Sonnen- und Windstrom können sich in Energiegemeinschaften ergänzen. Prognosen sollen helfen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen.
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Energiegemeinschaften stimmen Erzeugung und Verbrauch jeden Tag neu ab
Der Verein EG Austria mit Sitz in Graz verteilt den gemeinsam genutzten Strom seiner Mitglieder seit Oktober auf Basis einer täglichen Berechnung. Prognosen zu Wetter, Erzeugung und Verbrauch sollen helfen, erneuerbare Energie besser zu nutzen und zusätzliche Einsparungen zu ermöglichen. Im September hatte der Verein das Verfahren in einer Testphase mit wöchentlicher Berechnung erprobt.
EG Austria verbindet regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) mit einer österreichweiten Bürgerenergiegemeinschaft (BEG). Teilnehmen können Haushalte, Unternehmen und Gemeinden. Eine eigene Erzeugungsanlage ist dafür nicht nötig. Auch der bestehende Stromlieferant muss nicht gewechselt werden.
Das Netzwerk umfasst mehr als 6.000 Mitglieder, über 10.000 Zählpunkte und mehr als 160 aktive Energiegemeinschaften. In den vergangenen zwölf Monaten wurden innerhalb des Netzwerks mehr als 16 Gigawattstunden Strom geteilt. Das entspricht über 16 Millionen Kilowattstunden.
Teilnahmefaktoren werden täglich neu berechnet
Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Teilnahmefaktoren. Sie legen fest, welcher Anteil von Erzeugung oder Verbrauch höchstens einer Energiegemeinschaft zugeordnet werden kann. Das System berechnet diese Werte nun jeden Tag neu. Dabei berücksichtigt es beide Seiten: die Mitglieder, die Strom beziehen, und die Anlagen, die Strom erzeugen.
Ein Beispiel: An einem sonnigen Tag kann die regionale Gemeinschaft besonders viel Photovoltaikstrom bereitstellen. Ist die regionale Erzeugung gering, kann die österreichweite Gemeinschaft mit Wind- und Wasserkraft ergänzen. Die Prognosen helfen, die Teilnahmefaktoren auf die jeweils erwartete Situation abzustimmen. Auch auf der Erzeugerseite werden die Anteile angepasst. So soll möglichst viel der für die Gemeinschaft vorgesehenen Energie tatsächlich genutzt werden.
Wie viel Strom am Ende tatsächlich zugeordnet wird, hängt davon ab, wie gut Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenpassen.
Entwickelt mit der TU Graz
Die Optimierungslogik haben Voltana GesbR, der Servicedienstleister von EG Austria, und Guid.New in Zusammenarbeit mit der TU Graz entwickelt. Die Berechnung betrachtet Erzeugung, Verbrauch und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gleichzeitig. Neben den Prognosen fließen weitere Einflussgrößen ein.
„Energiegemeinschaften entwickeln sich laufend weiter. Unser Ziel ist es, erneuerbare Energie möglichst effizient innerhalb der Gemeinschaft zu nutzen“, sagt Thomas Zeinzinger, Vorstand von EG Austria und Geschäftsführer von Voltana. Es reiche nicht mehr aus, Erzeugung und Verbrauch getrennt zu betrachten. Beide müssten intelligent zusammenspielen. „Mit der automatischen Optimierung können wir genau das jetzt täglich für unsere Mitglieder umsetzen.“
Nach eigenen Angaben ist die Kombination aus täglicher, prognosebasierter Optimierung von Erzeugung und Verbrauch über regionale und österreichweite Energiegemeinschaften hinweg in dieser Form bislang einzigartig in Österreich.
Weitere Modelle sollen folgen
Als nächsten Schritt planen EG Austria und Voltana, weitere Modelle in die Optimierung einzubeziehen. Dazu zählen gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA), Eigenversorgungsanlagen (EVA) und der Peer-to-Peer-Stromhandel (P2P). Gemeinsam mit EEG und BEG soll so die gesamte Palette der gemeinsamen Energienutzung aufeinander abgestimmt werden.
Optimiert werden nur jene Modelle, für die der jeweilige Zählpunkt angemeldet ist. Das System meldet Mitglieder nicht selbstständig zu weiteren Modellen an.