Blick auf einen Hausarzt
Hausärzte sind wichtig im ländlichen Raum

Was soll der Hausarzt seinen Patienten und was die Gemeinde dem Landarzt bieten?

In Österreich gab es im Jahre 2019 laut dem Strukturdiagramm der Österreichischen Ärzteschaft 47.224 Ärzte. Davon waren rund 13.424 als Allgemeinmediziner, also Hausärzte tätig. In der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts zeichnete sich in der westlichen Welt ein zunehmender Trend hin zum Spezialistentum ab.

Die Folge war, dass immer weniger Allgemeinmediziner in den Kliniken und Krankenhäusern praktizierten. Allen voran junge Ärzte strebten Fachausbildungen an. In Österreich reagierte man auf diese Entwicklung. Im Jahre 1966 wurde in Innsbruck die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin gegründet. Das hehre Ziel der ÖGAM war es von Anfang an, sich im Zuge der Wissenschaftlichkeit für eine moderne Praxisführung und für eine praxisgerechte Fortbildung einzusetzen.

1. Was ist ein Hausarzt?

Für erkrankte Personen ist der Allgemeinmediziner stets die erste Anlaufstelle. Bei allen Fragen zur Gesundheit und bei allen Erkrankungen physischer und psychischer Natur können sich die Bürger in Österreich an eine ortsnahe Hausarztpraxis wenden. Der Gesundheitszustand des Patienten wird im Zuge des Arztgespräches (Anamnese) vom Doktor abgefragt. Gemäß dem Primärarztprinzip ist zuerst der Besuch beim Hausarzt anzuraten, bevor der Erkrankte einen Spezialisten bzw. Facharzt aufsucht.

2. Welche Hilfeleistungen darf ein Patient von seinem Hausarzt erwarten?

Ein Facharzt für Allgemeinmedizin beschäftigt sich mit der Behandlung von Krankheiten. Im Bereich der Vorsorge ist der Hausarzt tätig. Als Allgemeinmediziner führt der Facharzt diverse Kontrolluntersuchungen durch. Im Bereich der Ernährungsberatungen und Impfungen leisten die Ärzte am Land und in den Ballungszentren gute Dienste. Vom Hausarzt kann der Patient eine Diagnose erwarten. Viel häufiger jedoch obliegt es dem Allgemeinarzt, den Erkrankten zu einem entsprechenden Facharzt zu verweisen. Die Patienten werden von den praktizierenden Allgemeinmedizinern auch nach einer schweren Erkrankung oder nach einer erfolgten Krankenhausbehandlung in ihrer Rehabilitationsphase begleitet.

Der direkte Kontakt zu den Menschen schafft Vertrauen. Eine kompetente Versorgung der Bürger in den österreichischen Gemeinden ist ohne Datenschutz und Diskretion seitens der behandelnden Ärzte nicht denkbar. Zudem erhalten die Klienten des Gesundheitswesens in den Arztpraxen vor Ort wertvolle Informationen über Medizin, Gesundheit sowie Therapiemöglichkeiten. Der erste Schritt eines Kranken ist stets die Kontaktaufnahme zum Doktor des Vertrauens.

Allgemeinärzte agieren in erster Linie zum Wohle ihrer Patienten, ohne jedoch all die neuen wissenschaftlichen und medizinischen Errungenschaften außer Acht zu lassen. Wie in vielen anderen Berufen gehören auch bei einem praktischen Arzt die berufliche Weiterbildung und das unaufhörliche Lernen zum erfolgreichen Praktizieren dazu.

3. Die vorrangigen Aufgaben und Pflichten eines Facharztes für Allgemeinmedizin

Der Beruf des Arztes ist seiner Natur nach nicht ein Gewerbe, sondern vielmehr ein freier Beruf. Ein Allgemeinarzt dient der Gesundheit der Bevölkerung und des einzelnen Menschen. Die primäre Aufgabe ist es, Leben zu erhalten. Zudem zählt zu seinen vorrangigen Aufgaben, die Gesundheit seiner Patienten zu schützen und wiederherzustellen. Auch Sterbenden einen adäquaten Beistand zu leisten und das Leiden erkrankter Bürger zu lindern, sind Teil der Arbeit eines pflichtbewussten und ambitionierten Hausarztes.

Als niedergelassener Allgemeinarzt behandelt man innerhalb einer Praxis oder Praxisgemeinschaft Gemeindemitglieder aller Altersgruppen stets unter Berücksichtigung der sozialen, psychischen und biologischen Dimensionen ihrer gesundheitlichen Gebrechen.

Zu den wichtigsten Aufgaben eines Hausarztes gehören:

  • Einleitendes Gespräch
  • Die körperliche Untersuchung: Das Abtasten (Palpation), das Betrachten (Inspektion), das Abhören (Auskultation), das Testen (Funktionsprüfung) sowie das Abklopfen (Perkussion)
  • Pulsmessung
  • Blutdruckmessung
  • Blutabnahme für eine Blutuntersuchung im Labor
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Mithilfe eines speziellen Gerätes kann der Arzt in der Praxis Ultraschallwellen ins Gewebe des Patienten senden. Mit dieser Methode überprüft der Allgemeinmediziner Organe wie Leber, Schilddrüse, Nieren, Milz und den Bauchraum.
  • Lungenfunktionstest: Hierbei überprüft der Doktor die Funktion der Atemwege sowie die Leistungsfähigkeit der Lunge.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Der Schlagrhythmus des Herzens und die Herzfunktion werden festgestellt.
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Transfusions- und Infusionstherapie
  • Das Ausstellen von Rezepten
  • Beratungsdienst und Facharztvermittlung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung (Psychosen, Angststörungen, Panikattacken und Depressionen).

Die essenziellen Pflichten eines praktizierenden Arztes sind:

  • Behandlungspflicht: Anamnese, körperliche Untersuchung, Diagnose, Vorschlagen einer Heilungsmethode und Krankschreibung
  • Sorgfaltspflicht
  • Aufklärungspflicht
  • Besuchspflicht
  • Termineinhaltungspflicht
  • Dokumentationspflicht 
  • Schweigepflicht

4. Die wichtigsten Kompetenzen eines Allgemeinmediziners

Laut einem Zitat des österreichischen Allgemeinmediziners Robert N. Braun aus dem Jahre 1982 hat in einem arbeitsteilig gegliederten System ärztlicher Versorgung der Bevölkerung nach wie vor die Allgemeinmedizin die Hauptlast zu tragen. In früheren Zeiten war der Doktor für alles zuständig. Ein Allgemeinarzt neuen Stils hingegen unterscheidet sich grundlegend durch eindeutig definierte Aufgaben und durch eine genaue Begrenzung seiner Kompetenz.

Damit ein niedergelassener praktizierender Hausarzt seinen Patienten das Erforderliche bieten kann, braucht er neben seinem fachmedizinischen Wissen weit mehr. Zu den ausschlaggebenden Kompetenzen eines Allgemeinmediziners gehören ein sorgfältiges sowie genaues Arbeiten. Zuversichtlichkeit, Empathie, Einsatzfreude und Pünktlichkeit sind für das erfolgreiche Behandeln von erkrankten Mitbürgern ebenso wichtig wie Verantwortungsbewusstsein, Solidarität, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit.

Damit der Bedarf der Menschen mit einem Krankheitsbild an gesundheitlichen Leistungen perfekt abgedeckt werden kann, ist es enorm wichtig, dass die Tätigkeit des modernen Doktors charakterisiert ist durch eine enge Kooperation mit den sozialen und medizinischen Dienstleistungsberufen der Region und den regional ansässigen Fachärzten bzw. Spezialisten.

5. Was kann eine Gemeinde in Österreich ihrem ortsansässigen Hausarzt bieten?

Am Land gibt es immer weniger Hausärzte. Die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung hinsichtlich Gesundheit und Vorsorge können in der Regel nur Allgemeinärzte stemmen. Auch bezüglich der Nachfolgerfrage stehen viele österreichische Kommunen in der Provinz vor einer Herkulesaufgabe. Welche Anreize und welche nachhaltigen Angebote können vor allem kleinere Gemeinden in jungen und ambitionierten Ärzten frisch vom Uni-Campus weg offerieren?

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts musste ein Landarzt häufig auch tierärztliche Aufgaben erfüllen. Die Bezahlung war ein Huhn, ein Stück Speck und dergleichen. Heute hingegen folgen die Ärzte nicht selten dem Geld und nicht den Kranken. Um für junge Ärzte die Arbeit als Allgemeinmediziner in den ländlichen Regionen interessant zu machen, sollten Kommunen bei Bedarf folgende Aspekte mitberücksichtigen:

  • Generell betrachtet sind Städte für junge und erfahrene Ärzte aus vielerlei beruflichen und privaten Gründen lukrativer.
  • Geld allein bzw. ein höheres Einkommen ist für Allgemeinmediziner häufig kein attraktiver Anreiz, um eine Landarztpraxis zu übernehmen oder gar zu eröffnen.
  • Die Kommunen und Länder müssen Strukturen schaffen, damit eine flächendeckende medizinische Versorgung in den ländlichen Räumen gestützt werden kann.
  • Mehr engagierte Hausärzte am Land bedeutet auch eine Minderung der hohen Arbeitsbelastung in den ländlich geprägten Regionen.
  • Privatpatienten sind für Hausärzte ein Segen. Kassenpatienten sind jedoch vermehrt bei der oft ärmeren ländlichen Bevölkerung prozentuell viel starker vertreten. Darum wäre es für die kommende Generation von Berg- und Landdoktoren wichtig, dass die Kassenverträge in Österreich angehoben werden. Denn nur mit einer angemessenen Honorierung kann ein Gemeindearzt auch das wirtschaftliche Risiko, am Land zu praktizieren, in Angriff nehmen.

Bei der Verteilung der Ärzte in Österreich beeinflussen des Weiteren drei persönliche Faktoren die Standortwahl. Vor allem für junge Ärzte, die immer auch als potenzielle Nachfolger am Land gehandelt werden, spielen die Ländlichkeit, die Kaufkraft und die Möglichkeiten für Kinderbetreuungsplätze eine entscheidende Rolle.

Ein Allgemeinmediziner am Land kann bei einem angemessenen Tarif wirtschaftlich auch mit weniger Patienten deutlich besser haushalten. Doch es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt, warum es so wichtig wäre, mehr Allgemeinmediziner in die Provinz zu locken: Die vom Landarzt noch immer oft geforderte „Rund um die Uhr Verfügbarkeit“ ist heutzutage einfach nicht mehr zumutbar. Eine 24/7 Einsatzbereitschaft ist für viele motivierte und tüchtige Allgemeinärzte nichts anderes als abschreckend.