Zersiedelung macht vom Auto abhängig.
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Autobesitz: Kluft zwischen Stadt und Land wird größer
Die Unterschiede zwischen Stadt und Land werden beim Autobesitz immer größer, wie eine Analyse des Verkehrsclubs Österreich VCÖ auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Während in Wien in zehn Bezirken die Zahl der Autos zurückging, nahm in 29 Bezirken trotz Bevölkerungsrückgangs die Zahl der Autos zu. Die aktuelle Treibstoffkrise zeigt einmal mehr, dass Autoabhängigkeit die Mobilitätskosten in die Höhe treibt.
Eine Ursache für die Autoabhängigkeit ist die Zersiedelung. Um die Bevölkerung nachhaltig zu entlasten, sind die Ortskerne zu stärken und das Mobilitätsangebot in den Regionen zu verbessern, von mehr Busverbindungen über Mikro-ÖV-Angebote bis hin zu Carsharing und verbesserter Radinfrastruktur, betont der VCÖ.
Mehr Autos trotz weniger Menschen
„Die Daten zeigen eines sehr deutlich: Die Unterschiede zwischen Stadt und Land nehmen beim Autobesitz weiter zu“, fasst VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk die aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zusammen.
Einerseits gibt es mittlerweile sechs (Wiener) Bezirke mit weniger als 300 Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner, andererseits weisen bereits 22 Bezirke mehr als 700 Autos pro 1.000 Personen auf. Während in Innsbruck und neun Wiener Bezirken die Anzahl der Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner gesunken und in Graz gleichgeblieben ist, nahm die Pkw-Dichte in allen anderen Bezirken zu. In zehn Wiener Bezirken nahm die Zahl der Autos auch absolut ab, in 29 Bezirken Österreichs stieg die Zahl der Autos hingegen trotz eines Bevölkerungsrückgangs, so ein weiteres Ergebnis der VCÖ-Analyse.
Das Zweitauto treibt die Kosten
Laut Statistik Austria hatten im Vorjahr österreichweit 27 Prozent der Haushalte zwei oder mehr Autos, in dünner besiedelten Regionen sogar 41 Prozent. Eine VCÖ-Analyse auf Basis der Konsumerhebung der Statistik Austria zeigt, dass die gesamten monatlichen Verkehrsausgaben von Haushalten mit zwei Autos mit durchschnittlich 930 Euro um rund 390 Euro beziehungsweise um 72 Prozent höher waren als von Haushalten mit einem Auto.
Margareten und Waidhofen/Thaya als Gegenpole
Österreichs Bezirk mit den wenigsten Autos im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist Wien-Margareten. Im fünften Wiener Gemeindebezirk kommen auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner 258 Pkw, während es im Bezirk Waidhofen an der Thaya mit 787 dreimal so viele sind. Das sind so viele wie in keinem anderen Bezirk.
„Während früher ein hoher Motorisierungsgrad ein Zeichen von Wohlstand war, ist es heute ein Ausdruck von Autoabhängigkeit, ein Indiz für einen Mangel an Arbeitsplätzen, an Nahversorgung und an öffentlichen Verkehrsverbindungen. Wer an solchen Orten kein Auto lenken kann, ist in der Mobilität stark eingeschränkt beziehungsweise von anderen abhängig“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Shuttle-Busse und sichere Radwege
Aber auch in den Regionen ist mehr Freiheit in der Verkehrsmittelwahl möglich. Linienbusse können durch nachfrageorientierte Shuttle-Busse, sogenannte Mikro-ÖV, ergänzt werden, wie etwa das Tennengau- und das Lungau-Shuttle in Salzburg zeigen. Auch in den Regionen sind viele Alltagswege in Radfahrdistanz. Damit kürzere Distanzen mit dem Rad gefahren werden, ist eine gute und sichere Radinfrastruktur wichtig.
„Wenn die einzige Verbindung zwischen einer Siedlung und dem nächstgelegenen Ortsgebiet eine Freilandstraße ist, wo Autos mit 100 km/h fahren, ist es verständlich, dass auch kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk die Bedeutung von sicheren Radwegen.
Starke Ortskerne statt Zersiedelung
Auch regionale Carsharing-Angebote und Initiativen für Fahrgemeinschaften sind günstigere Alternativen als ein Zweit- oder Drittauto. Einen zentralen Einfluss auf die Mobilität hat zudem die Raumordnungspolitik der Gemeinde. Zersiedelung macht vom Auto abhängig, während die Stärkung der Ortskerne mit einer zentrumsnahen Siedlungsentwicklung es der Bevölkerung ermöglicht, mehr Alltagswege zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.
Österreichs 30 Bezirke und Städte mit dem niedrigsten Pkw-Motorisierungsgrad (Anzahl Pkw (inkl. betriebliche Pkw) pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2025 - in Klammer Jahr 2024)
- Wien-Margareten: 258 Pkw (258)
- Wien-Brigittenau: 266 Pkw (270)
- Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus: 267 Pkw (268)
- Wien-Neubau: 283 Pkw (288)
- Wien-Josefstadt: 285 Pkw (289)
- Wien-Leopoldstadt: 299 Pkw (300)
- Wien-Mariahilf: 304 Pkw (306)
- Wien-Alsergrund: 306 Pkw (308)
- Wien-Hernals: 306 Pkw (306)
- Wien-Ottakring: 318 Pkw (315)
- Wien-Favoriten: 321 Pkw (320)
- Wien-Wieden: 339 Pkw (344)
- Wien-Währing: 341 Pkw (341)
- Wien-Penzing: 357 Pkw (356)
- Wien-Meidling: 361 Pkw (360)
- Wien-Simmering: 362 Pkw (360)
- Wien-Landstraße: 368 Pkw (365)
- Wien-Floridsdorf: 372 Pkw (372)
- Wien-Donaustadt: 392 Pkw (398)
- Wien-Döbling: 409 Pkw (408)
- Innsbruck: 431 Pkw (432)
- Wien-Hietzing: 434 Pkw (434)
- Graz: 468 Pkw (467)
- Linz: 503 Pkw (502
- Stadt Salzburg: 516 Pkw (515)
- Bezirk Dornbirn: 531 Pkw (526)
- Wien-Liesing: 538 Pkw (525)
- Bezirk Bregenz: 545 Pkw (542)
- Bezirk Innsbruck-Land: 554 Pkw (551)
- Bezirk Feldkirch: 558 Pkw (553)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026
Die 30 Bezirke mit dem höchsten Pkw-Motorisierungsgrad (Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2025, in Klammer Jahr 2024) (Ohne Wien-Innere Stadt, weil dort viele Pkw von öffentlichen Stellen und Unternehmen angemeldet sind)
- Bezirk Waidhofen an der Thaya: 787 Pkw (775)
- Bezirk Zwettl: 760 Pkw (748)
- Bezirk Horn: 747 Pkw (736)
- Bezirk Gmünd: 743 Pkw (736)
- Bezirk Güssing: 743 Pkw (734)
- Bezirk Jennersdorf: 740 Pkw (728)
- Bezirk Hartberg-Fürstenfeld: 737 Pkw (726)
- Bezirk Südoststeiermark: 736 Pkw (727)
- Bezirk Völkermarkt: 722 Pkw (714)
- Bezirk Oberpullendorf: 717 Pkw (705)
- Bezirk Oberwart: 714 Pkw (705)
- Bezirk Mistelbach: 714 Pkw (705)
- Bezirk Weiz: 714 Pkw (710)
- Bezirk Krems-Land: 713 Pkw (705)
- Bezirk Wolfsberg: 712 Pkw (708)
- Bezirk Deutschlandsberg: 709 Pkw (703)
- Bezirk Wels-Land: 708 Pkw (699)
- Bezirk Eferding: 708 Pkw (702)
- Eisenstadt (inkl. Rust): 707 Pkw (696)
- Bezirk Leibnitz: 702 Pkw (692)
- Bezirk Grieskirchen: 701 Pkw (696)
- Bezirk Hollabrunn: 701 Pkw (691)
- Bezirk Rohrbach: 700 Pkw (690)
- Bezirk Ried: 699 Pkw (692)
- Bezirk Klagenfurt-Land: 698 Pkw (690)
- Bezirk Voitsberg: 696 Pkw (689)
- Bezirk Murau: 693 Pkw (680)
- Bezirk Melk: 690 Pkw (683)
- Bezirk Schärding: 690 Pkw (680)
- Bezirk Wr. Neustadt-Land: 690 Pkw (681)
Quelle: Statistik Austria, Land Steiermark, VCÖ 2026