Kamerabasierte Verkehrsbeobachtung: Das Kamerasystem erkennt und klassifiziert Verkehrsteilnehmende an der Salzburger Kreuzung.
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Gefährliche Konfliktsituationen an Kreuzung präzise erkennen
Gleichzeitig Grün, aber eingeschränkte Sicht: An einer Salzburger Kreuzung untersucht ein Forschungsprojekt, wie gefährliche Begegnungen frühzeitig erkannt werden können. Für 2027 ist ein dreimonatiger Test mit Warnungen geplant.
Wer von der Guggenmoosstraße links in die Ignaz-Harrer-Straße abbiegt, kreuzt eine Radfahrerüberfahrt und einen Schutzweg. Die abbiegenden Fahrzeuge haben dort ebenso Grün wie jene, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem E-Scooter unterwegs sind. Hinzu kommen eingeschränkte Sichtbeziehungen: Radfahrende vom Radweg entlang der Glan werden für andere erst spät sichtbar. Auch sie selbst können den querenden Gehweg und die Radfahrerüberfahrt erst spät vollständig einsehen.
An dieser Kreuzung untersucht Salzburg Research, wie sich potenziell gefährliche Begegnungen zuverlässig erkennen lassen. Die Forschung soll die Grundlage für ein System schaffen, das ungeschützte Verkehrsteilnehmende rechtzeitig und verständlich warnt.
Bewegungen erfassen und Risiken abschätzen
In einer ersten Testphase zeichneten ein mobiler 3D-Laserscanner und ein kamerabasiertes Verkehrsbeobachtungssystem Positionen, Bewegungsrichtungen und Geschwindigkeiten auf. Der Laserscanner wurde Ende Oktober 2026 wieder abgebaut. Das Kamerasystem bleibt an der Kreuzung in Betrieb.
Die Forschenden führen die unterschiedlichen Sensordaten zusammen und werten sie aus. Dabei geht es um zwei Fragen: Wie zuverlässig lassen sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmenden erkennen? Und wie genau lässt sich aus ihren Bewegungen eine drohende Konfliktsituation ableiten?
Auf dieser Grundlage entstehen Vorhersagemodelle, die künftige Bewegungen möglichst genau abschätzen sollen. Ziel ist, Kollisionsrisiken frühzeitig und mit möglichst wenigen Fehlwarnungen zu erkennen. Ob das unter realen Verkehrsbedingungen gelingt, ist Gegenstand der Untersuchung.
Kamera und Laserscanner im Vergleich
Das kamerabasierte System von Kapsch TrafficCom ist an einem bestehenden Mast montiert. Die Kamera befindet sich in rund fünf Metern Höhe. Ergänzend kam in der ersten Testphase ein mobiler Laserscanner von ALP.Lab zum Einsatz. Diese als LiDAR bezeichnete Technik erzeugt ein dreidimensionales Abbild der Umgebung, in dem sich auch Bewegungen im Kreuzungsbereich erfassen lassen.
Nach Angaben von Salzburg Research unterscheiden die Systeme ausschließlich allgemeine Gruppen von Verkehrsteilnehmenden. Kennzeichen oder Gesichter werden nicht erfasst. Für die Untersuchung sind die Bewegungen und daraus entstehende potenzielle Gefahren entscheidend.
Die Auswertung soll zeigen, welchen Beitrag beide Technologien zu einer zuverlässigen Erkennung kritischer Situationen leisten können.
Warnungen im Alltag testen
Im nächsten Schritt entwickelt das Forschungsteam Warn- und Anzeigekonzepte auf Basis kooperativer intelligenter Verkehrssysteme, kurz C-ITS. Über diese Technologie können Fahrzeuge, straßenseitige Infrastruktur und weitere Verkehrsteilnehmende Informationen über Bewegungen und mögliche Gefahren austauschen.
Bislang profitieren davon vor allem motorisierte Fahrzeuge. Im Projekt wird untersucht, wie auch Menschen zu Fuß, auf dem Fahrrad oder dem E-Scooter unmittelbar einbezogen werden können. Die Warnungen sollen verständlich sein, sich in den Alltag integrieren lassen und nicht ablenken. Wie sie konkret angezeigt werden, wird noch entwickelt.
An der Kreuzung ist bereits eine straßenseitige C-ITS-Sendeeinheit installiert. Über sie sollen in der zweiten Testphase Warnungen ausgesendet werden. Der Test ist für 2027 vorgesehen und soll drei Monate dauern.
Auch Ampelschaltungen werden untersucht
Die Salzburger Erprobung ist Teil des österreichischen Forschungsprojekts C-ITS4U. Dafür werden kritische städtische Kreuzungen in Salzburg und Graz untersucht. Im Mittelpunkt stehen die Erkennung gefährlicher Situationen und die verständliche Übermittlung entsprechender Warnungen.
In Graz wird zusätzlich erprobt, wie sich C-ITS-Daten für eine angepasste Ampelschaltung nutzen lassen. Damit soll der Verkehrsfluss für Menschen verbessert werden, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem E-Scooter unterwegs sind.