Markus Petzl
Markus Petzl: „Neue Möglichkeiten entstehen schnell, ihre Umsetzung braucht jedoch Zeit, Ressourcen und Akzeptanz in der Bevölkerung.“
© Jürg Christandl

Gemeinde 2040: Warum die Zukunft näher ist, als wir denken

Mit einer pointierten Keynote eröffnete Markus Petzl, CEO von Disruptive – beyond your strategy, das Kommunalwirtschaftsforum 2026. Sein zentrales Anliegen: Die großen Umbrüche der kommenden Jahrzehnte sind kein fernes Zukunftsszenario – sie haben längst begonnen. Für Gemeinden bedeutet das vor allem eines: rechtzeitig erkennen, was auf sie zukommt, und Gestaltungsspielräume aktiv nutzen.

Petzl nahm das Publikum mit auf eine „Reise zur Gemeinde 2040“ – nicht als klassische Vision, sondern als Lernpfad durch Muster des Wandels. Ob Künstliche Intelligenz, Mobilität, Energie oder Demografie: Vieles erscheine neu, sei aber in Wahrheit das Ergebnis langer Entwicklungslinien. KI etwa sei kein Phänomen der letzten Jahre, sondern eine Technologie mit jahrzehntelanger Vorgeschichte – deren Durchbruch nun durch exponentielle Entwicklungen erfolge. Genau diese Dynamik werde häufig unterschätzt, weil Menschen Veränderungen linear denken, während Innovationen sprunghaft wirken.

Ein zentrales Bild seiner Keynote war die Ungleichzeitigkeit des Wandels. Während Technologie und Märkte sich rasant verändern, reagieren Infrastruktur, Politik, Verwaltung und Kultur deutlich langsamer. Dieses Spannungsfeld sei auch für Gemeinden hochrelevant: Neue Möglichkeiten entstehen schnell, ihre Umsetzung braucht jedoch Zeit, Ressourcen und Akzeptanz in der Bevölkerung. Daraus resultiere Unsicherheit – ähnlich wie in der Pandemie, als vieles spürbar war, bevor es greifbar wurde.

Anhand seiner eigenen Heimatgemeinde zeigte Petzl, wie sehr sich Orte in den vergangenen 100 Jahren verändert haben – durch Industrialisierung, Mobilität, Wohlstand und Tourismus. Die provokante Frage: Könnte eine vergleichbare Entwicklung in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren stattfinden? Wenn technologische und gesellschaftliche Trends sich verdichten, sei das zumindest denkbar. Gemeinden müssten daher lernen, mit beschleunigtem Wandel umzugehen, ohne ihre Identität zu verlieren.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Petzl der Demografie. Die Zahlen seien eindeutig: In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Zahl der Hochbetagten massiv erhöhen – bei gleichzeitigem Mangel an Pflegekräften und finanziellen Spielräumen. Diese Entwicklungen seien keine Prognosen, sondern bereits festgeschrieben. Technologie könne hier Teil der Lösung sein, etwa durch Automatisierung oder digitale Assistenzsysteme. Entscheidend sei jedoch, wie diese eingesetzt und gesellschaftlich eingebettet werden.

Petzls Fazit war kein technologischer Alarmismus, sondern ein Gestaltungsauftrag: Gemeinden stehen vor einer neuen Phase, vergleichbar mit der industriellen Revolution. Damals wurde Muskelkraft „entgrenzt“, heute geht es um kognitive Ressourcen. Die Frage sei nicht, ob sich Gemeinden verändern, sondern wie bewusst sie diesen Wandel steuern. Heimat, Identität und Lebensqualität bleiben dabei der Maßstab – sie müssen jedoch neu gedacht und mit den Möglichkeiten der Zukunft verbunden werden.

Die Eröffnungs-Keynote setzte damit einen klaren Ton für das KWF 2026: Die Zukunft ist bereits da. Jetzt gilt es, sie auf kommunaler Ebene klug zu gestalten.

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