Medaille. Wenn enorme Regenmengen in kurzer Zeit auf versiegelte Flächen treffen, fließt das Wasser rasch über Straßen, Dächer und Kanäle ab. Es verursacht Überlastungen, lokale Überflutungen und ist oft schon nach kurzer Zeit wieder aus der Gemeinde verschwunden. Für das Grundwasser bleibt dabei erstaunlich wenig übrig.

Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, wie Wasser gespart werden kann, sondern auch, wie Regenwasser dort gehalten wird, wo es fällt. Gemeinden brauchen dafür einen Perspektivenwechsel: weg von der schnellen Ableitung, hin zu Rückhalt, Speicherung, Nutzung und – wo fachlich möglich – Versickerung. Jeder Liter, der nicht ungenutzt im Kanal verschwindet, entlastet langfristig das Trinkwassersystem.

Haag setzt auf Zisternen mit Anreizsystem 

Ein besonders greifbares Beispiel liefert die Stadt Haag. Dort wurde vor bereits sechs Jahren eine Umweltförderung für Regenwasserzisternen im Gemeinderat beschlossen. Gefördert werden neu installierte Anlagen ab 3 m³ Speicherkapazität; unterstützt werden sowohl die Nutzung für die Gartenbewässerung als auch die Einbindung in die Hauswasserverteilung. 

Die Förderung beträgt 100 Euro je Kubikmeter bei Anschluss an die Hauswasserverteilung, 50 Euro je Kubikmeter bei reiner Gartenbewässerung sowie zusätzlich 20 Euro je Kubikmeter, wenn der Überlauf nicht in den öffentlichen Mischwasserkanal, sondern in ein Retentionsbecken mit Versickerung geleitet wird. Die Obergrenze liegt bei 1.200 Euro beziehungsweise bei 50 Prozent der Investitionskosten. 

„Jede Zisterne ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag: Sie entlastet die Wasserversorgung, hält Regenwasser in der Gemeinde und macht uns ein Stück unabhängiger“, erklärt Lukas Michlmayr, Bürgermeister von Stadt Haag, dazu. 

Lukas Michlmayr
Lukas Michlmayr, Bürgermeister von Stadt Haag: „Jede Zisterne ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag: Sie entlastet die Wasserversorgung, hält Regenwasser in der Gemeinde und macht uns ein Stück unabhängiger.“

Regenwasserzisternen gehören zu den naheliegendsten und zugleich wirksamsten Maßnahmen. Sie sammeln Niederschläge von Dachflächen und machen sie für Zeiten verfügbar, in denen Wasser tatsächlich gebraucht wird. Im privaten Bereich können Zisternen für Gartenbewässerung, Reinigungsarbeiten oder – bei entsprechender technischer Ausführung – auch für die Toilettenspülung genutzt werden. Im kommunalen Bereich bieten sich Schulen, Kindergärten, Bauhöfe, Sportanlagen, Friedhöfe oder Gemeindeämter als Standorte geradezu an.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Sauberes Trinkwasser muss nicht dort eingesetzt werden, wo Regenwasser völlig ausreicht. Das senkt den Verbrauch, spart Kosten und schafft zugleich ein Bewusstsein für den Wert der Ressource. Besonders interessant ist die Kombination mit größeren Dachflächen, etwa auf Turnsälen, Veranstaltungszentren oder Feuerwehrhäusern. Dort können beachtliche Mengen gesammelt werden, die in trockenen Wochen für Grünraumpflege oder Reinigungsarbeiten zur Verfügung stehen.

Wichtig ist allerdings eine gute Planung. Zisternen ersetzen keine umfassende Wasserstrategie, sie sind aber ein sehr sinnvoller Baustein – dezentral, sichtbar und gut vermittelbar.

Regenrückhaltebecken: vom Schutzbauwerk zum Wasserspeicher

Regenrückhaltebecken werden häufig vor allem unter dem Aspekt des Hochwasserschutzes betrachtet. Das ist richtig, greift aber zu kurz. Gut konzipierte Rückhaltebecken können mehr sein als technische Zwischenlager. Sie puffern Niederschläge, verlangsamen den Abfluss und schaffen die Voraussetzung dafür, dass Wasser zeitverzögert versickern oder für Bewässerungszwecke genutzt werden kann.

Vor allem in Siedlungsgebieten mit hohem Versiegelungsgrad sind solche Anlagen ein Schlüssel zur Klimaanpassung. Sie entlasten die Kanalisation bei Starkregen und helfen, die Wassermengen besser zu steuern. Noch wirksamer werden sie, wenn sie mit naturnahen Elementen kombiniert werden: flache Mulden, bepflanzte Versickerungsbereiche, Retentionsräume oder Feuchtflächen. So entsteht aus einem rein technischen Bauwerk ein multifunktionaler Freiraum mit Nutzen für Wasserhaushalt, Ortsbild und Biodiversität.

Entscheidend ist dabei, dass Wasser nicht einfach nur gesammelt, sondern möglichst lange in der Fläche gehalten wird. Wo es der Untergrund zulässt und der Grundwasserschutz gewahrt bleibt, kann kontrollierte Versickerung ein wichtiger Beitrag zur Neubildung von Grundwasser sein. Nicht jedes Oberflächenwasser eignet sich dafür gleichermaßen – insbesondere Wasser von stark belasteten Verkehrsflächen braucht eine entsprechende Vorreinigung. Genau deshalb braucht es fachlich saubere Konzepte statt pauschaler Schnellschüsse.

Hans-Jürgen Resel
Hans-Jürgen Resel, Bürgermeister von St. Leonhard am Forst: „Der Hochwasserschutz wird wesentlich zur Sicherheit bei Hochwasserereignissen beitragen und die Lebensqualität vieler Gemeindebürger und -bürgerinnen verbessern.“

Ein gutes Beispiel für die Bedeutung von Regenrückhaltebecken liefert St. Leonhard am Forst. Mit dem Hochwasser-Rückhaltebecken am Dangelsbach wurde dort ein wichtiger Baustein für den Schutz vor Starkregen und Hochwasser geschaffen. Bürgermeister Hans-Jürgen Resel brachte den Nutzen des Projekts auf den Punkt: „Dieser Hochwasserschutz wird wesentlich zur Sicherheit bei Hochwasserereignissen beitragen und die Lebensqualität vieler Gemeindebürger und -bürgerinnen verbessern.“

Mulden, Rigole, Grünstreifen: die unsichtbaren Helfer

Nicht immer braucht es große Bauwerke. Oft sind es gerade die kleineren, dezentralen Maßnahmen, die in Summe große Wirkung entfalten. Mulden-Rigolen-Systeme, Versickerungsstreifen, bepflanzte Senken oder sogenannte Regengärten nehmen Niederschläge auf, speichern sie zwischen und geben sie langsam an den Boden ab. Sie funktionieren im Idealfall direkt dort, wo das Wasser anfällt – am Parkplatz, entlang einer Straße, neben einem Gehweg oder auf Freiflächen öffentlicher Gebäude.

Diese Lösungen sind besonders wertvoll, weil sie das Prinzip der „Schwammgemeinde“ praktisch umsetzen: Regen fällt, wird zurückgehalten, versickert verzögert und steht Vegetation und Boden länger zur Verfügung. Gleichzeitig verbessern solche Systeme das Mikroklima, weil begrünte Flächen Verdunstung und Kühlung ermöglichen. Gemeinden, die bei Neuplanungen oder Sanierungen auf solche Elemente setzen, schaffen damit nicht nur technische Infrastruktur, sondern auch sichtbar lebenswertere Räume.

Entsiegelung ist aktive Wasserpolitik

Wer über Wassersparen und Grundwasserneubildung spricht, muss auch über Boden sprechen. Versiegelte Flächen sind in vielerlei Hinsicht problematisch: Sie verhindern das Einsickern von Niederschlägen, heizen sich stark auf und beschleunigen den Abfluss in die Kanalisation. Jeder Quadratmeter Asphalt, der nicht zwingend nötig ist, sollte daher hinterfragt werden.

Das gilt im Großen wie im Kleinen. Leerstandsmanagement und Innenentwicklung sind ebenso Teil einer nachhaltigen Wasserstrategie wie die Frage, ob jeder Platz vollflächig asphaltiert sein muss. Parkplätze können mit Rasengittersteinen oder anderen wasserdurchlässigen Belägen gestaltet werden, Wege mit Naturpflaster oder Schotterrasen. Schulhöfe, Vorplätze und Nebenflächen lassen sich oft mit überschaubarem Aufwand entsiegeln und begrünen.

Entsiegelung ist kein Nebenthema der Raumordnung, sondern aktive Wasserpolitik. Denn nur ein offener, belebter Boden kann Regen aufnehmen, speichern und in den natürlichen Kreislauf zurückführen.

Im Haushalt liegt enormes Sparpotenzial

So wichtig Infrastrukturmaßnahmen sind: Auch im Haushalt entscheidet sich ein erheblicher Teil des Wasserverbrauchs. Gerade deshalb sollte kommunale Bewusstseinsbildung nicht mit erhobenem Zeigefinger arbeiten, sondern konkret, alltagstauglich und motivierend sein. Denn viele Einsparungen sind erstaunlich einfach.

Ein gutes Beispiel ist die Spartaste am WC. Ein erheblicher Anteil des häuslichen Wasserverbrauchs entfällt auf die Toilettenspülung. Wo kleine und große Spülmengen bewusst eingesetzt werden, lässt sich ohne Komfortverlust sofort Wasser sparen. Noch größer wird die Wirkung, wenn ältere Spülkästen modernisiert oder undichte Anlagen rasch repariert werden. Dasselbe gilt für tropfende Wasserhähne, defekte Armaturen oder laufende Spülkästen – kleine Schäden mit oft großer Wirkung.

Dazu kommen Wasserspararmaturen, volle Wasch- und Geschirrspülmaschinen, kürzere Duschzeiten, das Abstellen des Wasserhahns beim Zähneputzen sowie der Verzicht auf das Reinigen von Flächen unter ständig fließendem Wasser. Auch im Garten lässt sich viel erreichen: mit Regentonnen, standortgerechten Pflanzen und dem Gießen am Abend statt in der Mittagshitze.

Bewusstseinsbildung ohne Moralkeule

Technische Maßnahmen allein reichen nicht aus, wenn das Thema im Alltag unsichtbar bleibt. Darum braucht es Aufklärung – aber in einer Sprache, die Menschen erreicht. Nicht alarmistisch, nicht belehrend, sondern nachvollziehbar. Informationsabende, Gemeindebroschüren, Schwerpunktseiten in Gemeindezeitungen, Online-Checks für den Wasserverbrauch oder Aktionen in Schulen und Vereinen können viel bewirken. Gerade Kinder und Jugendliche tragen neue Gewohnheiten oft am schnellsten in die Familien.

Entscheidend ist, das Thema positiv zu besetzen: Wasser sparen ist kein Verzichtsprogramm, sondern ein Ausdruck von Verantwortung, Hausverstand und Zukunftsfähigkeit. Wer der Bevölkerung zeigt, dass bereits kleine Schritte Wirkung entfalten, schafft Akzeptanz für größere Projekte. 

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 9/2026.