Frau arbeitet mit einem Stapel Papierakten, um Dokumente zu suchen
Nur knapp die Hälfte der Verwaltungsorganisationen ist mit der bis jetzt erzielten Verbesserung von Effizienz und Servicequalität zufrieden,
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Budgetdruck trifft Gemeinden am härtesten

17. Juni 2026
Österreichs öffentliche Verwaltung steht unter Druck. Besonders spürbar ist dieser in Städten und Gemeinden: 79 Prozent der befragten Vertreterinnen und Vertreter aus diesem Bereich berichten von einem hohen oder sehr hohen Budgetdruck. Das zeigt die Studie „Zukunft Verwaltung" der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im Februar und März 2026 insgesamt 173 Organisationen aus dem öffentlichen Sektor befragt wurden.

Im Durchschnitt sieht jede elfte befragte Organisation (9 Prozent) einen sehr hohen Veränderungs- und Reformdruck. Auf der anderen Seite verspürt ein Drittel der Unternehmen im öffentlichen Eigentum sowie der Kammern und Innungen kaum Druck zu Veränderungen. Der wahrgenommene Reformdruck ist also innerhalb des öffentlichen Sektors sehr unterschiedlich verteilt.

Finanzierung und Einsparungen dominieren die Agenda

Was die befragten Organisationen am stärksten beschäftigt: Finanzierungsfragen (für 58 Prozent sehr wichtig) und allgemeine Einsparungen (55 Prozent). Personalabbau hingegen gilt nur für 7 Prozent als sehr wichtiges Thema, die Reduktion von Büroflächen für 9 Prozent. Der Fokus liegt also klar auf interner Effizienzsteigerung, nicht auf substanziellen Einschnitten bei Personal oder Infrastruktur.

„Vor allem Stadt und Gemeinde kämpfen mit einem sehr hohen bzw. hohen Budgetdruck. Während die Sicherung der Finanzierung und allgemeine Einsparungen ganz oben auf der Agenda stehen, werden drastische Einschnitte beim Personal oder der Infrastruktur kaum als zielführend angesehen“, sagt Christoph Harreither, Leiter des Bereichs Government & Public Services bei EY Österreich.

Wenig Zufriedenheit mit bisherigen Fortschritten

Trotz des erkannten Handlungsbedarfs ist die Bilanz der bisherigen Effizienzverbesserungen bescheiden: Nur 46 Prozent der Verwaltungsorganisationen sind mit den bisher erzielten Fortschritten bei Effizienz und Servicequalität zufrieden. Besonders groß ist das Verbesserungspotenzial im Förderwesen: Lediglich 5 Prozent bezeichnen ihre Prozesse dort als sehr effizient, weitere 17 Prozent als eher effizient. Gut drei Viertel der Befragten sehen erheblichen Spielraum, Förderungen effizienter und wirksamer zu gestalten.

Harreither nennt konkrete Ansätze: die Vermeidung von Doppelförderungen, die Optimierung förderrelevanter Prozesse und eine systematische Evaluierung der Wirksamkeit. „Das wären geeignete Maßnahmen, um Budgetziele zu erreichen, ohne wesentliche Auswirkungen für die berechtigten Begünstigten“, so Harreither.

Leistungsmessung noch wenig verbreitet

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft die Steuerung über Kennzahlen. Die Messung von Leistung anhand von KPIs, etwa die Anzahl erledigter Fälle pro Fachkraft oder die durchschnittliche Bearbeitungsdauer, ist nur bei 5 Prozent der befragten Organisationen vollständig etabliert. Bei 30 Prozent fehlt sie gänzlich. Auch die Veränderungsbereitschaft hält sich in Grenzen: Nur in etwa einem Drittel der Organisationen wird sie als hoch wahrgenommen. In Bund und Ländern fällt dieser Wert noch niedriger aus.

Governance-Strukturen solide, aber Effizienz ausbaufähig

Knapp ein Drittel der befragten Organisationen (32 Prozent) bewertet die eigenen internen Strukturen als effizient. Bei öffentlichen Unternehmen, Kammern und Innungen stimmt immerhin die Hälfte dieser Einschätzung zu. Beim Reifegrad der Governance-Strukturen, also der Regeln, Zuständigkeiten und Entscheidungsprozesse, zeigt sich ein positiveres Bild: Knapp 45 Prozent stufen ihn als hoch ein.

„Zwei Drittel der Befragten leiden unter Kostendruck und Einsparungen. Umso entscheidender ist es, die identifizierten Effizienzpotenziale bei Förderungen und anderen verwaltungsinternen Prozessen auszuschöpfen, um Spielräume für künftig notwendige Investitionen und Innovationen zu sichern“, betont Harreither.

Mehr Geld und bessere Infrastruktur als Wunsch

Blickt man in die Zukunft, steht mehr finanzielle Ausstattung für öffentliche Einrichtungen auf Platz eins der Wunschliste (29 Prozent). Dicht dahinter folgt die Standortentwicklung und -instandhaltung, also Infrastruktur und Sanierungen (21 Prozent). Martin Bodenstorfer, Partner bei EY-Parthenon, betont dabei die Bedeutung von Bürgernähe: „Neben strukturellen und strategischen Verbesserungen geht es vor allem darum, die Bevölkerung einzubinden und transparent zu sein.“

Die Studie kann hier bestellt werden.