DNA-Tests für Hundekot? Ernsthaft?
Was da aus den USA wieder nach Europa schwappt, könnte man schnell als „Schnapsidee“ bezeichnen. Bei näherer Betrachtung vergeht einem das Lachen aber eher schnell.
Das Thema „Hundekot“ ist ganz offenbar nicht nur in europäischen Gemeinden ein Riesen-Aufreger. Mehrere US-Bundesstaaten sind dazu übergegangenen, von „straffällig gewordenen“ (im Sinne von nicht weggeräumten) „Hunde-Hinterlassenschaften“ DNA-Tests anzufertigen und mit – ganz offensichtlich zuvor angelegten – DNA-Proben der Tiere zu vergleichen. Das passiert natürlich nicht im Rinnstein, sondern die Häufchen werden von den Behörden wie Beweisstücke gesichert und anschließend ins Labor gebracht. Einzelne Stadtteile von London sowie die Stadt Neapel planen nach Berichten in mehreren europäischen Zeitungen dem Vernehmen nach 2016 ebenfalls die Einführung dieser Tests zumindest als Pilotprojekt; der Strafrahmen soll um die 110 Euro (oder 80 Pfund) betragen plus natürlich der Kosten für den Test.
Jetzt muss man vorwegschicken, dass in manchen Gegenden (und zwar völlig egal, ob Stadt oder Land) die Hundescheiße – um das Kind einmal beim Namen zu nennen – wirklich ein Problem ist. Wer kennt nicht das fiese Gefühl, das sich breit macht, wenn sich unter der Schuhsohle „etwas breit macht“. Immer wieder sieht man Leute, die vor sich hin fluchend ihr Schuhwerk mehr schlecht als recht zu reinigen versuchen.
Ich habe auch als Hundebesitzer jedes Verständnis dafür, die nachlässigen Hundehalter dafür zur Verantwortung zu ziehen. Aber wo setzt man hier an, wo zieht man eine Grenze?
Ist es legitim, die sprichwörtliche alte Oma, die mit ihrem Schoßhündchen durch den Park trippelt und sich so schon kaum mehr bücken kann, anzuschnauzen, weil sie hinter ihrem Hund nicht wegräumt (wegräumen kann)? Wie soll man den halbstarken Prolo zurechtweisen, der mit seinem Kampfhund an der Kette wie ein Gockel daherstolziert? Und was sagt man der fein gekleideten Lady oder dem Sir, die offensichtlich nicht einmal im Traum daran denken, das Sackerl fürs Gackerl zu nehmen und die Hinterlassenschaften ihrer Hunde zu beseitigen? Das sind aber nur drei Typen Hundehalter, denen man über den Weg läuft – und Gottseidank sind sie deutlich in der Minderheit.
Zurück zum DNA-Test: Einmal abgesehen von dem Aufwand, der bei so einer „CSI Hundescheiße“ getrieben wird, legt die Geschichte auch einen Finger auf eine Wunde. Was geschieht eigentlich mit uns als Gesellschaft, wenn wir auf solche Ideen kommen? Oder muss man fragen, was mit uns als Gesellschaft schon geschehen ist? Wenn DNA-Tests und die damit einhergehende ständig steigende Überwachung die Antwort sind? Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Antwort auf alle Probleme unserer Gesellschaft mehr Überwachung und mehr Strafe bis hin zu einer schleichenden Teil-Entmündigung ist. Und niemand ruft STOPP!
Die NSA lässt grüßen – aber hoffentlich nicht bei uns, da steige ich lieber einmal „ins Glück“.