Ein großer Baum macht aus einem Dorfplatz einen Treffpunkt: Sein Schatten lädt zum Verweilen ein und schafft Raum für Begegnungen.
Natur braucht Platz
Bäume, Hecken und Wiesen prägen das Gesicht einer Gemeinde. Sie spenden Schatten, schaffen Lebensräume und machen öffentliche Plätze einladender. Doch damit aus einer Pflanzaktion dauerhaft wertvolles Grün wird, braucht es vorausschauende Planung und die richtige Pflege. Was können Gemeinden dabei aus früheren Begrünungsinitiativen lernen?
Ende der 1980er-Jahre starteten in Niederösterreich erste Initiativen, um mehr „Natur ins Dorf“ zu bringen. Einige dieser mehr als 30 Jahre zurückliegenden Bepflanzungen sind heute noch atmosphärisch ansprechend, und es gibt aus dieser Zeit noch Baumzeilen, die auch heute kühlend wirken. Für Gemeinden können sie ein guter Aufhänger sein, um auf frühere Initiativen zurückzublicken: Was hat sich bewährt? Und welche Fehler lassen sich bei neuen Projekten vermeiden?
Vom Ortsbild zum Lebensraum
Seit 1987 arbeitet Christian Winkler als selbstständiger Landschaftsplaner. Den Blick auf die Begrünungsinitiativen Ende der 1980er verbindet er heute mit einer differenzierten Einschätzung: „Meines Erachtens stand ein gefälliges Ortsbild im Mittelpunkt der damaligen Bemühungen. In den 80ern prägten schöne Pflasterungen, einige Bäume und ein paar Blumenkisterln vielerorts die Vorstellung von kommunaler Gestaltung.“ Ökologische Aspekte im urbanen Raum rückten erst nach und nach stärker in den Vordergrund, häufig forciert durch das Engagement von Einzelpersonen oder Gruppen.
Eine der damaligen Initiativen war die Aktion „Natur ums Dorf“ der NÖ Agrarbezirksbehörde, bei der vor allem die gezielte Anpflanzung von Hecken und Bäumen im Fokus stand. Doch nachhaltige Begrünung sollte man größer denken: Sie soll das Ortsbild bereichern, Begegnung ermöglichen und Lebensräume schaffen.
Nicht alle Wünsche passen dabei immer zusammen. Wo die einen Bäume wollen, sehen andere vor allem den Bedarf an Parkplätzen. Laub wird von einigen als störender „Dreck“ wahrgenommen. Für heutige Projekte bleibt – wenn man die Aktionen der 80er analysiert – vor allem eine wichtige kommunikative Aufgabe bestehen: Den Menschen den Nutzen von Grün verständlich zu machen.
Unter der Erde beginnen
Eine der wichtigsten Lehren liegt für Winkler unter der Oberfläche: „Gehölze benötigen in entsprechender Kubatur durchlüfteten, wasserspeichernden Wurzelraum.“ Gerade hier seien früher viele Fehler passiert. „Da schließe ich mich nicht aus“, sagt der Planer selbstkritisch. Was oberirdisch wachsen soll, braucht unterirdisch ausreichend Platz und geeignete Bedingungen. Bei Baumpflanzungen empfiehlt er deshalb geeignete Substrate, die Wasser speichern und zugleich luftdurchlässig sind.
Auch die Betreuung nach der Pflanzung darf nicht unterschätzt werden: Für Jungbäume nennt Winkler eine ausreichende Wasserversorgung über mindestens fünf Jahre. Je nach Situation könne ein Gießgang bis zu 100 Liter erfordern. Hinzu kommt rechtzeitiger, fachgerechter Schnitt, etwa um den nötigen freien Raum über Verkehrsflächen zu sichern. Für Gemeinden heißt das: Mit dem Kauf der Pflanzen ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. Bewässerung, Kontrolle und Pflege gehören von Anfang an in die Planung.
Die Hecke richtig planen
Auch eine naturnahe Hecke beginnt mit der Standortwahl. Durchlässiger, wasserspeichernder Boden ist eine wesentliche Voraussetzung. Ebenso wichtig ist die Fläche, die den ausgewachsenen Sträuchern zur Verfügung steht.
Der erfahrene Landschaftsplaner bringt es auf den Punkt: „Naturhecken brauchen Platz.“ Wer diesen Platz zu knapp bemisst, schafft sich unter Umständen einen dauerhaften Pflegeauftrag. Gemeinden sollten bereits bei der Planung berücksichtigen, wie groß die Gehölze werden. So lässt sich vermeiden, dass diese später ständig zurückgeschnitten werden müssen. Auch die Übersichtlichkeit von Wegen und Aufenthaltsbereichen gehört dabei bedacht.
Für die Pflanzenauswahl hat Christian Winkler einen ebenso einfachen wie anschaulichen Rat: „Ich empfehle einen Spaziergang ums Dorf.“ Dort lässt sich beobachten, welche Gehölze in der Umgebung wachsen, wie groß sie werden und ob beispielsweise Früchte zu Boden fallen. Diese Beobachtungen liefern Anhaltspunkte, doch die konkrete Auswahl muss zum vorgesehenen Standort und seiner Nutzung passen. Ergänzend empfiehlt Christian Winkler die Beratungsdienstleistungen des Teams von „Natur im Garten“.
Nach dem Pflanzen legt er den Kommunen wöchentliche Kontrollen, bedarfsgerechte Bewässerung, Mulchen und regelmäßiges Jäten ans Herz. Und auch der Umgang mit problematischen gebietsfremden Pflanzen (Stichwort: Neophytenmanagement) kann zur herausfordernden Aufgabe werden.
Pflege bewusst verändern
Naturnahes Grün kann Arbeit sparen, verlangt aber eine passende Pflege. Winkler rät, geeignete Rasenflächen in Bienenwiesen umzuwandeln. Für intensiv genutzte Spielflächen ist das allerdings keine pauschale Lösung. Kritisch sieht er ständig zurechtgestutzte „Hausmeisterschnitthecken“, weil sie Arbeitskraft und Ressourcen binden. Für die Akzeptanz naturnaher Flächen setzt er auf deren Nutzen für Bienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge.
Wo sollten Gemeinden nun am einfachsten beginnen? Winkler nennt Schattenbäume, Flächen zum Rückhalt von Regenwasser und die Umwandlung geeigneter Rasenflächen in Heuwiesen. Die Lehre aus früheren Initiativen ist dabei einfach: Wer heute pflanzt, gestaltet den Ort für Jahrzehnte. Dafür braucht Natur Platz – und eine Gemeinde, die ihre Entwicklung begleitet.