Spaziergänger im Wald
Der Wald ist Wirtschaftsraum, Lebensraum und ein wichtiger Anziehungspunkt für Erholungssuchende.
© Nico Billensteiner

Der Wald als Erholungsraum

Ein Knacken im Unterholz, der Duft feuchter Erde, Sonnenlicht zwischen den Baumwipfeln. Für manche bedeutet der Wald Ruhe, für andere sportliche Herausforderung. Wieder andere bewirtschaften ihn oder schützen den Lebensraum von Wildtieren. Gerade Gemeinden stehen vor der Frage: Wie lassen sich Natur, Freizeit und Tourismus miteinander vereinbaren?

Der Wald ist Wirtschaftsraum, Lebensraum und ein wichtiger Anziehungspunkt für Erholungssuchende. Wanderwege, Mountainbike-Strecken und naturnahe Freizeitangebote können Gäste anziehen, Nächtigungen fördern und regionale Betriebe stärken. Voraussetzung ist, dass die Angebote zur Landschaft passen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden.

Ein Wald, viele Interessen

Mountainbiken ist längst mehr als ein Nischensport. Das Land Niederösterreich bezifferte das Gesamtangebot 2022 auf rund 6.000 Kilometer Mountainbike-Strecken, Touren und Trails. Besonders ausgeprägt ist das Routennetz im Wienerwald: Die regionale Tourismusinformation nennt für den Wienerwald 1.370 Kilometer ausgewiesene Mountainbike-Strecken. 

Die Österreichischen Bundesforste haben in Niederösterreich zudem rund 400 Kilometer Forstwege fürs Mountainbiken freigegeben. Diese Zahl bezieht sich ausschließlich auf die von den Bundesforsten freigegebenen Wege und nicht auf das gesamte Angebot des Landes.

Forstwege dienen auch der Waldbewirtschaftung, können bei Holzarbeiten gesperrt sein und liegen mitunter in sensiblen Naturräumen. Gleichzeitig möchten Wandernde die Natur genießen und Radfahrende attraktive Strecken vorfinden. Wo viele Interessen aufeinandertreffen, braucht es klare Regeln und gegenseitige Rücksichtnahme.

„Der Wald ist Lebensraum, Arbeitsplatz und Erholungsraum zugleich. Diese unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach – gerade in stark besuchten Gebieten wie dem Wienerwald“, erklärt Gerald Oitzinger von den Bundesforsten. Um Konflikte zu vermeiden, setzen sie auf „gegenseitige Rücksichtnahme, klare Regeln und eine gezielte Entflechtung der verschiedenen Nutzungen“. Dazu gehören beispielsweise eigene Mountainbike- oder Reitwege.

Konflikte gemeinsam lösen

Auch die Jagd muss berücksichtigt werden. Wildtiere brauchen Rückzugsräume, zugleich ist die Jagd für die Waldentwicklung wichtig. „Auch eine verantwortungsvolle Jagd ist ein wesentlicher Baustein für den klimafitten Wald der Zukunft, denn nur bei angepassten Wildbeständen können junge Bäume unterschiedlicher Arten natürlich nachwachsen“, betonen die Bundesforste.

Wie frühzeitige Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigen die Wexl Trails in St. Corona am Wechsel. Karl Morgenbesser, Gründer des Mountainbike-Angebots, berichtet: „Dank der sehr frühen Transparenz und einer offenen Gesprächsbasis, auf der jede Partei versucht hat, die andere zu verstehen, ist die Entwicklung der Wexl Trails sehr konfliktarm über die Bühne gegangen.“

Wer bei der Planung an einen Tisch gehört, ist für ihn klar: „Unbedingt an einen Tisch gehören die Grundeigentümer sowie die berechtigten Wegehalter, außerdem die Jagd- und Forstbetriebe. Nur gemeinsam lässt sich bewerten, wo es mögliche Restriktionsräume gibt und welche Zonen sich eher für Touren, Routen und Trails eignen.“

Wenn Zusammenarbeit neue Wege eröffnet

Karl Morgenbesser
Karl Morgenbesser, Gründer und Geschäftsführer der Wexl Arena: „Wir wollten in der Region neue, identitätsstiftende Angebote schaffen, und das ist uns mit den Wexl Trails gelungen.“ Foto: Stefan Wallner

Die Wexl Trails zeigen, wie Mountainbiken zum touristischen Aushängeschild einer Region werden kann. Ausgangspunkt war die Neuausrichtung des in die Jahre gekommenen Skigebiets St. Corona. Gesucht wurden Angebote, die den Sommerbetrieb und die Region stärken. Morgenbesser sagt: „Außerdem wollten wir in der Region neue, identitätsstiftende Angebote schaffen, und das ist uns mit den Wexl Trails gelungen. Die Kids sind heute stolz darauf, am Wexl zu leben und vom Wexl zu kommen.“

Die Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben führte dabei nicht nur zu Einschränkungen, sondern zu zusätzlichen Strecken. Sie sollen Biker gezielt von sensiblen Bereichen weglenken. Ein Beispiel ist der WU-Trail am Hochwechsel. Morgenbesser erklärt: „Auf Streckenabschnitte mussten wir nicht verzichten, im Gegenteil: Weil sich die Forstbetriebe so intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt haben, wurden sogar zusätzliche Strecken gefordert, um die Biker gezielt zu lenken, und zwar weg von sensiblen Bereichen hin zu deren Randzonen.“

Das Beispiel zeigt: Gute Planung muss kein Gegeneinander bedeuten. Werden alle Beteiligten früh eingebunden, können Lösungen entstehen, die Freizeit ermöglichen und zugleich Natur und Waldbewirtschaftung berücksichtigen.

Was Gemeinden daraus lernen können

Morgenbesser empfiehlt Gemeinden, eine verantwortliche Ansprechperson zu bestimmen und Fachleute früh einzubeziehen: „Wichtig ist, einen kompetenten Kümmerer zu benennen, der sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzt. Außerdem sollte man sehr früh Spezialisten an Bord holen.“ Diese könnten wichtige Themen aufzeigen und die Beteiligten über Rechtslage, Zielbild und Möglichkeiten informieren.

Mountainbiker
Die Wexl Trails zeigen, wie Mountainbiken zum touristischen Aushängeschild einer Region werden kann. Foto: Markus Frühmann

„Gemeinden und Tourismusverbände sind wichtige Partner, die durch entsprechende vertragliche Vereinbarungen die Nutzung dieser Strecken ermöglichen“, meint Gerald Oitzinger von den Bundesforsten. Ihr Vertragsmodell zur Freigabe von Mountainbike-Strecken habe sich bewährt.

Neben Vereinbarungen mit Grundeigentümern müssen Zuständigkeiten, Wartung, Beschilderung und Finanzierung geklärt werden. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Gäste angesprochen werden sollen und wie die regionale Wirtschaft profitieren kann. Mountainbike-Angebote können Nächtigungen fördern, die Gastronomie stärken und die Saison touristisch verlängern. Zugleich schaffen sie Freizeitmöglichkeiten für Einheimische. Damit wird Tourismus auch zu einem Teil jener Infrastruktur, die eine Gemeinde lebenswert macht und Menschen langfristig an ihre Region bindet.

Die Wurzeln von morgen

Damit der Wald Wirtschaftsraum, Lebensraum und Erholungsgebiet bleiben kann, braucht es Regeln, Rücksichtnahme und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu finden. Darin sind sich Gerald Oitzinger und Karl Morgenbesser einig. „Letztlich braucht es ein gutes Miteinander, damit der Wald seine vielfältigen Funktionen auch künftig erfüllen kann.“ 

Das Miteinander entscheidet, wie wir den Wald an kommende Generationen weitergeben. Nicht jede Nutzung muss überall möglich sein. Doch wenn wir einander zuhören und Verantwortung teilen, bleibt Platz für Arbeit und Naturschutz, für Bewegung und Stille, für Gäste und für die Menschen, die hier zu Hause sind. So bleibt der Wald ein lebendiger Raum, der Regionen stärkt und Menschen verbindet – heute und in Zukunft.

Am Ende ist es vielleicht genau das, was den Wald so besonders macht: Er gehört zum Alltag und ist doch jedes Mal ein Stück Auszeit.

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 11/2026.