Attersee
Nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung der Wasserbilanz im September begann der Spiegel des Attersees erneut weiter zu sinken und befindet sich derzeit auf einem historischen Tiefststand.
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Wasserhaushalt bleibt trotz Regen angespannt

6. Oktober 2026
Der Regen im September hat die Lage in Oberösterreich etwas entspannt. Die Folgen des trockenen Jahres sind aber weiter deutlich zu sehen. Der Attersee liegt auf einem historischen Tiefststand. Das Grundwasser ist vielerorts niedrig bis sehr niedrig. Das Land startet im Oktober eine Info-Kampagne zum Thema Wasser.

Nach drei extrem trockenen Sommermonaten regnete es im September wieder fast überall im Land. Trotzdem fiel in Oberösterreich um 10 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. In den vergangenen zwei Jahren regnete es insgesamt um ein Viertel weniger als üblich.

Dazu kamen hohe Temperaturen. Die Lufttemperatur lag heuer um 1,6 Grad über dem Durchschnitt. Im August betrug das Plus sogar 3,4 Grad, im September 2,0 Grad. Das führte zu mehr Verdunstung.

„Der Regen im September war wichtig, aber die Dürre ist damit nicht vorbei“, sagt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder. Beim Grundwasser gehe es nicht um einen kräftigen Regenguss. „Was wir brauchen, sind über längere Zeit ruhige und ergiebige Niederschläge, die in die Böden einsickern und unsere Grundwasserkörper wieder auffüllen können.“

Grundwasser reagiert oft erst mit Verzögerung auf Niederschläge. In vielen Regionen bleibt die Lage daher angespannt. Die von Kaineder eingesetzte Taskforce Trockenheit tagt weiterhin regelmäßig.

Attersee auf historischem Tiefststand

Am deutlichsten zeigen sich die Folgen an den Seen. Am Pegel Kammer am Attersee wurde bereits Anfang September der bisherige Rekordtiefstand der Messreihe unterschritten. Im September stabilisierte sich die Wasserbilanz zwischenzeitlich. Über die Seeache floss aus dem Mondsee etwa so viel Wasser zu, wie über die Ager abfloss. Danach sank der Seespiegel wieder. Derzeit liegt er auf einem historischen Tiefststand.

Auch Wolfgangsee, Mondsee und Irrsee haben deutlich unterdurchschnittliche Wasserstände. Hallstättersee und Traunsee sind weniger stark betroffen.

Trinkwasserversorgung großteils stabil

Trotz niedrigster Grundwasserstände ist die Trinkwasserversorgung weitgehend gesichert. Eine flächendeckende Knappheit gibt es nicht. Im Sommer hatten einzelne kleinere Wasserversorger und Haushalte Probleme. Diese konnten vielerorts entschärft oder behoben werden. Für einzelne Versorger bleibt die Lage aber schwierig. Manche Brunnen und Quellen sind trockengefallen.

Dass die öffentliche Versorgung großteils stabil blieb, liegt laut Land auch an der Vorsorge der vergangenen Jahre. Gemeinden, Wasserversorger und Land haben konsequent vorgesorgt. Das Land unterstützte den Bau zusätzlicher Brunnen, größerer Hochbehälter, leistungsfähigerer Leitungsnetze und Verbindungen zwischen benachbarten Wasserversorgern.

Anfällig bleiben vor allem einzelne Haushalte und kleinere Anlagen. Das betrifft jene, die nur von wenig ergiebigen Quellen oder seichten Brunnen abhängen.

Mehr Starkregen, weniger Schnee

Die Wasserwirtschaft steht vor einer doppelten Aufgabe. Sie muss Wasser in trockenen Zeiten verfügbar halten. Gleichzeitig muss sie vor zu viel Wasser bei immer heftigeren Niederschlägen schützen.

Das Land verzeichnet eine Zunahme von Starkregenereignissen um 10 Prozent. Laut aktuellen Studien sind die stärksten Zunahmen bei Hochwasserereignissen an kleinen und mittleren Gewässern zu erwarten. Lokale Überflutungen durch Starkregen werden auch abseits von Bächen und Flüssen wichtiger.

Zugleich ist mit längeren Trockenperioden zu rechnen. Weniger Schnee im Winter bedeutet weniger Grundwasserneubildung durch die Schneeschmelze im Frühjahr. Im Sommer verdunstet wegen der höheren Temperaturen mehr Niederschlag. Auch das verringert die Neubildung von Grundwasser.

Renaturierung und Rückhaltebecken

„Renaturierung ist wie eine Versicherung in der Landschaft“, sagt Kaineder. Werden verbaute Gewässerbetten aufgeweitet, können sich Flüsse natürlich ausbreiten. Das bremst die Fließgeschwindigkeit, dämpft Hochwasserspitzen und schafft Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Seit 2009 wurden in Oberösterreich 225 Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie abgeschlossen. Mit Stand Jänner 2026 liefen 105 weitere Projekte. Als technischen Schutz gibt es 129 Rückhaltebecken mit einem Volumen von 21,6 Millionen Kubikmetern.

Trotz aller Vorkehrungen lässt sich nicht jedes Hochwasser verhindern. Ein Restrisiko bleibt. Wirksamer Hochwasserschutz verbindet daher Schutzmaßnahmen und Renaturierung mit der Eigenvorsorge der Bevölkerung.

Trinkwasser kommt zur Gänze aus dem Boden

Das Trinkwasser in Oberösterreich stammt zu 100 Prozent aus Grund- und Quellwasser. 2.250 Messstellen liefern laufend Daten zu Qualität und Menge. 5.500 Schutzgebiete und 35 Schongebiete sichern das Grund- und Quellwasser langfristig. Die Brunnen und Quellen der öffentlichen Wasserversorger werden überwacht. Jährlich werden dafür mehr als 11.000 Probenergebnisse gemeldet und geprüft.

Mehr als 90 Prozent der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sind an Abwasserreinigungsanlagen angeschlossen. Moderne Kläranlagen filtern bis zu 99 Prozent der organischen Schmutzfracht aus dem Abwasser.

Kampagne „Weil wir alle aufs Wasser schauen“

Mit der Kampagne „Weil wir alle aufs Wasser schauen“ will die Abteilung Wasserwirtschaft des Landes den Wert des Wassers und die Arbeit zu seinem Schutz stärker bewusst machen. Drei Sujets stellen die Themen Grundwasser, Wasser im Klimawandel und Renaturierung in den Mittelpunkt. Sie zeigen, welche Herausforderungen auf das Land zukommen, was bereits getan wird und was ein sorgsamer Umgang mit Wasser beitragen kann.

Ziel ist es, Wissen zu vermitteln und Zusammenhänge verständlich zu machen. Laut Land sind eine sichere Wasserversorgung, lebendige Gewässer und wirksamer Schutz vor Hochwasser keine Selbstverständlichkeit. Sie seien das Ergebnis langfristiger Vorsorge und eine gemeinsame Aufgabe.

Die Website wasser.ooe.gv.at bündelt Informationen, praktische Hinweise und Einblicke in aktuelle Projekte. Künftig soll es auch Bildungsmaterialien für Schulen geben. Die Kampagne ist im Oktober in ganz Oberösterreich zu sehen. Sie läuft in Printmedien, im Kino, im Fernsehen, im Radio, online und auf Plakaten.

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