Landeshauptmann Anton Mattle und Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl flankiert von Tirols Landesrätin Cornelia Hegele (links im weißen Kleid) und Gemeindebund- und Verbandsvizepräsidentin Daniela Kampfl (rechts) sowie Tirols Verbandspräsident Karl-Josef Schubert im Kreis von 174 der 179 Tiroler Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.
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50 Millionen für die Kür, Null als Prinzip für die Pflicht
274 Gemeinden, ein Investitionsfonds mit 250 Millionen Euro, ein halbiertes Infrastrukturprogramm: Beim Tiroler Gemeindetag in Thiersee fiel ein Satz immer wieder: „Wer bestellt, der zahlt!“ Zwischen Feststimmung und Forderungskatalog zeigte sich, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.
Wer bestellt, der zahlt!“ Mit diesem Satz machte Tirols Gemeindeverbandspräsident Karl-Josef Schubert beim Gemeindetag in Thiersee die zentrale Botschaft des Tages zum Titel seines Editorials: „Wir sind nicht die Melkkuh der Nation.“ 274 Gemeinden waren gekommen, fast alle Tiroler Kommunen.
Neben dem Festprogramm – mit Ehrenring-Verleihung an Alt-Landeshauptmann Günther Platter, Johannes Tratter und erstmals eine Frau, die frühere Gemeindeabteilungsvorständin Christine Salcher – stand ein klarer Forderungskatalog: volle Kostenübernahme von Freizeitpädagog:innen und Schulassistenzkräften durch den Bund, ein aufgestocktes Infrastrukturprogramm sowie eine Evaluierung der Finanzströme zwischen Land und Gemeinden, insbesondere bei der Krankenanstaltenfinanzierung.
Weniger Geld für kommunale Infrastruktur
Die Zahlen dazu sprechen für sich: Standen für das Infrastrukturprogramm 2020 bis 2024 noch jährlich rund 20 Millionen Euro bereit, waren es 2025 nur 16 und 2026 bloß 8 Millionen. Für 2027 versprach Landeshauptmann Anton Mattle 12 Millionen – Schubert fordert 16: „Da müssen wir noch einmal reden.“
Parallel steigen laut Verband-Editorial Personalkosten und Transferzahlungen an die Länder überinflationär, während die kommunalen Einnahmen stagnieren. Beim Recht auf Vermittlung eines Kinderbetreuungsplatzes verhandelte der Verband zusätzliche 10 Millionen Euro jährlich ab 2027, 17 ab 2030 – ein Beispiel dafür, wie schnell delegierte Standards zu strukturellen Summen werden.
50 Millionen Euro zusätzlich für Investitionen
Dem stand die gute Nachricht des Tages gegenüber: Der Tiroler Gemeindeinvestitionsfonds wird um 50 Millionen Euro aufgestockt, für 2026/27 stehen rund 250 Millionen zur Verfügung. „Die Gemeinden sind die größten Investoren im Land“, so Mattle.
Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl lobte das Modell als Vorbild für den Bund. Nur: Ein Fonds honoriert vor allem, wer schon investitionsfähig ist – das strukturelle Problem der Pflichtaufgaben löst er nicht. „Die Gemeinden werden mit Aufgaben überfrachtet. Es ist mehr Verwaltung als Gestaltung“, brachte es Schubert auf den Punkt. Pressls Antwort: mehr strukturierte Kooperation statt Zersplitterung, etwa über große Dienstleistungsverbände – eine Linie, die eine aktuelle Landesumfrage stützt: 70 Prozent der Gemeinden können sich mehr Zusammenarbeit vorstellen, 65 Prozent wünschen sich dafür eine eigene Beratungsstelle.
Entscheidung fällt bei den Budgets
Solange das Infrastrukturprogramm zwischen 20 und 8 Millionen schwankt, während Bund und Land laufend neue Aufgaben ohne volle Gegenfinanzierung delegieren, bleibt „Wer bestellt, der zahlt“ ein Satz für Sonntagsreden. Ob daraus Montagspolitik wird, entscheidet sich nicht in Thiersee, sondern in den nächsten Budgetverhandlungen.
Quellen: tirol.ORF.at, MeinBezirk.at/Kufstein (Martina Obertimpfler), TIROL.KOMMUNAL Juli 2026 (Birgit Oberhollenzer-Praschberger, Karl-Josef Schubert), 29.6.2026