
Umweltminister Andrä Rupprechter informiert sich über die Funktionsweise der Messstellen und Prognosenerstellung.
Österreich ist für den atomaren Ernstfall gerüstet
„Atomenergie ist keine nachhaltige Form der Energiegewinnung. Sie belastet die nächsten Generationen und birgt unkalkulierbare Risiken“, so Umweltminister Andrä Rupprechter bei der Präsentation der neuen Strahlenschutzzentrale in Wien.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft ist für die Koordination des Strahlenschutzes (das ist die radiologische Notfallplanung) zuständig. Im Zentrum stehen der Schutz und die umfassende Information der Bevölkerung.
Um den Strahlenschutz zu gewährleisten, betreibt das Umweltministerium ein Strahlenfrühwarnsystem mit mehr als 300 Messstellen in ganz Österreich, das die Umwelt permanent auf radioaktive Kontaminationen überwacht. Dazu kommen zehn Luftmonitorstationen an den Grenzen sowie eigene Messstellen bei grenznahen Kernkraftwerken. Auch die Daten ausländischer Stationen werden online eingespielt. Erhöhte Messwerte lösen sofort einen Alarm in der neuen Zentral in der Unteren Donaustraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk aus.
Bei Freisetzung von Radioaktivität – die vornehmliche Gefahr geht von den relativ vielen grenznahen AKW aus – können die Auswirkungen auf Österreich mit speziellen Prognosesystemen rasch abgeschätzt werden. Mit Hilfe von Wetterprognosen und Modellrechnungen kann die Ausbreitung der kontaminierten Luft prognostiziert und damit wertvolle Zeit für die Schutzmaßnahmen gewonnen werden. Die Notfallplanung ist auf die Schwere der Vorfälle ausgerichtet.
„Wir müssen auf den Ernstfall vorbereitet sein. Wir haben zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um rasch reagieren und die Bevölkerung effektiv schützen zu können“, so der Minister. Der Leiter der Zentrale, Viktor Karg, assistiert: „Zum effektiven Schutz der Bevölkerung gehört auch, nur verifizierte Nachrichten in Umlauf zu bringen. Nur so ist eine Panik zu vermeiden – die mit Abstand größte Gefahr bei AKW-GAUs (GAU= größter anzunehmender Unfall, Anm. d. Red.). Daher gibt es eingespielte Kommunikationskanäle zu den Ministerien sowie den zuständigen Stellen in den Ländern.“ Warum die Gemeinden als die erste Anlaufstelle der Menschen nicht auch gleich informiert werden? Karg: „Zum einen sind Strahlenunfälle nicht vollflächig zu erwarten. Wenn es in Niederösterreich Alarm gibt, ist zu vermuten, dass in Vorarlberg nichts ist. Und zum anderen liegt die Information der Gemeinden eindeutig in der Kompetenz der Länder.“
Eine wesentliche Rolle beim Notfallmanagement spielt die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten und den beteiligten Stellen in Österreich (Bundes- und Länderbehörden bis hin zu den Einsatzkräften). Österreich hat mit allen Nachbarstaaten, die Kernkraftwerke betreiben, bilaterale Abkommen abgeschlossen, die Informationsaustausch, gemeinsame Übungen und Zusammenarbeit im technischen und Sicherheits-Bereich vorsehen.
Im Umfeld von Österreich gab es in den letzten Jahrzehnten nur einen einzigen „schweren Störfall“ (INES 3) in der ungarischen Anlage Paks (2003). Auswirkungen außerhalb einer Anlage gibt es erst ab INES 4.

Evakuierungen ausgeschlossen
Auf die Frage, was nach einem GAU in einem grenznahen AKW passieren müsste, präzisiert Viktor Karg: „Schon bei einem Unfall werden wir informiert. Danach wird noch im AKW ein Gefahrenszenario ausgewertet. Das alles passiert, bevor Strahlung austritt. Da sind wir schon informiert. Dann erarbeiten unsere Leute, die in der Zentrale und den Länderstellen in permanenten 24-Stunden-Diensten sind, verschiedene Modelle und Prognosen. Da geht es um Windrichtung und –stärke, um Niederschlagswahrscheinlichkeiten und ähnliches.“
Es sieht dann so aus, dass in der Vorwarn-Phase die Bevölkerung via ORF und Social-Media informiert wird und beispielsweise die Nutztiere von den Weiden in die Ställe gebracht werden. Erst wenn die eigentliche „radioaktive Wolke“ kommt, sollten die Menschen in die Häuser gehen und dort für rund ein bis zwei Tage bleiben. Und im Bedarfsfall liegen ja jetzt schon Kaliumjod-Tabletten in den Apotheken, die im Ernstfall eingenommen werden sollen.
Wenn „die Wolke“ dann durchgezogen ist, kann der Schutz der Häuser dann auch wieder verlassen werden. Wie es um den Schutz der Lebensmittel und Tiere und um Strahlenschutz generell aussieht und welche Schritte das Notfallmanagement wann einleitet, kann auf der Website www.strahlenschutz.gv.at erhältlich sind.
Energiewende forcieren
„Aber der beste Schutz gegen die Atomgefahr ist immer noch der Umstieg auf sichere, nachhaltige, erneuerbare Energieformen“, erklärt Minister Rupprechter abschließend. Die Energiewende ist ein zentrales Element im Klimaschutz. Rupprechter will, dass dies auch in den EU-Verträgen verankert wird. Mit dem Energiewendevertrag soll die erneuerbare Energie forciert und die Abhängigkeit von fossiler und nuklearer Energie reduziert werden. Beim Umweltministerrat am 4. März wird der Minister das „Energiewende-Protokoll zur Forcierung umweltfreundlicher Energien in der Europäischen Union“ einbringen.