Frau erklärt älteren Mann etwas
Behördenwege sollen möglichst einfach selbst digital erledigt werden können. Gleichzeitig muss die Verwaltung auch für jene Menschen persönlich erreichbar bleiben, die Unterstützung benötigen oder digitale Angebote nicht nutzen können oder möchten.
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Digitalisierung

Gemeindedatenplattform soll Verwaltung vereinfachen

16. Oktober 2026
Der Österreichische Gemeindebund startet die Vorbereitungen für den Aufbau einer gemeinsamen Gemeindedatenplattform. Sie soll eine sichere, verlässliche und praxistaugliche digitale Grundlage für Österreichs 2.092 Gemeinden schaffen. Ziel ist es, Verwaltungswege für die Menschen einfacher zu machen und gleichzeitig die tägliche Arbeit in den Gemeinden zu erleichtern.

Die Plattform soll von Beginn an mit den bestehenden digitalen Angeboten und Infrastrukturen des Bundes zusammenspielen. Dazu zählen insbesondere die ID Austria als digitaler Zugang zur Verwaltung, der Digital Austria Data Exchange (dadeX) für den sicheren Datenaustausch sowie Lösungen und Standards aus dem GovTech Campus. Damit entsteht keine weitere Insellösung, sondern ein kommunaler Baustein einer vernetzten österreichischen Verwaltung.

„Die Menschen sollen nicht wissen müssen, welche Verwaltungsebene im Hintergrund für ihr Anliegen zuständig ist“, betont Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll bei der Präsentation. „Entscheidend ist, dass ein Behördenweg einfach, sicher und verlässlich funktioniert. Mit ID Austria, dadeX und der Gemeindedatenplattform schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Bund, Länder und Gemeinden digital besser zusammenspielen.“

Digital, wo es möglich ist – persönlich, wo es gebraucht wird

Für Bürgerinnen und Bürger verfolgt das Projekt ein klares Zielbild: Behördenwege sollen möglichst einfach selbst digital erledigt werden können. Gleichzeitig muss die Verwaltung auch für jene Menschen persönlich erreichbar bleiben, die Unterstützung benötigen oder digitale Angebote nicht nutzen können oder möchten.

„Digital, wo es möglich ist – persönlich, wo es gebraucht wird: Das ist unser Ziel“, erklärt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. „Wer einen Behördenweg selbst digital erledigen möchte, soll das über die ID Austria einfach und sicher tun können – künftig noch umfassender als heute. Wer persönliche Unterstützung braucht, soll sich langfristig und soweit rechtlich möglich an ein Gemeindeamt oder Magistrat wenden und sein Anliegen dort auf den Weg bringen können. Für die Menschen darf es keine falsche Tür geben.“

Gemeindeämter und Magistrate sollen damit schrittweise zu wohnortnahen Anlaufstellen in einer vernetzten Verwaltung weiterentwickelt werden. Dafür braucht es klare gesetzliche Grundlagen, sichere Zugriffsregeln und einen geregelten Datenaustausch zwischen Gemeinden, Ländern und Bund. Die kommunale Selbstverwaltung und die Verantwortung der Gemeinden für ihre Daten bleiben dabei zentrale Grundsätze.

Gemeinsame Lösungen statt 2.092 Einzellösungen

Gleichzeitig soll die Gemeindedatenplattform den kommunalen Arbeitsalltag vereinfachen. Gemeinden sollen digitale Anwendungen künftig gemeinsam nutzen können, anstatt vergleichbare Lösungen jeweils einzeln entwickeln, beschaffen und betreiben zu müssen. Langfristig ist dafür auch ein digitaler Marktplatz vorgesehen. Über eine Art Gemeinde-App-Store könnten Gemeinden passende Programme etwa für Bauhofmanagement, Personalverwaltung, Wasserzählerverwaltung oder andere kommunale Aufgaben auswählen und abrufen.

Gemeinsame Standards und Schnittstellen sollen sicherstellen, dass unterschiedliche Programme miteinander funktionieren und Daten nicht mehrfach eingegeben werden müssen. „Was der Staat bereits rechtmäßig weiß, sollen Bürgerinnen und Bürger nicht immer wieder neu vorlegen müssen“, so Pröll. „Das Once-Only-Prinzip macht die Verwaltung einfacher und spart Zeit. dadeX schafft die technische Grundlage dafür, dass notwendige Daten sicher, nachvollziehbar und ausschließlich für den vorgesehenen Zweck zwischen den zuständigen Stellen ausgetauscht werden können.“

Schrittweiser Ausbau

Die Gemeindedatenplattform soll schrittweise gemeinsam mit dem Städtebund aufgebaut werden. Die konkrete fachliche, technische und organisatorische Ausgestaltung wird nun gemeinsam mit kommunalen Praktikern vertieft und anschließend ausgeschrieben. Dabei sollen die unterschiedlichen Anforderungen kleiner, mittlerer und großer Gemeinden ebenso berücksichtigt werden wie bestehende kommunale Systeme und Anwendungen.

Für die Vorbereitung und den Aufbau der Gemeindedatenplattform stellt der Bund in den kommenden drei Jahren insgesamt 8 Millionen Euro zur Verfügung. Damit stehen die Mittel für die ersten Entwicklungsschritte und den schrittweisen Aufbau bereit.

„Wir müssen digitale Lösungen nicht 2.092-mal neu erfinden“, unterstreicht Pressl. „Was lokal bleiben muss, bleibt lokal. Was gemeinsam besser funktioniert, organisieren wir gemeinsam.“

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