Photovoltaikanlage in Neuhofen
Das meiste Geld wird in Bildungseinrichtungen investiert - wie etwa in Neuhofen an der Ybbs, wo eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule investiert wurde.

Gemeinden investieren trotz Unsicherheiten

Bei der traditionellen Gemeinde-Investitionserhebung ist generell die Zustimmung zu den abgefragten Aussagen betreffend Lebensqualität und finanzielle Situation über die Jahre hinweg stabil. Die größere Mehrheit der Befragten (mehr als 97 Prozent) geht davon aus, dass sich die Lebensqualität in ihrer Gemeinde in den letzten Jahren erhöht hat. Allerdings sagen wie im Vorjahr drei von fünf Entscheidungsträgern, dass die finanzielle Situation ihrer Gemeinde Investitionen derzeit erschweren würde. Das heißt jedoch nicht, dass – trotz Corona – keine Investitionen mehr getätigt werden.

Die subjektive Einschätzung der finanziellen Lage zeigt, dass wegen Corona in den Gemeinden gegenüber dem Vorjahr eine deutlich pessimistischere Stimmung herrscht. Heuer schätzen 44 Prozent der Gemeinden ihre finanzielle Lage als „sehr gut“ oder „eher gut“ ein, 56 Prozent als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“.

Größere Gemeinden klagen weniger über schlechte Lage

Die Beurteilung der finanziellen Lage variiert deutlich zwischen kleineren und größeren Gemeinden, wobei insbesondere kleine Gemeinden eine negativere Einschätzung abgeben. Interessanterweise sagen größere Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern, dass ihre finanzielle Lage gut sei. Es zeigt sich, dass insbesondere Gemeinden mit 5.001 bis 10.000 Einwohnern großen Herausforderungen gegenüberstehen.

Der Anteil der Gemeinden, die von stabilen finanziellen Entwicklungen in den kommenden Jahren ausgehen, ist heuer ebenfalls deutlich gesunken. Nur 14 Prozent der Gemeinden (das ist ein Minus von 42 Prozentpunkten!) gehen davon aus, dass ihre finanzielle Situation gleichbleiben wird, 84 Prozent (ein Zuwachs von 51 Prozentpunkten!) befürchten jedoch, dass sie sich verschlechtern wird. Von einer Verbesserung geht nur mehr ein Prozent der Gemeinden aus.

Ein Zusammenhang besteht zwischen der Einschätzung der aktuellen und jener der künftigen Lage: Gemeinden, die ihre derzeitige finanzielle Lage bereits als schlecht bezeichnen, gehen zu 91 Prozent davon aus, dass sich die Lage auch in den kommenden Jahren weiter verschlechtern wird.

Geplante Investitionen bis Ende 2020

Am häufigsten wurden vor Auftreten der zweiten Welle der Corona-Pandemie Investitionen in den Erhalt und Bau von Straßen und öffentlichen Plätzen bzw. zur Verkehrssicherheit geplant: 93 Prozent der Gemeinden planten, bis Ende 2020 in diesen Bereich zu investieren.

Der Investitionswert beläuft sich dabei für zwei Drittel der Gemeinden auf bis zu 500.000 Euro, für acht Prozent auf bis zu eine Million Euro und für vier Prozent sogar auf mehr als eine Million Euro. Dann folgen Investitionen in den Erhalt und Bau in der Siedlungswasserwirtschaft (74 Prozent), „Katastrophen- und Naturschutz/Feuerwehr/Rotes Kreuz/Bergrettung“ (70 Prozent) sowie in Bildungseinrichtungen (63 Prozent), wobei jedoch die Investitionssumme in Bildungseinrichtungen in absoluten Zahlen am höchsten ist.

Am meisten wird in Bildungseinrichtungen investiert

Ein Vergleich dieser Investitionen zeigt allerdings teils starke Rückgänge der Summen. Die größten Investitionsvorhaben betreffen wie in den Vorjahren die Bildungseinrichtungen – die Reduktion von 1.476 Millionen auf 904 Millionen Euro ist aber ebenfalls die größte – sowie die Bereiche „Erhaltung und Bau kommunaler Bauten“ (Reduktion von 672 auf 392 Millionen Euro), „Erhaltung und Bau von Straßen und öffentlichen Plätzen, Verkehrssicherheit“ (Rückgang von 786 auf 390 Millionen Euro) und „Erhaltung und Bau in der Siedlungswasserwirtschaft“ (ein Rückgang von 641 auf 297 Millionen Euro).

INVESTITIONEN DER GEMEINDEN NACH SEKTOREN

Die nun schon zum neunten Mal im Auftrag der Initiatoren des Kommunalwirtschaftsforums (Deloitte, Siemens, Raiffeisen und Swietelsky) von Harald Pitters, Pitters Trendexpert, durchgeführte Erhebung bietet trotz der Irritationen durch das Coronavirus einen fundierten Überblick über die aktuelle Situation in den Gemeinden und ermöglicht zudem vielfältige Vergleiche in Bezug auf die Ergebnisse der letzten Jahre.

Im Vergleich zu den Vorjahren zeigen sich nie dagewesene Unterschiede insbesondere, was die geplanten Finanzierungen angeht. Dies ist mit größter Wahrscheinlichkeit auf den Einfluss der Corona-Krise zurückzuführen und zeigt erneut, dass sich diese Untersuchung als sensibles Instrument bewährt hat, wirtschaftliche und politische Einflussfaktoren für kommunale Entscheidungen zuverlässig zu erfassen.

Innovation: Spannend, Chance, lokal

Teil des Gemeindeinvestitionsbericht 2020 war diesmal, einzelne Bereiche der eigenen Gemeinde auf einer Skala von 1 (gar nicht innovativ) bis 10 (sehr innovativ) zu beurteilen. Die Spitzenposition nimmt „Verwaltung der Finanzen“ mit einem Mittelwert von 7,53 ein. Es folgen Abfall- und Umweltmanagement, Wirtschaftlichkeit sowie Infrastruktur.

In weiterer Folge haben die kommunalen Entscheidungsträger gegensätzliche Begriffspaare zum Thema „Innovation“ bewertet. Für 99 Prozent sind Innovationen demnach spannend, ein Prozent empfindet Innovation als langweilig. 98 Prozent sehen Innovation als Chance, zwei Prozent als Gefahr. 74 Prozent denken, dass Innovationen lokal sind, 26 Prozent global.