© Stadt Wörgl
Verkehrsberuhigung als Schlüssel zu mehr Lebensqualität
Mobilität prägt den Alltag in unseren Gemeinden maßgeblich – doch der verfügbare Straßenraum ist begrenzt. Motorisierter Verkehr, Fahrräder und zu Fuß Gehende nutzen diesen Raum gemeinsam.
Besonders zukunftsweisend ist die Förderung des Zu-Fuß-Gehens und Radfahrens. Diese Mobilitätsformen sind gesund, klimafreundlich und effizient – und sie tragen entscheidend dazu bei, Orte lebenswert zu machen. Ein wesentlicher Faktor dafür ist ein niedrigeres Geschwindigkeitsniveau. Wird der Autoverkehr langsamer, schafft das nicht nur mehr Sicherheit, sondern erleichtert auch den Umstieg auf aktive Mobilität.
Verkehrsberuhigung als Chance für Gemeinden
Ob angestoßen durch Bürgerinnen und Bürger oder im Rahmen kommunaler Initiativen – Verkehrsberuhigung ist vielerorts ein Thema. Sie kann dazu beitragen, Straßenräume aufzuwerten, Konflikte zu reduzieren und die Verkehrssicherheit für alle zu verbessern.
„Verkehrsberuhigung ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn an Sicherheit und Lebensqualität“, betont Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV. Dafür stehen zahlreiche Maßnahmen zur Verfügung – von Tempo-30-Zonen über bauliche Veränderungen wie Gehsteigvorziehungen bis hin zu mobilen Tempoanzeigen oder Bodenmarkierungen.
Von der Analyse zur passenden Lösung
Entscheidend ist, gut abzuwägen, wo welche Maßnahme sinnvoll eingesetzt werden kann. Vor der Umsetzung lohnt es sich, die Verkehrssituation genau zu betrachten. Hilfestellung bieten Checklisten, Richtlinien und technische Grundlagen – sie erleichtern die Orientierung und Planung.
Klimarelevante RVS kostenlos verfügbar
Die Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen (RVS) bilden die fachliche Grundlage der Verkehrsplanung in Österreich. Mehrere für aktive Mobilität und Verkehrsberuhigung relevante RVS-Merkblätter stehen derzeit kostenfrei zur Verfügung – etwa zur Barrierefreiheit, zum Fuß- und Radverkehr oder zur Verkehrsberuhigung. Die Dokumente können über klimaaktivmobil.fsv.at bezogen werden.
Best Practice: Stadtgemeinde Wörgl
Was durchdachte Verkehrsplanung leisten kann, hat die Tiroler Stadtgemeinde Wörgl eindrucksvoll gezeigt. Auf einer Länge von rund 200 Metern wurde der Straßenraum neu gestaltet. Auf 3.100 Quadratmetern ersetzte recyceltes Granitpflaster den bisherigen Asphalt. Wo früher Parkplätze das Bild prägten, ist nun eine „orchestrierte Mitte“ entstanden – ein hochwertiger Aufenthaltsbereich für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie flexibel nutzbare Flächen für Gewerbe und Gastronomie.
Der Anteil der Flächen für Fuß- und Radverkehr sowie zum Verweilen stieg von 36 auf 92 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der täglich passierenden Pkw von rund 5.500 auf nur mehr 514. Ein zentral platzierter Springbrunnen, zusätzliche Grünflächen und Sitzgelegenheiten machen den angrenzenden Stadtplatz zu einem attraktiven Treffpunkt. Das Projekt zählte zu den Preisträgern des Aquila 2025 des KFV.