Für Rathäuser sind Sprengel wichtig

Was ist ein Sprengel?

Jeder hat wohl irgendwann den Begriff Sprengel gehört. Etwa in Zusammenhang mit der Kirche, dem Gericht oder dem Gesundheitswesen. Doch was bedeutet Sprengel ursprünglich? Was versteht man darunter in der heutigen Zeit?

Und welche Sprengelarten gibt es eigentlich? Fragen wie diesen möchten wir nun auf den Grund gehen. Damit ein für allemal klar ist, was ein Sprengel ist und welche Bedeutung die verschiedenen Sprengelarten in Bezug auf das politische und gesellschaftliche Leben haben.

Der Sprengel im historischen Kontext

Die Herkunft des Begriffes Sprengel ist auf den sogenannten Weihwedel zurückzuführen. Dieses Gerät ist zum Verspritzen von geweihtem Wasser gedacht und wurde mit dem Verb sprengen (spritzen) in Verbindung gebracht. In der nachgermanischen Welt wurden Sprengel auch als Büschel bezeichnet. Später definierte der Begriff den Amtsbereich eines Geistlichen. Ein hoher geistlicher Würdenträger weiht mit seinem Weihwasserwedel den auf ihn übertragenen Amtsbezirk. Genau dieser Weihwassersprenger eines katholischen Bischofs stand im ursprünglichen Sinne für den Sprengel.

Im Laufe der Zeit wurde der Sprengel in der katholischen Kirche durch den Begriff Diözese ersetzt. Zahlreiche althergebrachte Bezeichnungen wie etwa der Kirchensprengel stehen für einen besonderen kirchlichen Lebensbereich, der historisch gewachsen ist. Die evangelischen Christen verstehen unter einem Sprengel nicht nur eine mittlere Verwaltungsebene ihrer Kirche, also den Zuständigkeitsbereich eines hierarchisch höher positionierten Geistlichen. Die Protestanten empfinden ihn als einen Ort, wo sie ihr Dasein mit einer Fülle von Aktivitäten und Angeboten bereichern können, und zwar unmittelbar in Kirchenkreisen sowie Kirchengemeinden.

Welche Sprengelarten gibt es heute in Österreich?

In der weitgehend säkularisierten Demokratie wurde der Begriff Sprengel sozusagen entlehnt. Die Übernahme in den politischen Bereich hatte zur Folge, dass alle öffentlichen Verwaltungen als Sprengel bezeichnet wurden. Heutzutage werden etliche Verwaltungsebenen durch den Begriff Sprengel gekennzeichnet.

Folgende politische sowie gesellschaftsrelevante Sprengel spielen in Österreich eine wichtige Rolle:

  • Schulsprengel
  • Sozialsprengel
  • Wahlsprengel
  • Gerichtssprengel
  • Kirchensprengel
  • Arztsprengel
  • Archivsprengel                                                                                                        

In Österreich wird der Begriff Sprengel auch zur Bezeichnung eines Amtsbereiches, eines Dienstbereiches oder eines behördlichen Verwaltungsbezirks verwendet. Ein Sprengel entspricht

stets einem örtlichen Zuständigkeitsbereich für ganz bestimmte Stellen wie zum Beispiel Behörden, Gerichte oder Schulen. Für das allgemeine Verständnis spielt hierbei die jeweilige funktionelle und sachliche Zuständigkeit einer bestimmten Örtlichkeit eine entscheidende Rolle.

Welchen Nutzen haben Sprengel für die Bürger?

In den österreichischen Kommunen sowie in den neun Bundesländern spielen die verschiedenen Sprengelarten insbesondere für das soziale und politische Leben der Bürger eine tragende Rolle. Die Bezeichnung der Sprengel ist direkt mit unterschiedlichsten und themenspezifischen Aufgaben einer öffentlichen Amtsbezirksstelle verbunden. So erfüllt beispielsweise ein Arztsprengel spezifische Aufgaben in einem ganz bestimmten Umfeld. Wird von einem Gemeindemitglied ein Sprengel aufgesucht, dann verfolgt es damit stets eine bestimmte Intention. Ganz egal, ob es sich dabei um einen Gerichtssprengel, Arztsprengel, Kirchensprengel, Sozial- und Gesundheitssprengel oder um einen Schulsprengel handelt.

Was ist ein Schulsprengel?

Grundsätzlich bestimmt die jeweilige Bezirksregierung für jede einzelne Grund- und Mittelschule ein räumlich abgegrenztes Gebiet. Dieses wird als ein Sprengel deklariert. Das wiederum bedeutet, dass per Gesetz alle Kinder in die gleiche Volksschule gehen, sofern sie im selben Einzugsgebiet wohnen. Abgesehen von einigen möglichen Abweichungen bzw. Ausnahmen richtet sich der für das Kind geltende Schulsprengel also explizit nach seinem Wohnort. Eltern müssen ihre schulpflichtigen Kinder zuerst immer bei der entsprechenden Sprengelschule ihres Wohnbezirkes anmelden.

Jedes schulpflichtige Kind ist gemäß § 46 Abs. 2 Oö. Pflichtschulorganisationsgesetz 1992 in einer sprengelmäßig autorisierten Schule aufzunehmen. Erziehungsberechtigte haben natürlich auch die Möglichkeit, ihren Nachwuchs in eine sprengelfremde Unterrichtseinrichtung zu schicken. Dafür gilt es, einen Antrag auf sprengelfremden Besuch einer öffentlichen Schule bei der Bildungsdirektion des zuständigen Bundeslandes einzubringen. In weiten Teilen Österreich obliegt der Pflichtschulbetrieb den Gemeinden. Daher wird das Gemeindegebiet, wo Volksschüler die ortsansässige Pflichtschule besuchen, häufig auch als Schulsprengel bezeichnet.

Was kann man sich unter einem Sozialsprengel vorstellen?

Die Sozial- und Gesundheitssprengel in Österreich leisten enorm viel. Der Sozialsprengel ist für Gemeindemitglieder eine zentrale Anlaufstelle, um Probleme zu lösen oder um Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Leistungen gehen von der Beratung, Pflege, medizinischen Versorgung, Familienhilfe, Tagesbetreuung bis hin zum Hauswirtschaftsdienst und zur Heimhilfe. Das oberste Ziel eines Sozialsprengels ist es, den Menschen in der Stadt- oder Dorfgemeinschaft genau dort zu helfen, wo sie die Hilfe und Betreuung auch wirklich benötigen.

In diesen Bereich fällt auch die Hauskrankenpflege hinein. Dort können engagierte Laien in enger Zusammenarbeit mit den befugten behandelten Ärzten pflegebedürftige und kranke Personen von zu Hause aus betreuen. Das Feld an Sozialleistungen und Betreuungsdiensten für die auf Hilfe angewiesenen Gemeindemitglieder ist weit. Der emphatische Zusammenhalt und die Ernsthaftigkeit, mit der freiwillige Helfer sowie professionell geschultes Personal ihre Dienste an in Bedrängnis geratenen Mitmenschen absolvieren, ist absolut vorbildhaft und in der heutigen Zeit ein schier unverzichtbares Sozialengagement.

Jeder volljährige Bürger in Österreich kennt in der Regel seinen Wahlsprengel

Die österreichischen Gemeindegebiete sind für gewöhnlich in mehrere Wahlsprengel aufgeteilt. Dies hängt jedoch stark von der Größe der Kommunalfläche und der Gemeindeeinwohnerzahl ab. Die meisten Österreicher bekommen schon in der Kindheit mit, wo ihre Eltern ihre Stimmzettel bei Wahlen abgeben.

In vielen anderen EU-Ländern entspricht der Wahlsprengel einem sogenannten Wahlbezirk. Bezogen auf das Wahlrecht von volljährigen Bürgern gilt der Wahlsprengel als kleinste Verwaltungseinheit. Die Anzahl dieser Sprengelart innerhalb einer flächenmäßig großen Gemeinde mit weit auseinanderliegenden Ortsteilen soll in der Regel den Weg des wahlberechtigten Gemeindemitgliedes zur zuständigen Wahldestination verkürzen und somit erleichtern.

Welchen Sinn und Zweck erfüllen heutzutage noch Gerichtssprengel?

Der Bereich eines Gerichtssprengels, welcher die örtliche Zuständigkeit eines Gerichtes umfasst, wird in Österreich als Bezirksgericht bezeichnet. Es ist der kleinste Gerichtsbezirk, der in der deutschen ordentlichen Gerichtsbarkeit als Amtsgericht fungiert.

Gerichtssprengels erfüllen den Sinn und Zweck, für rechtliche Angelegenheiten innerhalb des jeweiligen Bezirkes zuständig zu sein. Hierbei gilt es aber, die zahlreichen Ausnahmen zu berücksichtigen. Eine begründete Zuständigkeitserklärung von bestimmten Gerichtsfällen obliegt schlussendlich einzig und allein dem Prozessrecht. Gemeindemitglieder können sich in rechtlichen Angelegenheiten im ersten Schritt direkt an die entsprechende Stelle ihres Gerichtssprengels wenden.